Die Dampflokomotive war nicht in der Lage den 16%igen Höhenunterschied in den Schluchten des King River zu bewältigen. Eine in Australien einzige Zahnstangenvorrichtung, entwickelt von dem Schweizer Ingenieur Dr. Roman Abt, ermöglichte die Weiterfahrt. „ABT“ wurde zum Nickname für die Bahn. Eine weitere Großtat war die Errichtung der Eisenbahnbrücke über den King River. 43 Meter lang, 110 Tonnen schwer bauten die Männer eine sichere Überquerung 1896. Rinadeena ist übrigens der höchste Punkt der Strecke.
Ohne Frage sind die Menschen in Queenstown freundlich und hilfsbereit. Sogar die Preise für Lebensmittel und für Besichtigungen sind normal. Welch angenehmer Unterschied zum Visitor Centre Lake St. Clair. Im gut ausgestatteten Informationszentrum bemühte sich die nette Angestellte mir alle nur möglichen Dokumente zugänglich zu machen. Am Schluss hätte ich ein Buch über Queenstown schreiben können. Trotzdem blieben wir nicht in der Stadt. Zu unwirtlich, zu deprimierend war die Umgebung. Nach dem Einkauf für die nächsten Tage und einem genussvollen Fish and Chips Mittagessen fuhren wir weiter. Nach Strahan. Wir mussten wieder drei Kilometer steil hinauf auf die Höhe. Am Abzweig B24 nach Strahan war die Strasse wegen Belagerneuerung kurzfristig gesperrt. Aber dass erledigen die Aussies immer ziemlich schnell. Wiederum deprimiert die Umgebung. Die ziemlich kurvige B24 war für einige kein Grund, die Geschwindigkeit zu drosseln. Die Gegend wirkt durch den spärlichen, verdorrten Niederwuchs, durch die zerbröckelnden Kalksteine bis zum Gipfelpunkt gespenstisch. Am höchsten Punkt des Aufstieges hielten war. Vom dortigen Parkplatz bot sich uns ein unvergesslicher Blick in ein hügliges, voll bewaldetes Tal. Umgeben von kahlen Felsen.
West Coast Wilderness Way heißt dieser Touristen Weg von Derwent Bridge über Queenstown, Strahan, Zeehan, der alten Stadt Renison Bell (Old Town) Rosebery bis zum Cradle Valley. Im nächsten größeren Ort Strahan fanden wir nach einigem Suchen eine sehr gute Unterkunft. Die Stadt und Umgebung gefielen, zumal sicherlich hier jede Menge interessante Dinge zu entdecken sind. Also blieben wir einige Tage dort. Im ganz gut informierenden Visitor Centre wurden wir als erstes über die richtige Aussprache des Ortes informiert. Und als wir mit dem reichlichen Informationsmaterial wieder zum Motel wollten, hörten wir von einer kleinen Bühne hinter einer Absperrung im Amphitheater Dialoge aus Mickey Spillane’s „The ship that never was“. Die Geschichte einer versuchten Flucht von der Gefängnis Insel Sarah Island im Januar 1834. Tasmanien hieß noch Van Diemens Land. Die berüchtigte Strafkolonie auf Sarah Island im Macquarie Harbour sollte geschlossen werden. Eine Strafanstalt von der auch der bewegende Roman „Lebenslänglich“ (For the Term of His Nature Life) von Markus Clarke erzählt. Zehn Sträflinge wollten sich aber nicht in das neue Gefängnis nach Port Arthur verlegen lassen. Sie planten mit dem letzten Schiff, das auf der kleinen Werft der Gefängnisinsel gebaut wurde, die Flucht. Gefasst, vor Gericht gestellt, gelang es ihnen aber der drohenden Todesstrafe zu entgehen, weil sie es so drehten, als ob nie ein Schiff für die Flucht gebaut wurde. Das Stück wird täglich aufgeführt, macht den Zuschauern auch deshalb so viel Spaß, weil sie mit in die Handlung einbezogen werden. Wir hörten 10 Minuten zu und kamen zu dem Ergebnis, dass unsere Englischkenntnisse zu schlecht sind, um so eine Vorstellung zu genießen. Also haben wir die 15 Dollar pro Person Eintritt gespart. „Leider“ muß ich für diesen Fall sagen!
Am ersten Abend in Strahan verfolgten wir im Fernsehen eine interessante Diskussion über die Finanzierung der Profisportler. Mehrer Politiker vertraten die Ansicht, das Sportler, die durch die staatlich geförderten Leistungszentren der Sportschulen später zu Spitzenverdienern wurden, ab sofort einen Obulus für die Sportförderung zahlen sollten. Not a bad idea! Auch für Deutschland