Edgar Dam

Am Condominium Creek Parkplatz zum Aufstieg auf den Mt. Anne, dem höchsten Berg (1425 m) im Süden, stehen viele Wagen. Erstaunlich, weil wir gesehen hatten, dass man für den Mt. Anne Circuit drei bis vier Tage schwerste Wanderung einplanen muss. „Condominium“, ein seltsamer Name für einen Parkplatz, weil das Wort übersetzt „Eigentumswohnanlage“ bedeutet.
Am Straßenrand gibt es ab und zu Parkbuchten, von denen man einen herrlichen Blick auf die ständig wechselnde Landschaft hat. Und wir begreifen die schwärmerischen Schilderungen von Touristen, die wir in Down under trafen, wenn sie gerade aus Tasmanien kamen.

Der nächste Parkplatz, der Start zum Aufstieg auf den Mt. Eliza, heißt Red Tape Creek. Eine fünfstündige Tour, die man nur erfahrenen Bergsteigern empfiehlt. Ein unvergesslicher Ausblick vom Eliza Plateau auf Berge, Täler, Seen, ja sogar bis zum Ozean, soll den Bergsteiger belohnen.
Von diesem Parkplatz führt auch eine achtstündige Wanderung (mit Rückweg) zum einsamen Gletschersee Lake Judd. Das soll der beste und schönste Track im National Park sein.

Wir fahren weiter. Und bald sehen wir eine große Wasserfläche zwischen den Bäumen schimmern. Eine ziemliche Strecke begleitet uns jetzt der Uferrand des Lake Pedder. Nun sind wir auch sicher, dass wir den Weg zur Mündungsstelle des Florentine River von der Lake Pedder Road verpasst hatten. Oder gibt es den Weg gar nicht? So bliebe uns nur der Tims Track, der von den Dämmen zur Mündung führen soll. Ein leichter Weg. Aber vier Stunden? Das war uns zu lang.
Am Edgar Dam und auch am Scotts Peak Dam gibt es Camping Plätze. Eine Hotelübernachtung ist ebenfalls möglich. Allerdings liegt das Lake Pedder Motor Inn in Strathgordon. Und an Picknickplätzen hat es in Australien noch nie gemangelt.
Der Edgar Damm liegt unter dem Seelevel und besitzt einen kleinen Überlauf. Passend wurde er in eine Schlucht eingebaut. Er ist 17,4 Meter hoch und 426 Meter lang. Der richtige Staudamm ist der Scotts Peak, mit einer Höhe von 42,5 Metern und 1065 Meter Länge. Ganz schön imposant.

Scotts Peak - Edgar DamDie über 20 kleinen „Inseln“, die man im See sieht, sind die Spitzen der mittlerweile überfluteten Berge. Der größte von ihnen ist der Scotts Peak. Ihm gegenüber liegt der Scotts Peak Dam. Natürlich hat der See, der eine Oase für den Forellenfang sein soll, auch eine Bootsrampe. In einer kleinen Bude ist die Registratur. Hier sollten sich Camper, die Badegäste und die Bootsfahrer eintragen. Diese Zahlen sind die Basis für das touristische Angebot, für die Zahl der Toiletten, der Waschgelegenheiten, der Freizeitplätze. Es gibt ein echtes „Area Management Programm“. Die Sicht von der Damm Mauer ist beruhigend, zumal wir die einzigen Besucher sind. Die Vögel, die uns zwitschernd begrüßen sind ja wohl sicher Einheimische. Der See ist von Bergen umgeben. Im Westen sieht man viele Gipfel und Zacken. Ein ausgefranstes Bild. Im Süden und Osten sind die Übergänge mehr sanft, mild und bewaldet. Doch schon im Norden stehen wieder die ziemlich zerklüfteten Berge. Das ist hier eine wilde, einsame und harsche Umgebung. Und schon ist bei mir dieses Unrealitätsgefühl, diese 3-D Ahnung wieder da. Die gedämpften Farben, die Ruhe, die saubere, klare Luft machen dies wohl. Wie künstlich gestaltet, irgendwie unnatürlich wirkt die Landschaft auf mich. Die begrünten Hügel in der Ferne erscheinen mir wie mit einer Samthaut bezogen, auf der grüne Knöpfe angebracht wurden.

Der Bau der Staudämme am Lake Pedder beendete die mindestens zehntausendjährige Isolation der Tierwelt des Sees. So ist heute der Bestand des einzigartigen Pedder galaxias, ein tasmanischer Forellenhechtling, ernsthaft gefährdet. Ich hatte ja geschrieben, dass der See eine Oase für Forellenfischer ist. Diese Lachsforellen wurden nach der Flutung des Sees hier eingeführt. Und für die ist der nur 7,5 cm große Pedder galaxias ein willkommener Beutefisch. Als man vor einigen Jahrzehnten den Bestand im riesigen See noch auf weniger als 200 dieser Zeugen der Vergangenheit schätzte, wurden einige Exemplare zum Lake Oberon umgesiedelt. Man hofft, dass sie dort vor Räubern sicher sind und überleben können. Das Fleisch der tasmanischen Forellen im Lake Pedder ist übrigens überwiegend leicht rosa. Ein heimischer Fisch, der Kletternde Galaxiid, ist durch das veränderte Flusssystem zum Lake Pedder gekommen. Dieser entfernte Cousin des Pedder galaxias wird von den Forellen ebenso gern gefressen. Daher die rosa Farbe des Fleisches.