Wieder auf dem Wilderness Way hieß unser nächstes Ziel Rosebery. Den kürzeren Weg über Williamstown hatten wir ja leider nicht gefunden. Natürlich ist auch Rosebery eine alte Minenstadt (1893). Gold und Zinn waren die Erze, die man förderte. Noch heute leben 1600 Einwohner in Ort, denn die Pasminco Mine fördert immer noch. In der Stadt gibt es einen Laden, wo man sich zu Führungen anmelden kann. Bei dieser Einwohnerzahl zählt sich Rosebery schon zu den großen Städten der Westküste. Zumal die Geschäfte, die Unterkünfte und Gaststätten auch voll auf Touristen eingestellt sind. Ähnlich wie Queenstown liegt Rosebery in einem Tal am Stitt River. Allerdings ist hier der Raubbau an der Natur nicht so extrem gewesen. Dafür sprechen auch die Bewaldungen auf den umliegenden Bergen. Nicht vergessen darf ich, den Forscher und Siedler James Smith zu erwähnen. Er fand 1871 am Mount Bischoff noch weiter nördlich von Rosebery die größte und ergiebigste Zinnlagerstätte West Tasmaniens. Von 1873 bis 1942 wurden hier in Waratah 57 Tausend Tonnen metallisches Zinn gefördert. Der Ort ist über den Murchison Hwy zu erreichen.
Von Rosebery führt der Wilderness Way ziemlich steil nach oben. In Richtung der gewaltigen Murchison Range. Kurz vor Tullah liegt der Lake Murchison. Ein sehr großer Stausee, den wir am Rand über die Murchison und die Mackintosh Brücke überqueren. Und zwischen dem Hwy und dem See liegt auch noch der 712 Meter hohe Mount Farell. Tullah, natürlich auch eine ehemalige „Silberstadt“, war nach den Funden zwischen 1897 und 1909 zunächst nur mit Pferden zu erreichen. Dann kam die Bahn. Aber richtigen Aufschwung erlebte der Ort erst 1973. Als die Pieman River Power Development hier Standort bezog. Die Hydro Projekte um den Ort, aber auch Maßnahmen am King River und viele Kraftwerke wurden in Tullah geplant. Bis auf 2500 Personen stieg die Zahl der Bevölkerung. Leider, wie so oft in Australien, und wohl bald auch in einigen ostdeutschen Bundesländern, blieb nur die Erinnerung an die vergangenen großen Zeiten und die Orientierung auf den Tourismus. Und das ist berechtigt. Eine verwirrende Vielfalt von Eindrücken erwartet den Besucher.
Zumal bald schon der Rand der Cradle Mountains erreicht ist. Und auf einem Parkplatz auf dem Dach des Gebirges, wo alpine Vegetation überwiegt, stauen sich die Autos der Touristen, die sich das Panoramabild nicht entgehen lassen wollen. Leider war es ein etwas diesiger Tag auf der Höhe, sodass die Aufnahme die wahre Faszination des Ausblickes nur zum Teil wieder gibt. Um uns kahle Bäume, der Wind bläst kalt und mächtig. Und die Sonne unterliegt dem Wind auf der Höhe. Auf dem Parkplatz des Visitor Centre endet der West Coast Wilderness Way (WCWW). Die Damen hier sind bedeutend freundlicher als die beim Lake St. Clair. Und wir werden auch sachkundig beraten, welche Wege für Kurzzeittouristen geeignet sind. Und sogar, wofür für keine Gebühren zu zahlen sind. Die meisten Bezwinger des Overland Track starten hier. Wer allerdings im Cradle Valley Station machen will, sollte sich vorher per Internet oder von den Touristenbüros über die Preise informieren lassen. Da ist die Übernachtung in Tullah, wenn man die 25 Minuten Autofahrt nicht scheut, zumal das Parken vor dem Visitor Centre in einigen Bereichen kostenlos ist, bedeutend günstiger. Ein zwei bis drei Stunden Marsch reicht aber für den „Amateurbesucher“ völlig aus, um lockeren einen Überblick im Nationalpark zu erhalten. Der Dove Lake Circuit Rundgang ist empfehlenswert, zumal es bei Waldheim auch einen Picknickplatz für eine Rast gibt.
Man könnte aber auch mit dem Auto direkt bis zum Dove Lake Car Park fahren. Allerdings ist der Transport mit einem Shuttle Bus in der Parkgebühr enthalten. Schon vom Parkplatz sieht der meist fotografierte Berg Tasmaniens, der Cradle Mountain, mit seinen 1545 Metern und dem blauen Wasser des Sees sehr beeindruckend aus. Sechs Kilometer beträgt der Rundgang um den See. Ein sehr gut angelegter Weg, mit Holzplanken oder Drahtgittern, die bei Nässe das Ausrutschen verhindern, macht den Rundgang leicht. Es geht durch den Regenwald, die Buchten des Sees bieten schöne Ausblicke und überraschend sehen wir kurz vor dem Ende der Umrundung noch den kleinen Lake Lilla, einen Kratersee. Mittlerweile ist später Nachmittag. Und wir sind ganz schön geschafft vom Umfang der bisherigen Tour. Einen noch weiteren empfohlenen Rundkurs haben wir dankend abgelehnt.
Noch einmal einen Blick auf den sagenhaften Berg und auf dessen zerklüftete Kontur, die durch Eiszeit und deren Gletscher aus dem Gestein regelrecht modelliert wurde. Sie verkörpert die Wildnis der historischen Landschaft.
Wenn man es weiß, könnte man beim Blick auf den Berg schon eine Telefongabel erkennen, auf die der Hörer kommt. In einem hatten wir Glück. Von Dezember bis Februar blüht neben dem Boardwalk und am Lake Dove Circuit ein kleiner hübscher weißer Strauch mit blassen pinkfarbenen Blüten, die fünf bis acht Blütenblätter haben. Benannt nach dem Botaniker Ferdinand Bauer, der zeitweise Flinders bei seiner Australienumrundung begleitete. Der dichte Busch kann in einem Umfang von bis zu 4 Metern bis zu 1,5 Meter hoch wachsen. Hier, in der angeblich klarsten Luft auf der Erde.