Hier war viel Betrieb. Auf dem Campingplatz hatten sich viele Wildwasserfans einquartiert, die von hier aus zu Kanutouren auf dem Franklin River starteten. Unser Wagen nahm brav und ohne Mühen den nun folgenden Aufstieg am Rande des Mt. Alma hinauf zum Victoria Pass. Hier sah ich zum ersten Mal ein neues Warnzeichen am Straßenrand. Ob hier Kängurus leben, die Autos umkippen?
Man hätte lieber vor den irren entgegenkommenden Autofahrern warnen sollen, denen Linksfahren auch in der Kurve offensichtlich unbekannt war. Und das gerade beim Hinabfahren vom Victoria Pass zum Nelson River. Von den Nelson Falls hatten wir schon gehört.
Auf dem Parkplatz trafen wir auch die beiden jungen Kanadier wieder, die nunmehr keine Angst mehr vor einer Strafe hatten. Zu viele Autos ohne Parkpass standen hier. Über die Nelson River Brücke sind wir neben dem Fluss durch ein sehr Natur belassenes Gebiet, einer Wildnis rechts und links des Flusses, zum Fall gegangen. Ein gut begehbarer Weg. Bis zu acht Meter hohe Bäume mit einem auffallend dünnen Stamm säumten den Weg. Dazu kamen noch Farne verschiedener Variationen.
Die Felsen der Gegend sind während der Eiszeit hierher geschoben worden. So entstand auch die 80 Meter Höhendifferenz für den Wasserfall. Ein Fall, der mir viel besser gefiel, als der Russel Falls. Und, hier gaben mir die Kanadier Recht, irgendwie erinnert dieser Nelson Falls an die Wasserfälle in den kanadischen Rocky’s.
Einer der Aussies, der am Parkplatz ein unfangreiches Anglersortiment auspackte, erklärte uns, dass hier eine der günstigsten Plätze zum Fang der Regenbogenforelle sei.
Eigentlich hatten wir in St. Clair bei unserer Beratung über die Weiterfahrt als Endpunkt der heutigen Reise Queenstown ausgewählt. Eine alte Bergarbeiterstadt, gelegen in einer Schlucht, bekannt durch die Kupferminen.
Wir überquerten den Lake Burbury. An einer schmalen Stelle wird der Lyell Hwy auf der Bradshaw Bridge über den See geleitet. Ein herrlicher See mit den zerklüfteten Bergen im Hintergrund, Wie konnte ich nur in Tasmanien denken, dass nach den National Parks nunmehr die Berge weg sein würden. Für kurze Zeit hatt eich den Panoramablick vom Mt. Wellington vergessen. Eigentlich besteht ganz Tasmanien aus Bergen mit Zwischenräumen. Wir hatten also weiterhin Blick auf die umgebenden Gebirgsketten. Und mir fiel ein, welcher Unterschied zu den Gebirgsmassiven in WA und im Northern Territory besteht. Hier sind die Gipfel kahl, wie geschoren. Dort sahen wir immer eine girlandenartige Baumkette auf den Bergkämmen.
Jetzt kam erst die richtige Gebirgslandschaft. Vorbei an den ehemaligen Minenorten Linda und Gormanston, heute nur noch Geisterstädte, fuhren wir durch zerbröckelnde Kalksteinfelsen mit kahlster Vegetation noch über den Cemetry Creek in die Queenstown Region. Von der Höhe des Mt. Lyell sahen wir im Tal der zerklüfteten, kahlen, tristen Gegend die 1886 gegründete Bergbaustadt. Was für ein Schaden, den man hier der Natur zugefügt hat. Die Verwüstungen sind unglaublich und erinnern sehr an die Arbeitsweise der Wismut AG im Gebiet zwischen Gera und Aue: Und dieser Schaden ist auf alle Fälle durch die 2007 eröffnete Bundesgartenschau in Gera/Ronneburg im Ronneburger Gebier wesentlich gemindert worden.