Strahan und der West Coast Wilderness Way
Strahan wurde 1883 gegründet. Die Geschichte der Stadt ist der “Schaukasten des Lebens in Tasmanien”. Zum Zeitpunkt der Ortsgründung bestand die brutalste Strafgefangeneneinrichtung Tasmaniens auf Sarah Island (1822 bis 1833) schon nicht mehr. Aber der üble Nachruf blieb bis heute.
Die Lage von Strahan an der Westküste Tasmaniens ist optimal. Geschützt durch die Bucht Macquarie Harbour ist der Hafen des Ortes nur durch eine schmale Lücke (Macquarie Head) zu erreichen. Die Entdeckung von Gold und Kupfer am Mt. Lyell 1886 und der Bau der Wilderness Railway über die bauaufwendige 16%ige Steigung zwischen Queenstown und Strahan machten den Ort zum größten Hafen um die Jahrhundertwende. Nicht nur die Produkte des Bergbaus wurden verschifft, nicht nur der Zustrom der Menschen lief über Strahan, auch die Holzindustrie brauchte den Hafen für den Transport der geschlagenen Huon Pinien. Recht bald wurde Strahan auch zu einem beliebten Ankerplatz für Langustenfischer und Seeschneckensammler. Und gleich mit der Ortsgründung entwickelte sich um den Ort zunehmend die Landwirtschaft.
Heute ist Strahan natürlich ein Tourismus Zentrum an der Westküste. Der Eintritt in das Weltnaturerbe Areal, dem Wild River National Park.
Zunächst lernten wir den Ort kennen. Eine gemütliche Ansiedlung. Das etwas außerhalb liegende Shopping Centre verhindert Verkehrsstaus im Ort. Natürlich dominieren am Hafen die Anlegestellen der Ausflugsboote, die Fischerboote und zwei Sägewerke, die die Erlaubnis zum Zersägen der mächtigen Huon Pine haben. Überall duftet es nach Kiefernöl. Mit einer Kolbensäge geht es den Riesen zu Leibe. Die Huon Pines, die am Ufer des Gordon River stehen, sind zum Teil 4000 Jahre alt. Das hohe Alter dieser Bäume ist ein noch nicht gänzlich gelöstes Geheimnis. Sicher ist aber, dass durch das so genannte Nelkenöl, ein Methyl Eugenol, das sich das Holz vor Insekten schützt und sich gleichzeitig auch imprägniert. Das tun viele Pflanzen. Nur die Huon Pine „überfluten“ sich regelrecht mit dem Öl. Das soll durch die primitiven Fortpflanzungsmechanismen bedingt sein. Solange das Öl im Holz ist gibt es einen jahrtausendlangen Schutz vor Verrottung und vor Schädlingen. Folglich hatte das Holz für den Schiffsbau damals einen enormen Wert. Boote aus Eichenholz wurden vom Holzwurm Terrido navalis zu Staub zerlegt. Das Huon Kiefer Holz blieb unberührt. Erstmals entdeckte man diese Bäume an der Mündung des Huon River.
Über 100 Jahre altes Holz, das den Fluss herunter kam war nach langem Aufenthalt im Schlamm immer noch gesund. Zur Zeit der Sträflingskolonie (1822 bis 1833) lagerte man die Bäume nach dem Fällen im Macquarie Harbour oder in Nebenflüssen, um es bei Bedarf zu holen. Das war auch die Reserve 1960 bis 1964, als man das Fällen der Bäume verboten hatte. Das Holz, das die Morrison Mill heute verwendet, besteht aus den Beständen der gefluteten Täler. Es wurde vor vielen Jahren geschlagen und auf dem Waldboden einfach liegen gelassen. Das ist alles sehr eindrucksvoll. Das Sägewerk stellt auch kleine Holzplättchen her, die man ab fünf Dollar aufwärts an die Touristen verkauft.
Foreshore Walk heißt der gut gehbare Weg von den Picknickplätzen in West Strahan, immer entlang des Wassers, durch den Ort bis zum Regatta Point. Vorbei an vielen historischen Gebäuden, wie der Werft, dem Ormiston House, 1889 ein staatliches Gästehaus, heute ein Hotel. Frederick Ormiston Henry verwirklichte das, wovon viele der Einwanderer träumten. Mit 100 Pfund betrat er Tasmanien. Nach nur zehn Jahren war er einer der reichsten Männer der Insel. Seine Läden standen in allen Minenstädten. Von dem Vermögen, das er durch den Verkauf seiner Anteile an der Mt. Lyell Mine bekam, baute er in Strahan das prächtigste Wohnhaus der Westküste. Außerdem führt der Walk auch vorbei an den Sägemühlen und dem kolonialen Customs House, in dem heute die Post, die Bibliothek und der Wildlife Service sind.
Ein empfohlener Ausflug innerhalb der Stadt ist der Besuch der Hogarth Falls im People Park. 1890 stellte John Ware, ein Förderer der Stadt, der Bevölkerung 70 Acres Land zur Verfügung. Es sollte ein Volkspark entstehen, der auch Touristen anziehen möge. Eine weitsichtige Tat! So entstand hier in der Mitte zwischen der Werft und dem Regatta Point eine gut miteinander harmonisierende Einheit. Es gibt den Picknickplatz, es bestehen Campingmöglichkeiten. Die einstigen Träume des John Wave sind Realität geworden. Noch heute können wir die Nachbildung des Zaunes mit den damals so beliebten Ornamenten bewundern. 1900 hat ihn Wave selbst entworfen und zum Federation Tag, am 1. Januar 1901, übergeben.