Gordon River

Gordon RiverEs ist mittlerweile fast Mittag. Das Kreuzfahrtschiff legt wieder ab und bringt uns zum südöstlichen Teil der Bucht. Zur tasmanischen Wildnis, die auf der UNESCO Liste des Weltnaturerbes der Menschheit steht. Eine der besterhaltenen Wildnisregionen der Erde! Doch auch um diese Gegend mussten die Naturschützer kämpfen. Beim Kampf um die Verhinderung des Baus eines Wasserkraftwerke am Lake Pedder kam es zur Gründung einer Grünen Partei, die seitdem versucht den Franklin Gordon River National Park zu schützen.
Der Ruhm des Vorreiters in Sachen Naturschutz in Australien, mit dem sich die tasmanische Regierung schmückt, ist zweifelhaft. Heute ist diese Regierung stolz, dass 20% der Insel Weltkulturerbe sind. Aber noch 1982/83 wurden 1400 Naturschützer inhaftiert, weil sie gegen die Absicht des Gouverneurs, die Benennung „Weltkulturerbe“ aufzuheben, protestierten, Die Regierung wollte am Unterlauf des Franklin River einen weiteren Staudamm bauen.

Folglich gewann die Labour Party mit dem Programm, keinen Staudamm zu bauen, die Wahl in Tasmanien. Das brachte „Öko Terroristen“ auf den Plan. Man will es nicht glauben. Aber die haben wirklich Füchse in Tasmanien ausgesetzt. Die sollen den Lebensraum der tasmanischen Beuteltiere beschneiden. Allerdings waren die Füchse nicht an der Seuche, die 2005/06 vielen „Teufeln“ das Leben kostete Schuld. Hier hat man einen Virus festgestellt.

Das war eine schöne und sehenswerte Weiterfahrt. Das Schiff verlangsamte bei der Einfahrt in den Flusslauf seine Fahrt. Staunend und fast andächtig genossen wir die Sicht auf den ursprünglichen Uferbereich rechts und links. Uns gegenüber saß ein nettes Ehepaar aus Sydney. Und die Frau erzählte, dass man sogar wenige Kilometer von hier, Strom aufwärts, auch einen Staudamm bauen wollte. Im grünen Paradies, am längsten Fluss Tasmaniens, dem Gordon River.

James Gordon hieß der Mäzen, der einst James Kelly ein Boot für Entdeckungen zur Verfügung stellte. Der Fluss entspringt am Lake Richmond, nahe Derwent Bridge. Fließt durch den Lake Gordon, den er bei Strathgordon dann in Richtung Nordwesten wieder verlässt. Er vereinigt sich mit dem Franklin River bevor in die Macquarie Bay mündet. Während wir noch die uralten Baumriesen am Flussufer bestaunen, die großen Farne bewundern, die hinter der Wildnis ein scheinbare Paradies vermuten lassen, hat die Crew alles zum Lunch vorbereitet. Und wie immer in Australien klappt die Versorgung der vielen Ausflügler ohne Probleme, ohne Drängelei.

„Boom Camp nennt man diesen Platz zur Rechten“ hören wir aus dem Lautsprecher. Da war eine Anlegestelle am Südufer. Heute eine Ausgangsstation für Fischer, wohnten früher im Camp die Baumfäller. Am Ufer landeten die gefällten Huon Riesen, die man hier sammelte und dann als Flösse mit dem kleinen Kutter „Glen Turk“ nach Strahan brachte.

Unsere geplante Anlegestelle hieß „Heritage Landing“. Ein 1989 geschaffener Rundweg, der den Besuchern einen Hauch von der Majestät einer Wildnis von Zeitgedenken an geben soll. Es gelingt! Über die Holzwege gehen wir zwischen 2500 Jahre alten Bäumen, bestaunen den ursprünglichen Wald, sehen die Moose und Schmarotzer, die alles überwuchern. Sassasfras, Myrtle, Huon Pine, Kängurus Fern, Horizontale. Alles trägt ein grünes Kleid. Es gibt einige „Wunschdenker“ die behaupten, der tasmanische Tiger würde noch leben. Und zwar hier. Weil hier in ganzen Regionen noch nie ein Mensch gewesen ist. Und die wohl schon vor 1000 Jahren umgefallenen Huon Pine sehen aus als ob es erst gestern geschah. Das macht dieses Nelkenöl! Und die gefallenen Bäume bieten uns eine herrliche Kulisse, ein  Naturschauspiel bis vier Meter unter dem Wasserspiegel. Bei der Rückfahrt legt das Schiff einige Knoten an Tempo zu. Und es ist am Heck ein weiteres phänomenales Schauspiel zu besichtigen. Das ist das blaue Wasser des Gordon River. Und die beiden Schiffsschrauben hinterlassen zwei braune Spurrinnen in der blauen Fläche. Was für eine erlebnisreiche Tour! Und morgen wollen wir weiter nach Norden. Auf eine echte Wilderness Tour.