Macquarie Heads

Ich habe begeisternde Berichte über den Overland Track gelesen, wo die Wanderer voller Lobes sind und über die besonders in diesem Landstrich so sehr erhaltene ursprüngliche Natur erzählen. Und Bilder, Bilder, Bilder. Jeder stellt natürlich sein Motiv vor. Alle sind faszinierend.
Das ist in Tasmanien sowieso das Problem. Was soll man fotografieren? Die Täler? Oder die bewaldeten Hügel? Besser noch die bizarren Berge? Die vielen Seen und Wasserfälle? Oder gleich alles? Oder gar nichts!
Auf der Rückfahrt nach Strahan hatten wir uns noch einen Abschlusssausblick aufgehoben. Den Lookout zwischen Zeehan und Strahan. Ziemlich hoch haben wir einen weiten 360° Blick. Die Berge nach dem Tiefland im Norden und Osten, den Ozean im Westen und Strahan an der Macquarie Bay im Süden. Nur länger als 10 Minuten haben wir es wegen des überstarken Windes nicht ausgehalten.

Im Heritage Centre in Strahan las ich eine interessante Notiz. Die Wildnis der World Heritage Area (WHA) gleicht in 7/10 einem anderen Platz auf der Welt. Der Gegend um den Mount Taishan in China. Es gibt eben nichts Einmaliges. Wenn das nur manche Zeitgenossen akzeptieren könnten.
Und am Abend überraschte uns die Meldung über einen Alleingang der australischen Wirtschaft. Die haben trotz des UNO Embargos für 300 Millionen Dollar Weizen an den Irak verkauft. Und dabei sind die Aussies 10% unter dem Welthandelspreise geblieben.

Einen Ausflug der besonderen Art machten wir am nächsten Tag. Wir wollten die Gegend um Macquarie Heads erkunden. Wie schon gesagt. Der Gordon River und auch der King River münden in einem großen Becken, das Macquarie Harbour genannt wird. An diesem Gewässer liegt auch Strahan. Nur an einer kleinen engen Stelle, dem Macquarie Heads, gibt es eine Verbindung zum Südlichen Indischen Ozean. Und von dort muß man über 20 Tausend Kilometer segeln, bis wieder Land kommt. Seeleuten ist bekannt, dass sich zwischen 40° und 50° südlicher Breite eine Region der besonderen Drift der Westwinde befindet. „Roaring forties“ (Donnernde Vierziger) nennen die Weltumsegler dieses Phänomen. Das ganze Jahr über wehen Winde aus westlicher Richtung. Mit ihnen kommen der Regen, der hohe Seegang und auch die Stürme. Und es gibt wenige Landgebiete die von den „Roaring forties“ betroffen werden. Leider gehört dazu auch Tasmanien. In riesengroßen Wellen peitschen die Winde das Wasser zur Öffnung des Macquarie Harbour. Und die vielen hier gestrandeten Schiffe sind der Beleg, warum man diese kleine Öffnung Hells Gate (Tor zur Hölle) nannte. Es gibt aber auch noch eine andere Version für die Namensgebung: Die Sträflinge, die auf Sarah Island unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert waren, wussten, das mit der Durchfahrt der Enge zum Macquarie Harbour nun für sie die Hölle beginnen würde.
Leider stranden auch immer wieder Wale am Strand des Ozeans in diesem Bereich. Diese Westwindzonen gibt es natürlich auch auf der nördlichen Halbkugel. Dort nennt man sie „Howling“ oder „Furios Fifties“ (Heulende oder wütende Fünfziger). Auch Screaming Sixties  (Schreiend Sechziger) ist eine weitere Bezeichnung. Viele Weltumsegler nutzen die Winde bei ihrer Fahrt, indem sie gezielt die Breiten aufsuchen und sich von den Westwinden nach Osten treiben lassen.
Dieser Ocean Beach ist der längste in Tasmanien. Natürlich wollten wir auch diesen Strand besuchen. Ist er doch jedes Jahr im September Nistplatz für tausende Muttonbirds, die von der Antarktis bis hierher fast 15 Tausend Kilometer fliegen.
Zunächst auf einer asphaltierten Strasse, dann über Sandwege und zum Schluss über eine Huckelpiste fuhren wir südlich von Strahan in Richtung Hells Gate. Nicht mal Bass und Flinders trauten sich damals 1789 bei ihrer Umrundung durch die Öffnung. Nahe der Swan Basin Picknick Area gibt es Camping Möglichkeiten. Ein Caretaker (Verwalter) regelt dort alles. So weit es ging fuhren wir mit dem Wagen parallel zu den Dünen. Dann fand ich einen schattigen Platz zum Parken. Ein sandiger Trampelpfad führte uns über die Dünen zum Strand des Macquaries Harbour. Ein schöner Strand. Ein Idealfall für die vielen Angler, die hier reichlich Beute machten. So bummelten wir über den festen Sand, schauten in die Gegend, genossen den heute leichten Wind in der Sonne. Tafeln warnen, das es hier viele Untiefen gibt. Ganz plötzlich, nur wenige Meter vom Ufer geht es tief hinunter ins Wasser. Ein Umstand, der auch 1998 den 60 Walen zum Verhängnis wurde, die auf der unvermittelt auftauchenden Sandbank strandeten. Ein Fischer hat uns später erzählt, dass man vermutet, die Wale hatten noch das Navigationsprogramm, mit dem sie seit vielen Jahren in die tiefe und ruhige Bucht gelangten, „programmiert“. Also taten sie es!