Female Factory

In der Davey Street kann man die 1811 auf Weisung von Gov. Macquarie erbauten Anglesea Barracks, die zur Unterbringung der Gefangenen dienten, besichtigen. Das ist aber nichts gegen die Informationen, die man bei einem Rundgang über die Artefakte der Female Factory an der Macquarie Street erhält.

Female Factory1928 wurde ein Gelände mit drei Höfen zu einem Frauengefängnis umgestaltet. Diese Einrichtung bestand bis 1877. Damit wurde eine der zweifelhaftesten und übelsten Kapitel für Frauen in Australien beendet, aber niemals geschlossen. Man läuft über einen großen Platz, der von hohen Mauern umgeben ist. Noch einige Grundmauern mit Kanalisation sind zu erkennen. Das Gefängnis umfasste fünf Höfe und wird als Äquivalent zu Port Arthur bezeichnet. An einem ursprünglich schon seit 1824 bestehenden Frauengefängnis wurden vier weitere Komplexe angebaut. Vor diesem Bau, der 1821 begann, inhaftierte man die weiblichen Sträflinge in einem 4 x 3 Meter großen Raum im Hobart Town Gaol. Denn immerhin wurden schon 1803 mit der berühmten „Bowen’s Party“ die ersten weiblichen Verurteilten zum Van Diemens Land gebracht. Diese schon unmenschliche Art der Inhaftierung wurde mit der Zeit unerträglich. Und seitdem gab es einen regen Disput zwischen Sorell und Macquarie über den Bau eines Frauengefängnisses. Als aber 1820 mit der „Morley“ weitere 50 weibliche Strafgefangene in Hobart ankamen, stimmte Macquarie endlich dem Bau eines neuen Gefängnisses zu. Seine einzige Forderung war, dass das Frauengefängnis durch eine hohe Ziegelsteinmauer vom Städtischen Gefängnis abzutrennen sei.

So gab es zum Schluss auch Isoliereinrichtungen für Wahnsinnige oder störrische Gefangene, ein Hospital, ein Gefängnis für invalide Gefangene und Jugenderziehungsheim. Alles klingt so harmlos. Und viele Einwohner von Hobart erfuhren erst nach 1856, als man die Deportation von Frauen wieder einstellte, vom dem „Erziehungshaus für Frauen“. 1876 wurde Truganini, die letzte tasmanische Ureinwohnerin, hier heimlich beerdigt und 1879 exhumiert. Die Einrichtung wurde 1877 geschlossen und die restlichen Insassen in das Campell Street Gaol verlegt. Bis 1890 dienten die Gebäude noch als Hospital und 1924 wurde alles abgerissen. Aber die Vergangenheit und die Untaten kann man nicht einfach abreisen! Warum sollen wir die Unmenschlichkeit der britischen Justiz vergessen? Zwei noch erhaltene Fotografien stehen für viele. Da war zum Beispiel Cathleen Barthley. Die hatte mal einen Sonnenschirm und später eine Kuh gestohlen. Urteil: 7 Jahre Deportation. Oder Elisa Janes, ein Dienstmädchen, das schon während der Probezeit von Dienstherrn zu Dienstherrn (fünf waren es zum Schluss) geschoben wurde. Ihre Schuld (wofür eigentlich?) wurde nie bewiesen. Trotzdem Deportation. Wegen Faulheit und Nichterfüllung der dienstherrlichen Weisungen (Guilty for not doing)?

15 Tausend Frauen wurden hier erniedrigt und gequält. Nach der britischen Darstellung des 19. Jahrhunderts, sollen es überwiegend Prostituierte gewesen sein.
Einen klassischen Spruch vom Großmeister William Shakespeare „More sinned against than sinning“ kann man noch heute im Gelände lesen. Ob das die britischen Gefängnisschergen auf sich oder auf ihre weiblichen Sträflinge bezogen haben? Es wird nicht erklärt.

Der Spruch ist ein Zitat aus Shakespeares King Lear, den ich mit “Es ist (immer) mehr gegen das Sündigen selbst gesündigt worden“ übersetzten würde.
Und von den Londoner Theaterbrettern ist so Shakespeare sinnigerweise in der Female factory in Hobart gelandet.
Dass das Frauengefängnis früher eine Rumfabrik war sei nur am Rande erwährt. Und auch deshalb, weil heute nur einige 1oo Meter weiter die Gebäude der berühmten Cascade Brauerei stehen.
Mit der Erwähnung des Namens Truganini verbindet sich die Tragödie eines Volkes, dem die Chance zum erleben verwehrt blieb. Auch sind die Briten auf ebenso grausame Art und Weise gegen die Ureinwohner vorgegangen. Mit dem Erfolg, dass ab 1876 keine echten Tasmanier mehr gab.