Die Gordon River - Macquarie Harbour Tour
Es ist unbestritten einer der Höhepunkte des Aufenthaltes in Strahan. Eine Gordon River and Macquarie Harbour Kreuzfahrt. Zugegeben 85 Dollar pro Person und zusätzlich 15 Dollar Verköstigung sind ein ziemlicher Preis. Aber es lohnt sich. Wann hat man schon die Möglichkeit, eine Bekanntschaft mit der Vergangenheit unserer Natur zu schließen. Der Blick auf Landschaften, die unberührt seit 200 Millionen Jahren existieren, die Besichtigung von Bäumen, die wahrscheinlich schon zu Beginn unserer Zeitrechnung existierten. Aber für mich gab es noch ein weiteres Erlebnis. In den sechziger Jahren war das Buch „Lebenslänglich“ von Markus Clarke meine Lieblingslektüre. Markus Andrew Hislop Clarke, geboren 1846 in London, gestorben 1881 in Melbourne, gehört mit diesem Roman zu den wichtigsten Vertretern der australischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich als Fortsetzungsroman“ im Australian Journal“ unter ständigen Zeitdruck geschrieben, wurde der Roman später stark gekürzt und mit einem neuen tragischen Ende versehen. So entstand „Ein großartiges Buch, und nicht umsonst ein Klassiker und eine lebendige Anklage gegen ein Strafsystem, dass einen guten Menschen schlecht macht, und einen schlechten noch schlechter.“
Die Handlung beginnt in England mit der Verurteilung eines Unschuldigen zur Deportation nach Australien. Und spielt dann auf Sarah Island im Macquarie Harbour. Und auch dort würde unser Ausflugsdampfer anlegen.
Wie bei vielen anderen Schiffsreisen, die wir gebucht hatten, erfasste auch hier die Menschen kurz nach dem Ablegen ein unfassbarer Bewegungsdrang. Alle eilten durcheinander um zum Schluss auf einen der windigen Deckes zu landen, obwohl man aus den windgeschützten Kabine das Ablegen genauso gut beobachten konnte.
Wieder hatte ich das Problem „Was soll ich fotografieren?“ Die blaue See mit den begrünten Ufern, die bewachsnen Hügel, die felsigen Gebirge oder den goldig schimmernden Sand, der das Ufer säumt? Das Schiff beschrieb nach dem Verlassen des Hafens von Strahan einen leichten Schwenk nach Westen und steuerte auf Hells Gate zu. Ganz deutlich konnten wir die Grenzsteine der Fahrrinne, diesen drei Kilometer langen Wall besichtigen. Kellys Chanel, wie diese Einfahrtsstrasse genannt wird, endet an den beiden kleinen Inseln, mit dem Leuchtturm. Und vom Schiff ist die schmale Einfahrt schon bei ruhiger See nicht mehr so harmlos. Unser Schiff fuhr durch das Höllentor ein Stück hinaus aus dem Ozean. So konnten wir auch beurteilen, wie früher ankommende Schiffe die Klippe gesehen haben. Etwas im seichteren Wasser hinter dem Wall liegt eine kleine Bucht, Backagain Point. Ein Warteplatz mit Unterständen, wo früher Zwei- oder Dreimaster mit Takelage auf günstige Wetterbedingungen für das Auslaufen warteten. Die „Roaring Forties“ beeinträchtigten durch Winde und Seegang die Schifffahrt an der Westküste Tasmaniens, weil Afrika als Windbremse hier nicht mehr wirkt. So können die Winde ständig auf dem Globus in diesen Breitengraden kreisen. Auf der Ostseite der Bay sehen wir sehr flaches Ufer, das weit ins Wasser hinaus reicht. King River Delta heißt die Mündung des Stroms, dessen starker Tanningehalt eine braune Rinne im blauen Wasser bildet. Die Wurzeln eines bestimmten Grases, die Tannin abgeben, und so das Wasser verfärben.
Früher sind die Schiffe auf dem King River bis Teepookana gefahren. Nicht weit vom Delta liegt der Sophia Point. „Sophia“ hieß das Schiff, das die ersten 66 Sträflinge in den Macquarie Harbour brachte, und hier strandete. Das Leuchtfeuer am äußersten Rand warnt vor der flachen Sandbank. Das Schiff ist deswegen auch so interessant, weil es unter dem Namen „Cyprus“ bei einem Gefangenentransport von der Recherche Bay (zwischen Bruni Island und der Hauptinsel) nach Sarah Island von den Sträflingen erobert wurde. Diese segelten daraufhin nach Japan und Hongkong. Markus Clarke erzählt in seinem Buch diese Geschichte als Meuterei auf der „Osprey“
Sehr interessant fanden wir die vier riesigen Fischfarmen mitten im Wasser. Jede davon hatte 20 Tanks oder mehr. 1990 lieferten die abgegrenzten Fischzuchtgebiete 40 Tonnen Fisch im Jahr. Dies steigerte sich bis 2001 auf 3000 Tonnen. Es bestehen hier ideale Bedingungen für die Fischzucht: Eine gute Mischung zwischen Salzwasser und leicht angesäuerten Frischwasser, eine kräftige reinigende Strömung und die milden bis kalten Wassertemperaturen. Besonders gut wirkt sich der leicht antibakterielle Effekt des tanninhaltigen Wassers aus dem King River für die Zucht aus.
Dann ging es auf direktem Weg nach Sarah Island. Diese Gefängnisinsel war eine Art Hochsicherheitstrakt in den britischen Strafkolonien. Einmal hier bedeutete immer hier! Die Strafkolonie wurde von Gouverneur Sorell als ein Platz der „Verbannung und Bewachung für die schlimmsten Verbrecher und für rückfällige Straftäter“ angeordnet.