Yabbies und Wasserfall

Aus dem Park gelangt man über einen Weg, neben dem ein Flüsschen plätschert, leicht und angenehmen zum Wasserfall. Bis 1969 versorgte dieser Fluss die Stadt mit Wasser. Eine Pipeline führte auch zum Hafen und zum Bahnhof. Dampfschiffe und Lokomotive erhielten so ihr benötigtes Wasser. Es ist ein angenehmes Wandern im Wald, neben den Farnen. Besonders die in ansprechender pädagogischer Form abgefassten Hinweise für Kinder über die Pflanzen und Vögel haben mir sehr gefallen. Und wirklich gelacht haben wir über eine Fotografie auf einer Tafel. „Forellenfang 1900!“ Da standen drei würdige Herren am Ufer. Bekleidet wie zu einem Theaterbesuch. Mit Weste, weißem Hemd und Binder, dazu blanke Lackschuhe und einen Hut mit schwarzem Band. So fing man an der Westküste Tasmaniens um die Jahrhundertwende Forellen. Ob damals das Wasser des Botanical Creek auch schon so gelbbraun war? Der Tanningehalt des Flussbettes, des Ufers und der Pflanzen bedingt die Färbung. Die Schnabeltiere soll die Färbung aber nicht stören. Nur sind sie sehr scheu. Und man kann sie nur bei Einbruch der Dunkelheit hin und wieder sehen. Ab und zu liegen am Wegesrand umgestürzte Bäume, die schon völlig von Moosen bewachsen sind. In dem Schlamm des Flusses bauen sich Yabbies, das sind kleine Flusskrebse, ihre kleinen Schlammkamine, unter denen sie leben. Knapp 30 Minuten dauert der gemütliche Spaziergang durch den Regenwald bis zum Wasserfall.

WasserfallZum Schluss steigt man noch über 26 Stufen zur Plattform, von der der Fall sehr schön zu besichtigen ist. Der wilde Trampelpfad (eigentlich gesperrt) wäre nicht von Nöten. Ein malerischer Platz. Von der Sandbank schauen wir hinauf, wo herausragende Felsbrocken in der Wand eine Teilung des hinunterstürzenden Wasser bedingen. Aus etwa 30 Meter Höhe rauscht es in zwei Streifen herunter.
Einmal in der Gegend sind wir anschließend noch zum Regatta Point gefahren. Der dortige Bahnhof (1899) sieht ganz nett aus. Die einzelnen Waggons der ABT Railway mit ihren mal rot, mal weiß umrandeten Fenstern passen zum Bahnhof.

Der Friedhof der Stadt liegt auf einer Anhöhe am Ostufer der Bay. Ob es wirklich so pietätlose Menschen gibt, die im Friedhofbereich campen? Muß wohl. Sonst stünde das Schild „No Camping“ ja nicht hier. Auf dem Friedhof gibt es eine Ordnung. Links befinden sich die Gräber der vor 1900 Verstorbenen, rechts der „Rest“. Die ältesten Grabstellen stammen aus der Zeit zwischen 1891 und 1895. Einige der Holztafeln sind schon ganz schön verrottet. Aus den Unterlagen weiß ich, dass hier schon 1833 verstorbene Siedler beigesetzt wurden. Über 30 Grabstellen sind nicht mehr vorhanden. Entweder wurden die Verstorbenen umgebettet, oder aber die neuen Landeigener zerstörten die Gräber, weil sie das Land brauchten. Doch auch Diebstähle kamen vor. So tauchte die verschwunden Grabtafel von Alice Leatherbarrows als überraschender Nebenfund einer Razzia der Polizei in Hobart wieder auf. Meist standen auf dem Friedhof statt Grabsteine eben diese Kreuze oder Platten, gefertigt aus dem Holz der Huon Pine, das ja so lang haltbar ist und der Verwitterung standhält. Doch 130 Jahre sind halt eine lange Zeit.

Hier ist auch Frederick Henty begraben, der Gründer von Strahan, das bis dahin Long Beach hieß. Und Thomas Bather Moore, ein Forscher und Entdecker, der in der Gegend die ersten Wege bahnte. Tragisch das Schicksal von Rupert Cecil Alabaster, dem Manager der Oonah Mine und Hüttenbesitzer in Zeehan. Die notwendige Schließung der Mine 1911 war der Anlass für den Selbstmord des sensiblen Mannes.