Natürlich muß man, nun einmal in Strahan wohnend, den West Coast Wilderness Way bis zum Cradle Valley fahren. Also ging es nach den Wanderdünen weiter nach Zeehan.
Eine Minenstadt mit durchaus historischen Flair und bedeutend mehr kolonialen Gebäuden als in Strahan. Als Frank Long 1882 Silber an den Ufern des Pea Soup Creek fand, war die Stadtgründung nur noch eine Formsache. „The Silver City“ war der Name für die aufstrebende Stadt. Und bald lebten in der damals drittgrößten Stadt Tasmaniens über 10.000 Menschen, gab es dort 27 Pubs. Aber eigentlich beginnt die Geschichte von Zeehan schon 1642. Als nämlich Abel Tasman die beiden großen, von der See aus zu sehenden Berge auf den Namen seiner Schiffen, Zeehan und Heemskirk, taufte. Schon 1880 gab es drei Kilometer nördlich des Mt. Zeehan eine kleine Siedlung. In den besten Zeiten der Silberförderung wurde Silbererz im Werte von acht Millionen Dollar gefördert. Und 1908 war der Spuk vorbei! Viele Arbeiter fanden in einer 24 Kilometer nördliche eröffneten Zinn Mine, Renison Bell, weiter Arbeit. Heute leben rund 900 Menschen in Zeehan. Und obwohl zwei vernichtende Buschfeuer die Stadt heimsuchten wurden viele historische Gebäude gerettet, ist das Pioneers Memorial Museum eine der besten Ausstellungen seltener und wertvoller Mineralien, und verfügt über eine Übersicht, welch Schiffe in tückischer See an der Küste Tasmaniens kenterten.
Weiter nach Norden. Von Renison Bell, der Stadt, die um die Zinn Mine entstand, stehen noch einige Reste. Und die Grundmauern des ehemaligen Hotels mit dem Schild „FOR SALE“. Die Erzmühle unten im Tal arbeitet noch. Doch erinnert das Schicksal des Ortes sehr an Big Bell im Goldland von West Australia. Wir sehen die Schienen der Eisenbahn, die von Zeehan nach Rosebery führen. Zunächst überquert eine Seilbahn mit Transportgutgondeln die Strasse. Dann kommt ein Hinweis, dass die sechs Kilometer Zufahrt zum Parkplatz des Montezuma Falls befestigt und unbefestigt Strasse sei. Was dort nicht steht, die unbefestigte Strasse ist so ungefähr eine der schlimmsten in Tasmanien. Und das will was heißen. Die nächste Überraschung. Vom Parkplatz haben wir noch fast 5 Kilometer bis zum Fall auf dem Damm einer ehemaligen Eisenbahnstrecke zu laufen. Vorher hatte ich noch vergebens den alten Ort Williamstown gesucht. Den Friedhof haben wir gefunden. Aber der Ort hat sich abgeschirmt.
Montezuma Falls
Am Parkplatz steigen gerade zwei junge Frauen aus ihrem Auto. Haben Gepäck als wollten sie den Overland Track bewerkstelligen. Beide sprechen Englisch. Und als sie uns sehen beeilen sie sich, als ob der Wasserfall nur für eine bestimmte Anzahl Leute geöffnet ist. Leider hatte es über Nacht geregnet. Und der Fußweg, auf dem ehemaligen Gleisdamm war schlammig und feucht. Immer wieder passieren wir kleine „Wasserfälle“ die vom Berg über den Weg, unter Hinterlassen großer Pfützen, nach unten rauschen. Eigentlich sind alle Teile der ehemaligen Kleinbahn, die von der Mine am Wasserfall bis zur Strasse führte, demontiert.
Der Name des Wasserfalls kommt von der Silbermine der Montezuma Cooperation. Und die Kleinbahn Nord East Dundas Tramway brachte seit 1890 das geförderte Erz zur den Schmelzöfen der Minen im Areal. Das ging so bis 1914. Dann wurde der Betrieb der Schmelzöfen eingestellt. Und 1932 begann man die Eisenbahnstrecke zu demontieren. Farne und Moose haben eine alte Brücke in ein „grünes Naturdenkmal“ verwandelt, über das ich nie und nimmer gegangen wäre, Aber die neue Fußgängerbrücke über die Schlucht war stabil. Fünf Kilometer durch Match und Pfützen, immer mal unterbrochen von kleinen Wasserstrassen vom Berg. Das nervt. Aber auch daran haben die Organisatoren gedacht. Auf den letzten zwei Kilometern beginnt die mentale Beeinflussung. Mit Schildern wie „Noch 20 Minuten Weg“, „Nur noch 10 Minuten“ oder „In 200 Metern kommt der Wasserfall“ werden wir zum Weiterlaufen stimuliert. Zunächst passieren wir den Eingang zum Minenschacht. Ganz schön gruselig ist der Blick in den dunklen Gang. Zinn, Gold, Silber wurden hier per Hand abgebaut und dann noch bis zur „Trammy“ transportiert. Ein körperlich schwerer Job! Auf eine Photographie sieht man noch die Originalbrücke mit dem Zug, dahinter den Wasserfall. Natürlich sehr idyllisch. Ob das aber auch die Arbeiter dachten?
Auf alle Fälle sind die Wege am Fall alle aus Holzplanken und mit Geländern gesichert. Unsere beiden „Bekannten“ vom Parkplatz waren hinunter auf die Steine geklettert, hatten ihre riesigen Rucksäcke neben sich gelegt und rauchten. (Immer noch? Oder schon wieder?) War aber bei der Nässe kein Risiko. Auf einer Hängebrücke könnte man den Fall überqueren. Der Weg auf der anderen Seite war aber gesperrt. Auch wir rasteten kurz. Genossen den spektakulären Blick hinauf auf den aus 113 Metern (Angabe in Rosebery) oder vielleicht doch nur aus 104 Metern (Schild am Fall) zu uns herunter rauschenden Wassermassen.
Schön in Australien ist, dass man diese Naturwunder relativ einsam und ungestört genießen kann. Sei es wie es sei. Er ist auf alle Fälle der höchste Wasserfall Tasmaniens.
Dann ging es die durch den Match schier unendliche Strecke von fünf Kilometern wieder zurück zum Parkplatz. Immerhin schafften wir die mit 1½ Stunden pro Strecke veranschlagte Tour in jeweils 65 Minuten. Trotzdem. Der Wasserfall ist ein wirklich lohnenswertes Ausflugsziel!