Nur noch wenige Kilometer. Da sind wir schon in Derwent Bridge. Berühmt? Bekannt! Ja! Aber ein Nest auf der Höhe. Wirklich! Inzwischen schien zwar die Sonne warm und kräftig. Aber gefallen hat mir der Ort, dessen Flair dem Image der kahlen Hochplateaulandschaft angepasst war, auf keinem Fall. Eigentlich besteht der Ort nur aus dem Roadhouse mit astronomischen Spritpreisen, einer ausgebuchten Jugendherberge und einem Hotel mit utopischen Übernachtungskosten. So sind wir erwartungsvoll die fünf Kilometer zum sagenhaften Lake St. Clair weiter gefahren. Eine Visitor „Empfangsanlage“, die vom Aufbau sehr an Monkey Mia an der Westküste von Oz erinnert. Aber wirklich nur vom Aussehen. Hier ist alles perfekt kommerziell organisiert. In das Visitor Centre dürfen zum Beispiel Backpacker ihr Gepäck nicht mitnehmen. Müssen es draußen, sich gegenseitig bei der Beaufsichtigung abwechselnd, liegen lassen. Es gibt keinerlei Informationsschriften über den See, den Overland Track, über die Ausflugsziele. Halt! Das stimmt nicht. Solche Informationen gibt es schon. Aber gegen Gebühr. Wenigstens die Besichtigung der Ausstellung und das Blättern in den großen Mappen im Visitor Centre waren frei. Die Dame an der Rezeption schien lediglich daran interessiert, dass wir einen Park Pass kaufen sollten. Unsere Bemerkung, wir würden wahrscheinlich weiter fahren, kommentierte sie mit dem Hinweis auf eine Strafandrohung, wenn wir ohne Parkpass im Franklin Gordon Wild Rivers National Park auf einen der Parkplätze länger als 15 Minuten stoppen würden. Eigentlich wollte ich erst einmal eine Unterkunft und dann eventuell einen Parkpass. Aber für die Unterkunft war das Visitor Centre nicht zuständig. Das klärte das Park Office im gegenüberliegenden Gebäude. Die hatten auch noch Zimmer frei. Jedoch sollten wir erst bezahlen und könnten dann das Zimmer besichtigen. So etwas haben wir in Australien noch nie erlebt. Auch die Besichtigung der Kabinen von Außen auf dem Campground war ohne Park Pass bei Strafe verboten. Ich habe mir dann noch den Touristen Shop angesehen. Für das Geld, das dort ein simples Frühstück kostete, hätte man in Sydney in King Cross ein Mittagessen bekommen. Und Gegenstände des täglichen Bedarfs gab es sowieso nicht, nur Souvenirkram. Als ich dann erfuhr, dass die Leitung des Parks in den Händen eines Deutschen und eines Amerikaners liegt, bestätigte sich meine Meinung, in Australien keine Geschäftsabschlüsse mit Deutschen zu tätigen.
So sind wir dann wenigstens noch zum Viewing Deck an der Cynthia Bay am See gelaufen, sahen den mächtigen Mt. Olympus in der Ferne und empfanden die Majestät des Sees als ausgleichend für die Profitorientierung der Verwaltung. Der tiefste Süßwassersee Australien (190 Meter) entstand während mehrere Eiszeitepochen vor zwei Millionen Jahren. Hier ist die südliche Grenze des Cradle Mountain- Lake St. Clair NP. Die Ureinwohner nannten den See Leeawuleena, was „Schlafendes Wasser“ bedeutet.
Alle Hochachtung zollte ich innerlich den zehntausenden Natur- und Abenteuerfreunden, die den Overland Track jährlich bewältigen. Und es ist wirklich gut und beruhigend, dass man sich an- und abmelden muß.
Nach der Enttäuschung durch diese so Australien untypischen „Verwaltung“ der Touristen sind wir weiter gefahren. Durch den National Park in Richtung Queenstown. Natürlich haben wir an allen angegebenen Aussichtspunkten gehalten und die Aussicht genossen. Am ersten Lookout, dem King William Saddle, standen zwei junge Leute. Der Motor ihres Wagens lief. Und als sie uns sahen rannten sie zum Auto und fuhren weg. Wir genossen den Blick auf das King William Gebirge und erkannten in der Ferne Frenchman Cap. Aber es war zu diesig, um ordentliche Aufnahmen sehr zu machen. Dennoch eine sehr interessante Grasvariation. Buttongras.
Nie vorher davon gehört. Gras, das etwas an unseren Klee erinnert, wenn da nicht die manchmal bis zu 40 Zentimeter hohen Stengel wären. An der Spitze eine knopfartige, weiß-gelbe Blüte. Am nächsten Rastplatz, dem Surprise Valley, trafen wir die beiden jungen Leute wieder. Die hatten uns für Park Ranger gehalten und befürchteten, wir würden nun die 30 Dollar Strafe kassieren. Was haben wir dann gemeinsam darüber gelacht! Der Ausblick in das U-förmige Tal erinnerte uns ein bisschen an Jamison Valley in den Blue Mountains. Allerdings fehlte der bläuliche Eukalyptusdunst in der Luft. Hier stammte der leichte Nebel vom verdunstenden Wasser. Ein Glück, dass der Parkverwaltung vom Lake St. Clair nicht auch noch der Lyell Hwy gehört. Sonst wäre eine Maut wohl unvermeidlich gewesen. Der Highway führt 56 Kilometer durch die World Heritage Area. Natürlich wollten auch wir keine Strafe riskieren. Also sind wir die folgenden Franklin River Natur Trail und Frenchman Cap Walking Track nicht gelaufen. So folgten noch zwei weitere Parkplätze mit Aussichten und Wandermöglichkeiten. Bis zur Brücke über den Franklin River ging der geschlängelte Weg stetig bergab.