Russell Falls

Sehr wissenswert fanden wir die Informationen über die verschiedenen Varianten der Borkenbildung und deren Abstoßung. Wenn die Aussies oder Tassies nur nicht immer so extrem in ihrer Rekordsucht wären. Die unterschiedliche Bemoosung der Bäume macht den Wanderweg richtig romantisch. Die Swamp Gums bilden Jahresringe, die so genannte falsche Ringe sind und keinen Rückschluss auf das Baumalter erlauben. Plötzlich ist die Ruhe dahin. Mehrere Großfamilien kommen uns entgegen. Und anstatt die Natur zu genießen, veranstalten sie Wettrennen. Wir nähern uns dem Russel Falls von oben.

Russell FallsZunächst kommt der Horseshoe Fall, eine kleine Wasserstufe, dann noch einige Meter und das Wasser rauscht in einer Breite von 15 Metern 60 Meter tief hinunter. Ein schöner Wasserfall, gut fürs Fotoalbum, aber bei weitem nicht so atemberaubend wie der Marriott Falls. Obwohl, wie uns ein Ranger erzählt, der Fall bei Nacht ein Erlebnis sei. Tausende Glühwürmchen würden ihn da beleuchten. Bei meiner frage, wie viel Volt so ein Glühwürmchen hätte, griente er nur.
Auf dem Rückweg zum Parkplatz sahen wir ein junges Känguru, das sich übergeben hatte und kaum noch Kraft zum Weiterlaufen besaß. Hat da jemand gefüttert? Gerade stürzte eine größere Kinderschar, deren Eltern folgten, in das Unterholz. Da sind wir lieben weiter gegangen.
Vom Parkplatz aus, wo uns ältere Besucher misstrauisch beobachteten, unseren Gruß nicht erwiderten und demonstrativ sich mit den Rücken zu uns stellten, sind wir die Lake Dobson Road weiter hinauf in den National Park gefahren. Immer mal an ausgesuchten Stellen haltend, um den Blick nach untern zu genießen. Das waren 14 Kilometer unbefestigter, sandiger und steiniger Piste bergauf. Ein Weg, den 50 Arbeiter im Oktober 1934 zu bauen begannen. Es war die Zeit der großen Depression. Und die Arbeiter waren motiviert, glücklich Arbeit zu haben. Zügig, selbst bei schlechtem Wetter oder Schnee, ging der sehr schwere Bau vorwärts. Im Winter 1937 erreichte die Strasse den Lake Fenton und nach einigen weiteren Monaten vollendet man die letzten 3,5 Kilometer im Hochgebirge.
 

Beyond the canopyMan hatte den Lake Dobson erreicht. Tasmanien besaß nun eine weltweit vorzeigbare Touristenstrasse für Wanderer und Skifahrer. Die Überreste der ersten Unterkunft für die Skifahrer am Lake Fendon stehen noch. Der Blick von hier wird „Beyond the canopy“ (Über den Baldachin) genannt.
Je höher wir kamen desto trister erschien uns diese kühle und harsche Umgebung. Eben Hochgebirge. Und für den Aufstieg zum Mt. Field East (1269 Meter) wird sogar die Mitnahme von Skiern empfohlen. Schließlich sind wir ganz oben, auf dem Plateau. Beeindruckt würdigen wir die, unter diesen Bedingungen und den technischen Möglichkeiten der dreißiger Jahre, phantastische Leistung der tasmanischen Straßenbauer. Ehrlich, das ist hier eine Landschaft wie nach einem Meteoriteneinschlag oder einem Bombenangriff. Uns jedenfalls frustrierte die Kahlheit und Öde. Dazu der kalte Wind. Aber ich lernte dort im Hochgebirge einige Menschen kenne, die gerade diesen Landschaftstyp lieben und immer wieder gerade hier gern sind.
Outback StrasseSo erstaunte uns auch nicht, dass auf dem Parkplatz des noch weiter oben gelegenen Lake Dobson 10 Autos standen. Hier scheint die Welt zu enden. Einige meteorologische Messgeräte sind installiert. Vor dem See stehen einfache Hütten für die Wanderer. Die Gegend ist sicher nicht ungefährlich. Gleich an zwei Stellen lesen wir die Hinweise, sich vor der Wanderung beim Walker Inform System registrieren zu lassen. Eine gute Einrichtung zur Sicherheit, wie wir schon in Down under Kennen gelernt hatten. Trotz des schlimmen Windes sind wir noch die Treppen hinunter zum See gegangen. Immerhin wollten wir zumindest ein Stück auf der Holzbohlenplattform am Ufer spazieren. Vergiß es! Die Kälte und der Wind trieben uns wieder ins Auto.
Ein wirklich erlebnisreicher Tag. Trotz Nässe, Wind und Kälte. Zumal wir uns schon bei der Rückfahrt auf unser warmes und komfortable Quartier in Maydena freuten.