Wir fuhren dann die Esplanade zurück und bogen beim Harbour Cafe in die Esk Street. Hier geht es hinauf zum Water Tower Hill. Ein Besuch, der sich nur bei klarem Wetter lohnt. Dann schaut man nicht nur auf die Stadt von der Höhe. Bis zum Ocean Beach und den Bergen nahe Zeehan kann man sehen. Besonders am Morgen strahlt der Leuchtturm von Cape Sorell hell in der Sonne.
Nach diesem Frederick Henty wurden übrigens eine Gruppe bis zu 30 Meter hohe Wanderdünen benannt. Etwa 14 Kilometer von Strahan entfernt erreicht man auf der Strasse nach Zeehan einen Abzweig zum Ufer des Südlichen Indischen Ozeans. Es gibt einen Parkplatz und genügend tiefe Reifenspuren, die von hochtourigen „Strandflöhen“ mit Allradantrieb verursacht sind. Die Dünen, ein Gemisch von Mineralkörnern, sind vor über zehntausend Jahren entstanden. Und sie „leben“. Es wird eine stetige Wanderschaft registriert. Daran beteiligt sind die Wellen des Ozeans, die Vegetation, die überstarke Belastung durch Menschen und vor allem der Wind. Folglich haben sich auch Interessengruppen gebildet, die an den Dünen Anteil nehmen. Da wären die Gemeinde der Aborigines, die Freizeit Auto Sand Touristen, die vielen normalen Touristen, die Wanderer und die Fischer. Als ich vom Parkplatz die hohe Sandwand hinauf kletterte, kam ich mir vor, wie ein Fahrer der Rallye Paris-Dakar, der in der Wüste Panne hat.
Bei meinem „Sanddünenaufstieg“, ich schätzte die Steigung auf über 20% kamen mir zwei Jungen, die auf ihren Surfbrettern standen, entgegen. Ganz oben hat man eine schöne weite Sicht über das Sandplateau. Zum Teil sind hier schon Bäume und Sträucher gewachsen.
Funde von Überresten ehemaliger Lebensbereiche in und am Rand der Dünen sind der Beweise, dass hier über tausende Jahre Aborigines lebten. Davon zeugen Steinwerkzeuge und Reste von Schalentiere. In der Aboriginal Cooperation sind diese Artefakte zu besichtigen. Und auch Hinweise, wie störanfällig die Siedlungen durch natürlich und menschlich induzierte Erosion waren, besonders wenn sie in den Wanderdünen lagen. Zumal einmal dort verlorenes Gebiet nicht zurückerobert werden konnte. Noch heute gibt es in den niedriger liegenden Arealen solche Siedlungshinweise. Einige wurden zufällig oder mutwillig von Weißen zerstört. Es ist bewiesen, dass die Ureinwohner versuchten, in Einheit mit dem Ozean, den Flüssen und dem umgebenen Wald zu leben. Sie betrachteten sich als Hüter dieser Geschenke, auch der Kultur und Religion, für zukünftige Generationen. Dies änderte sich mit Eintreffen der Europäer. Schon der Konflikt über die Nutzung des Landes wurde zum anhaltenden Problem. In dem Strahan Wharf Centre kann man den zeitliche Ablauf diese Auseinandersetzungen bis zur Vertreibung der Ureinwohner in Schaukästen verfolgen.
Auf der Rückfahrt zum Motel hielt ich kurz vor einem Liquor Store. Ich wollte für den Abend eine Flasche unseres Lieblingsweins Chardonnay „Queen Adelaide“ kaufen. Leider war der nicht vorrätig. Während ich noch unschlüssig das Weinregal durchmusterte kam ein Mann in den Laden, der ebenfalls nach „Queen Adelaide“ fragte. Der Herr kam zu mir und wollte auf Englisch wissen, welchen Wein ich denn jetzt auswähle. Bald stellten wir fest, dass wir beide aus Deutschland waren. Und er erzählte mir, dass dieser Chardonnay bei vielen Deutschen, die er kennen würde, der Lieblinswein in Down under wäre. Der Store Keeper meinte in trockener australischer Art nur. „In zwei Tagen können Sie auch den Wein Queen Adelaide bei mir kaufen.“ Und er hielt Wort.