Den Namen Sarah Island bekam die Insel 1815 durch James Kelly, der so der Ehefrau Sarah seines Expeditionsfinanziers Dr. Birch gedachte. Sarah gehörte immerhin mit zu den Pionieren der jungen Kolonie. Ihr Vater George Guest kam schon mit der First Fleet nach Australia. Ihre Mutter Mary Bateman kam mit der Second Fleet. In der Zeit der Nutzung als Strafgefangenenlager nannte man sie Settlement Island. Und völlig vergessen scheint zu sein, dass die Insel den Frauen der Ureinwohner als ein Treffpunkt diente, wenn die Stämme hier die Eier der Schwäne sammelten. Langerounerene hieß die Insel bei den Aborigines.
Es gab keine Möglichkeiten zu entfliehen. Die undurchdringliche Wildnis, das raue und bewegte Meer und dazu die Eisenketten. Die meisten Sträflinge trugen Fußfesseln. Und es ist vielleicht interessant an dieser Stelle zu erfahren, dass der Bau der Strafanstalt Port Arthur 1830 auch deswegen entstand, weil die Bedingungen auf Sarah Island sogar für das Wachpersonal unerträglich waren. Man kann es nicht glauben, wenn man als Tourist heute bei freundlichem Wetter, die grüne Insel betritt, die schöne Umgebung genießt und die Ruinen und Reste der ehemaligen Strafkolonie zunächst nur betrachtet. Man kann es nicht glauben, welche Quälerei, Niedertracht, Infamie und Ausbeutung hier geschahen. Schon das „Stehlen“ von Petersilie war ein Grund für Isolierhaft. Die Ärzte der britischen Administration wechselten aller zwei Jahre. Länger hielt es dort keiner aus. Die Kommandanten tauschte man ebenfalls aller 1 bis 2 Jahre aus. Captain Butler, unter dem Auspeitschen, Hängen an der Tagesordnung waren, blieb allerdings vier Jahre. Der schon von Armee und Marine seit Hobart berüchtigte Mann überstand aber alle Klageverfahren gegen ihn. Die neunschwänzige „Macquarie Harbour Cat“, mit sieben Knoten in jedem Lederstreifen, erlangte durch ihn traurige Berühmtheit. In den ersten sieben Jahren der Strafkolonie wurden jährlich 175 Männer mit 6560 Peitschhieben bestraft. Das sind 25 Bestrafte pro Jahr mit jeweils 37 Peitschenhieben pro Bestrafung. Stolz wird in den Büchern vermerkt, dass der Gefangene Williams mit insgesamt 500 (!) Peitschenhieben innerhalb eines Jahres bestraft wurde. In der Statistik waren die Briten eben unübertroffen. Mochte sei auch noch so Menschen verachtend sein. So konnte man auch die „Besserungsrate“ belegen, da in den letzten fünf Jahren „nur“ noch jeder der jährlich 25 Delinquenten 34 Peitschenhiebe im Durchschnitt erhielt.
Ein Steinhaufen erinnert an Leutnant Cuthbertson, dem ersten Kommandanten der Strafkolonie, der bei den Sträflingen nur „a sadistic bully“ (ein sadistische, brutaler Kerl) hieß.
Das Bild von der Strafanstalt malte der Sträfling William Gould, den der Chirurg Dr. De Little als einen „nichtsnutziger Porträtmaler“ bezeichnete. Deshalb beauftragte er ihn das maritime Leben der Bucht zu malen. Von dem Chirurgen spricht heute niemand mehr. Die 36 Tierbilder und die Gemälde von Sarah Island haben Gould unsterblich gemacht.
In Zeiten der höchster Belegung lebten 531 Bewohner, darunter 14 Frauen und 27 Kinder, auf Sarah Island. Zum Teil sind Grundmauern und Baureste der alten Beschließungen noch zu besichtigen. In den Baracken schliefen 20 Männer in drei Räumen. 84 Gefangene waren im Gefängnis, dessen Mauern 50 Zentimeter dick waren, in fensterlosen Zellen untergebracht. Weitere 110 lebten an ihrem Arbeitsplatz (Hospital, Farmen). Eine Besonderheit war Grummet Island. Eine kleine etwa 700 Meter entfernte Insel. Zunächst so eine Art Krankenstation, nahe der Gefängnisinsel. Acht Frauen, die als Krankenpflegerinnen oder als Waschfrauen arbeiteten, hausten in einer Höhler. Später schufteten hier 78 Männer im Steinbruch und schliefen auch am Arbeitsplatz. Zum Schluss wurden wieder weibliche Strafgefangenen auf dem Small Island untergebracht.
Und es gab noch eine weitere genutzte Insel 1500 Meter von Sarah Island entfernt liegt Hallidays Island. Hier sind 80 Männer begraben. Der Erste war John Ollery, der eine Prügelstrafe 1822 nicht überlebte. Deshalb nannte die Sträflinge die Insel „Ollery’s ’olliday“. Irgendwann begann man auch die Grabstellen durch Platten aus Huon Holz zu markieren.
Die 380 Gefangenen wurden von 95 Militärangehörigen bewacht. Im Vergleich zu Port Arthur war Sarah Island die wirkliche Hölle. Prügel, unmenschliche Ausbeutung, Isolierhaft machten die Insel zum brutalsten Gefängnis des britischen Empire. Natürlich gab es trotz der sicheren Unmöglichkeit zahlreiche Fluchtversuche. Wenn die Flüchtlinge nicht von der über die Hetzjagd erfreute Mannschaft gefangen wurde, starben sie im Busch oder ertranken. Aber einige der Gequälten schafften die Flucht dennoch. Die gefährlichen Buschräuber Matthew Brady und Martin Cash, die man später hängte, haben aber, entgegen mancher Beschreibungen, nie auf Sarah Island eingesessen. Das war bei John Perrys und Edward Russel anders. Sie flohen erfolgreich und schlossen sich einer Bushranger Gang an. Perry erschoss Russel im Streit und wurde später in Hobart gehängt.
Einem gelang es zwei Mal zu fliehen. Alexander Piere gestand, bei seiner zweiten Flucht seine Begleiter getötet und teilweise verzehrt zu haben. Er wurde später in Hobart gehängt. Und viele Sträflinge beneideten ihn darum.
Auch darüber hat Clarke in seinem spannenden Buch geschrieben.
Den Namen des einst erfolgreichsten Flüchtlings konnte ich
leider nicht ermitteln. Er erwarb sich bei seinen vielen Ausbruchversuchen so viel Kenntnis vom Land um den Macquarie Harbour, das ihn der General Landvermesser später zu seinem Gehilfen machte.
Natürlich war Sarah Island eine sich selbst versorgende und produktive Strafanstalt. Das war schon immer so im Sinne der britischen Krone. Also gab es eine Bäckerei, Landwirtschaft, Schuhmacher, Ziegelei, Holzfäller, Kohlenminen. Dazu die Werft, wo insgesamt 100 Schiffe gebaut wurden. Diese Werft war die produktivste in der australischen Kolonie. Und eine Gerberei, die die Wallaby Felle mit der Rinde einer Pinienart oder mit Weideruten gerbte. Leider wurde das Leder rötlich und fleckig.
TAS 80
Vielleicht wäre das etwas abseits liegende Hospital mit Leichenhalle noch in der traurigen Skala zu erwähnen. 1833 brachte man eine Gruppe gefangener Aborigines von Port Davey, die zu den Bass Straight Inseln deportiert werden sollten, vorübergehend nach Sarah Island. 15 von ihnen erkrankten und starben. Die Gräber sind hinter dem Hospital.
Von der Landungsbrücke führen Holzbohlenwege zu der ehemaligen Strafanstalt.
Der Touristen Guide Führer erläuterte in einem ziemlich hohen Tempo die Historie und lenkte die Gruppe dann über das Gelände. Wir haben viele seiner Ausführungen, Späße nicht verstanden. Fanden einige auch unpassend. So sind wir separat über die Insel gegangen und haben unsere Kenntnisse von den vielen erklärenden Tafeln vor den Ruinen.
Irgendwie ist es erschreckend! Vielleicht auch eine Variante des britischen Sarkasmus. Diese Reklame mit den Grausamkeiten der Vorfahren.