Spekulationen

Tasmanien hat eine enorm reiche Tierwelt. Das hat mehrere Gründe: Zum einen bietet die Insel rund um das Jahr ausreichend Nahrung. Zum anderen ist das Land mit knapp 400 000 Einwohnern nur schwach besiedelt. Außerdem fehlen die großen Fressfeinde, da sie vom Mensch weitgehend ausgerottet wurden. Das glaubte man zumindest, denn der größte Räuber unter den Tieren Tasmaniens, der als ausgestorben gilt, ist mehrfach in den letzten Jahren wieder gesichtet worden.
So hat man sogar angebliche Fährten 1948 und 1957 in der Nähe der tasmanischen Hauptstadt Hobart gesichtet. Doch trotz der 1978 von der australischen WWF eingesetzten Mittel von 55.000 Dollar für Suchaktionen und trotz der Erfolgsprämie von 100.000 US Dollar von Ted Turner für den Beweis der Existenz des Beutelwolfes, alles blieb im Reich der Spekulationen. Viel Aufsehen erregte die Beobachtung des tasmanischen Wildhüters Hans Narding 1982. Er versicherte für circa drei Minuten an seinem Rastplatz nahe der Arthur River im NW von Tasmanien einen Beutelwolf gesehen zu haben. Die darauf hin einsetzenden umfangreichen Suchaktionen blieben erfolglos.

Immer wieder tauchen Bilder eines angeblich fotografierten Beutelwolfes auf. Doch die Beobachter verweigern grundsätzlich die wissenschaftliche Begutachtung der Echtheit der Aufnahmen. So war es im Februar 2005, als ein Deutscher bei St. Clair angeblich einen Beutelwolf fotografierte. Als schließlich zwei Experten die schlechten und verwackelten Aufnahmen auf einen Laptop beurteilen durften, sahen sie ein Tier, das zwanzig Meter vom Fotografen entfernt in den Busch verschwindet. Größtenteils ist es vom Gebüsch verdeckt, bis auf Teile des Rückens mit den klar zu erkennenden Streifen. Jedoch sollen auf weiteren Aufnahmen auch noch Teile des Kopfes und des Schwanzes durch das Dickicht zu erkennen sein. Der Besitzer der Fotos hat aber die Versuche der tasmanischen Regierung, mit ihm in Kontakt zu treten, abgeblockt. „Er wolle seine Ruhe haben“ war sein lakonischer Kommentar.

Erst dann äußerte einer der tasmanischen Gutachter in Ergänzung zu seinen Beschreibungen, dass die Fotos denen ähneln würden, die in einem Buch des deutschen Zoologen und Beutelwolfexperten Prof. Dr. Hans F. Moeller von der Ruprecht-Karl-Universität Heidelberg abgebildet seien. Das Buch beziehungsweise die genauen Abbildungen möchte er jedoch nicht benennen, um frühzeitigen Diskussionen über einen Betrug oder einem Scherz vorzubeugen.
Und da gibt es ja noch die unbewiesene „Flüsterpropaganda“, nach der eine Gruppe von Tasmaniern unter Leitung einer Mitarbeiterin des Zoos von Hobart (?) heimlich versucht habt, so viele Beutelwölfe wie möglich zu fangen, um sie in unwirtlichen, also sicheren Gelände wieder frei zu lassen.

Die meisten Sichtungen außerhalb von Tasmanien werden auf den Hauptstraßen von Melbourne und Sydney beschrieben. Ach übrigens die allerletzte „Beobachtung“ eines Tasmanischen Tigers datiert am 16. Januar 2006 auf eine Strasse in Victoria.
Glücklicherweise ist der Versuch, diese Tier zu klonen, fehlgeschlagen. Die DNA aus Zellen eines seit 1886 konservierten Beutelwolf Jungtier war zu sehr beschädigt.

Trotzdem nehmen australische Wissenschaftler viele der Hinweise sehr ernst. Der Tierpsychologe Dr. Robert Paddle aus Melbourne, Autor der Buches “The Last Tasman Tiger“, schreibt im Internet am 2. März 2005 „dass die meisten angeblichen Beobachtungen einfach zu widerlegen sind. Sichtungen von Beutelwölfen, die die Hauptstraßen von Sydney oder Melbourne überqueren, seien nicht ernst zu nehmen. Weitere Sichtungen gehen zurück auf Leute, die Spaß am Fälschen von Fotografien haben. Es sei aber wichtig, nicht alle Sichtungen zurückzuweisen Er habe selbst mit fünf oder sechs Augenzeugen gesprochen, die von ihren Sichtungen absolut überzeugt sind und die Flora und Fauna von Tasmanien sehr genau kennen, sei es durch das Leben in dieser Umwelt oder wissenschaftlicher Erfahrung als Zoologe. Die Entdeckung von vermeintlich ausgestorbenen Tieren sei auch nach fünfzig Jahren nicht ausgeschlossen.“

Hier kommen die Bestrebungen der Australier, die „Selbsttore in Flora und Fauna“ aus der Vergangenheit zu minimieren zum Ausdruck.
Die Kryptozoologie ist eine Wissenschaftssparte, die sich mit der Suche nach derart verborgenen Tieren beschäftigt. Und deren Vertreter glauben, der offiziell als ausgestorben geltende Beutelwolf würde in Wäldern Tasmaniens immer noch jagen. Angeblich findet man von diesem Tier, das Streifenhund, Tasmanischer Tiger, Zebrahund oder Zebrawolf genannt wird, immer wieder Pfotenabdrücke oder hellbraune Fellbüschel oder sichtet es sogar. Der Tasmanische Tiger gehört somit zu den Kryptotieren, die in „Das Monsterbuch“ von Ernst Probst auf Seite 157 beschrieben werden. Dabei kommen die Beutelwölfe eine Seite vor den Dinosauriern, deren Beschreibung auf Seite 158 steht. Wer sich mit den Kryptiden beschäftigt wird auch auf den Namen „Yarri“ stoßen. Ein Wort, das aus der Sprache der Walpiri Volkes stammt. Im Northern Territory ist es das Synonym für „angreifen oder gefährden“. In Queensland bezeichnet man so den Beutelmarder (Dasyurus maculatus).
Und so nennen die Kryptozoologen folglich den „Queensland Tiger“, der nach ihrer Darstellung schon gewisse Ähnlichkeiten mit dem Beutelwolf aufweist. In WA nennt man einen Eukalyptusbaum „Yarri“.

Ob es solche Kryptiden wirklich noch gibt? Immerhin, mit der Wollemi Pine hatte auch niemand gerechnet.