Wir hatten gleich bei unserem ersten Versuch der Übernachtungssuche Glück.
Im BIG 4 Holiday Park am Tatlow’s Beach, einem Caravan Park am Fuße von The Nut, fanden wir einen tollen Bungalow mit Blick auf die See und den Berg. Und natürlich sind wir noch am ersten Tag auf den Berg gestiegen. Den in der Karte angegebenen Fußweg, der in Serpentinen um den Berg nach oben führt, den gibt es nicht mehr. Bei der Suche dieses Weges lernten wir gleich das besondere Flair von Stanley kennen. So gingen wir durch die Stadt zurück zum eigentlichen Aufstieg gleich neben der Seilbahn. Einem Sessellift, der 1987 eröffnet wurde und jährlich 60 Tausend Menschen transportiert. Natürlich sind wir die 300 wirklich steilen Meter hinauf gelaufen. Das ist ein Aufstieg, wo einer meiner englischen Lieblinssprüche (There where is life there is hope!) richtig passt. Das ist ein Spruch, den ich bei unseren Australienreisen bei brenzligen Situationen oder großen Anstrengungen, bei Hitze, beim Verlaufen im Outback, bei unverhofften Pannen für mich immer und immer wiederhole.
Halbtod am Gipfel überrascht der weite Blick wirklich. Über die Höhe des Berges habe ich in offiziellen Darstellungen Angaben zwischen 143 bis 153 Meter gefunden. Ich weiß also nicht, was wirklich stimmt. Es gibt einen zwei Kilometer langen Rundkurs, den man einfach gehen muß. Der erste Blick geht bis zum nördlichen Ende der Halbinsel, zum North Point. In der Perkins Bay tief unter uns baden Kinder. Und über die Sawyers Bay sehen wir im Süden die schimmernden Anlagen der 1600 Meter langen Jetty von Port Latta. So weit muß man hinaus in die See gehen, damit die Riesenbulldozer, die das Eisenerz vom Savage River auf die Schiffe verladen, ungestört arbeiten können. Über eine 95 Km lange Pipeline gelangt das Erz zur Verarbeitung nach Port Latta. Dieser Hafen machte der Company, den Fischern und den Reedern schon immer viel Sorgen. Die Wellen der Bass Strait führten zu insgesamt 90 Schiffshavarien.
Das bekannteste Unglück an dieser Küste war das Kentern der „Southern Cross“ 1889 vor Rocky Cape. Mit Rettungsbooten sind die Verunglückten damals 17 Kilometer bis Stanley gerudert. Man versuchte durch Wellenbrecher in Höhe des Felsens das Vordringen der Wellen zu verhindern. Also sollte diese Steine von „The Nut“ abgesprengt werden. 5000 Tonnen Dynamit wurden in dem Felsen deponiert. Der Sprengmeister zündete. Aber nichts tat sich. Die Mannschaft ging enttäuscht zunächst zum Frühstück. Da jagte sie eine donnernde Explosion hoch. Die Steinmassen polterten in die See. Niemand kam zu Schaden. Solche scheinbar erfolglosen Sprengversuche des harten Gesteins gab es hin und wieder. In einem Fall rutschten 12 Jahre (!) nach einer solchen scheinbar erfolglosen Sprengung genau an der Stelle der damaligen Ladungsdeponierung ohne Vorwarnung 20 Tausend Tonnen Gestein in die Tiefe.
Der harte Basalt von „The Nut“ ist unberechenbar. Ungefähr in der Mitte des Berges befindet sich einen tiefe Höhle. Wahrscheinlich der Rest des Kraters. Natürlich ist „The Nut“ ein gesuchter Nistplatz für Muttonbirds. Die Eltern mästen ihre Kücken bis zu einem Gewicht von einem Kilogramm. Dann haben sie das ihre getan und fliegen im März wieder zur Antarktis. Wer von den Jungvögeln diese gefährliche Zeit überlebt, folgt dann einen Monat später. Es ist erstaunlich, wie die Metamorphose, die wir am Wave Rock in WA so anschaulich sehen konnten, auf dem harten Basaltfelsen so eine Vegetation ermöglichte. Sogar ein kleines Wäldchen gibt es auf dem Plateau. Und so wanderten wir von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt den Rundkurs, bis wir wieder an der Sesselliftstation ankamen.