Shot Tower

Die  Sandy Bay Road nach Süden fahrend genießen wir den Blick auf den breiten Derwent River. Die vielen Motorjachten, die Segelboote geben Hobart das Flair eines Seebades. Der Blick auf den ruhigen Fluss, auf die gegenüberliegenden Hügel, die in der Morgensonne schimmern, ist möglich, weil die manchmal ziemlich enge und kurvige Strasse am Morgen noch wenig befahren ist.

 Shot Tower

Recht bald kommt unser Ziel. Der Vorort Taroona mit seinem historischen „Shot Tower“. Ein historischer Markstein, aufgenommen in die nationale Treuhandkategorie A. Der Tower ist der erste seiner Art, der in Australien gebaut wurde. Und, da die Aussies Rekorde so lieben, auch der einzige runde Sandstein Shot Tower der Welt. In den Anfangsjahren der kolonialen Besiedlung in Tasmanien war der Bowen River nur schwer erreichbar. Ein Fluss, der nach dem Botaniker und Chirurgen Robert Bowen benannt wurde. Dieser erreichte 1804 den Huon River. Bowens Schilderung des dortigen Landes war für Thomas Lukas 1808 Anlass, dort zu siedeln. Seine „Farm in Busch“ produzierte Weizen und Gerste. Doch bis 1833 hatten die Siedler Probleme, ihre Produkte nach Hobart zu bringen. In einem Bericht an den Gouverneur schrieb ein frustrierter Reisender „Der Bowen River ist kaum zu erreichen. Es gibt ab Kingston keine Strasse mehr. Ledigleich ein kaum zu bewältigender sieben Meilen langer Pfad führt durch den Busch. Überall nur kaum zu begehenden Karrenwege!“ Dem Einspruch des Farmer Proctor entsprach der Gouverneur und bewilligte Mittel zum Bau einer öffentlichen Strasse, der Nutzungserlaubnis schon vor der Fertigstellung erteilt wurde. Eine sonst nicht übliche unbürokratische Maßnahme. Für den Straßenbau wurde natürlich Sträflingen eingesetzt. Noch heute ist der hüglige Weg über Kingston die Route, die die Häftlinge in 12 harten Arbeitsjahren bis 1845 erreichten. Heute fährt man von Hobart nach Kingston in 12 Minuten. Früher war es eine Tagesreise.

In dieser Gegend lebte auch ein weltberühmter Brite. Der Postmeister und Bäcker Joseph Keen ist der Erfinder von “Keen’s Mustard“. Jenes grässlichen Senfs, der nach Meinung der Briten durch seinen wunderbaren Genuss jeder Küche zur Zierde gereichen würde. In der Geschichte über das Kangaroo Valley (Seite 745 „Und immer weiter zur Sonne“) habe ich davor gewarnt!
1870 errichtet der Schotte Joseph Moir, ein Architekt, Ingenieur und Aufseher einen Turm, in dem er  handgefertigte Schrotpatronen für den allgemeinen Gebrauch herstellte. Über 8000 gekrümmte Sandsteine wurden für den 58 Meter hohen Turm benötigt. In einem Shot Tower, den man mit Schrotturm übersetzen könnte, wird flüssiges Blei an der Spitze des Turmes durch ein Sieb gegossen. Und beim Herunterfallen erstarren die gesiebten Partikel zu kleinen Kügelchen, die in ein Wasserbad fallen und ziemlich schnell abkühlen. Als Arzt, der ich in einem Betrieb schon mal eine größere Anzahl Arbeiter mit Bleivergiftung behandeln mußte, konnte ich mir schon ein Bild über Gesundheitszustand und die Lebenserwartung der Mitarbeiter machen.

Moir allerdings wurde 70 Jahre alt.