Gordon Catchment

Beim Landkarten Blick auf das Zentrum Tasmaniens fallen die vielen kleineren und größeren Seen auf, die oft auch noch untereinander verbunden sind. Seen, die sich auf dem 1000 Meter hohem Zentralmassiv befinden. So ist es nicht verwunderlich, wenn sogar Wissenschaftler vermuten, dass im Zusammenhang mit dem Driften der Kontinente eines Tages (allerdings erst in Millionen von Jahren) die Insel Tasmanien auseinander brechen könnte. Dieses Argument war schon 1963 bekannt, als die Regierung Tasmaniens rund fünf Millionen Dollar bewilligte, um eine Strasse westlich von Maydena in das Gordon River Gebiet zu bauen. Hier befindet sich mittlerweile das größte Wasserreservoir Australiens.

Die beiden untereinander verbundenen Seen Lake Gordon und Lake Pedder sind zusammen acht Mal größer als der Great Lake und drei Mal größer als der Lake Eucumbene beim Snowy Mountains Scheme. Und da man in Australien bei Wasser immer die Kapazität des Sydneyer Hafens zum Vergleich nimmt. Mit dem hier entstandenen Frischwasserreservoir könnte der Hafen 27 Mal gefüllt werden. Der Lake Pedder entstand nach dem Bau von den drei Dämmen Serpentine, Scotts Peak und Edgar. Das Wasser des Lake Pedder fließt über den McPartlan Pass in den Lake Gordon.

Lake GordonDiese 500 Km² große Wasserfläche wiederum entstand nach dem Bau eines gebogenen 140 Meter hohen Steindamms in einem engen Tal. Das dadurch entstandene Kraftwerk ist das größte in Tasmanien. Es liegt unterirdisch und hat eine Kapazität von 432,2 MW. Noch beim Bau gab es Verfechter der Idee, den Gordon River und auch den Franklin River weiter aufzustauen, um durch zusätzliche Power Stationen noch mehr Energie zu gewinnen. Das hätte in Bälde dazu geführt, dass die urwüchsigen Wälder und Schluchten im größten tasmanischen Wildnisschutzgebietes (Franklin-Gordon Wild River NP) bald im Wasser versinken würden. Aber es bedurfte eines Urteils des höchsten Gerichtshofes, diese Ansinnen zu stoppen.

Der 6.100 Km² große Southwest NP bildet mit dem 4.400 Km² großen Franklin-Gordon Wild River NP das größte zusammenhängende tasmanische Wildnisschutzgebiet.
Wieder ist der Morgen kühl und dunstig. Es sollen heute noch 22°C werden. Immerhin hatten wir über Nacht bei 7-8°C den Heizkörper laufen. Nun geht es auf guter Strasse westwärts. Recht bald erreichen wir den ausgeschilderten höchsten Punkt der Gordon River Road mit 651 Meter. 190 cm Regen kommen hier jährlich runter. Von hier hat man eine gute Sicht zum Mt. Fields West (1436 m), zum Mt. Seniles (1021 m) und zum Mt. Mueller (1234 m) im Süden. Es ist ein angenehmes Fahren.

Frodshams PassBeim Frodshams Pass lugen die ersten Sonnenstrahlen vorsichtig zu uns und den anderen dort Wartenden. Der Pass, eine Wegkreuzung, wo nach Norden die Churchill Road in den ehemaligen Lebensraum des tasmanischen Tigers abzweigt (Tiger Walk) und nach Süden die Scotts Peak Road zum Lake Pedder führt, ist ein Treffpunkt für Wandergruppen. Vor der großen Informationstafel unterhalten wir uns mit einigen der Touristen. Die wollen in der Gruppe auf den Mt. Eliza. Wir sprechen über das Wetter, dass es heute regenfrei bleiben soll, über Deutschland und dass Australien nach dem Fußballsieg über Uruguay, der die WM Teilnahme bedeutete, jetzt wohl auch die Deutschen schlagen kann. „We’ll see“ war meine salomonische Antwort. Dabei wunderte ich mich mehr über die Kleidung der Tasmanier als über ihre Fußballmeinung. Die trugen nämlich bei dieser morgendlichen Kälte kurze Hosen und dazu Westen. Wir waren in Jeans und Pullover „eingehüllt“. Irgendwie sind die britischen Gene bei Aussies und Tassies wohl doch noch vorhanden. Nun ist deren Gruppe komplett, wir wünschen uns einen schönen Tag. Auf der Karte sehen wir noch einmal, wie der Lake Pedder vor der Stauung nur einen Durchmesser von drei Kilometern hatte. Die heutigen 30 Kilometer konnten die Naturschützer nicht verhindern.

Da der unbefestigte Weg viel Staub aufwirbelte, ließen wir die Gipfelstürmer erst einmal weit vor uns fahren. Wir haben ja Zeit. Unser erster Stopp ist der Creepy Crawly Nature Walk. Also ein gruseliger, eine Gänsehaut verursachender Naturweg, einer der interessantsten Waldwanderungen Tasmaniens. 2,5 Kilometer in 20 Minuten soll der Spaziergang durch den „temperierten“ Myrtle Forest führen. Schon 6 Meter hinter der Strasse beginnt der dichte Wald.