Familie Curr - Highfield

Den Standort Stanley baute die Company kontinuierlich aus. Besonders seit 1832, als der Company Chef E. Curr in Highfield wohnte. Der Architekt J.L. Archer fand hier seine Lebensaufgabe. Ständige Anbauten und Umbauten wurden vorgenommen. Das heutige Anwesen befindet sich nach einer Komplexrenovierung 1987 in einem sehr guten Zustand. Ein Wohnhaus, dazu der ornamentale Garten, die Ställe, die Scheunen, die Kapelle mit der kleinen Schule im Dachgeschoß, das war die eine Seite von Highfield. Die Gefangenbaracken für die Sträflinge, die man bei der Landwirtschaft brauchte, das war die Kehrseite. Und auch Prügelstöcke, Halskrausen und andere Disziplinierungsmaßnahmen sind noch vorhanden. Seit 1987 ist Highfield für die Öffentlichkeit zugänglich. Und wurde zu einem beliebten Treffpunkt für alle Arten von gesellschaftlichen Veranstaltungen. Wobei Hochzeitsfeiern hoch im Rang stehen.

Highfield - CurrBei unserem Besuch entlang der Bay hinauf zu Highfield sahen wir etwas außerhalb zunächst die Ruinen der Gefangenen Baracke. Ein aus Ziegelsteinen 1834 erbautes stabiles Gebäude, das sicher auch genügend Schutz vor dem Wind gab. Von den 41 auf Highfield beschäftigten Gefangen waren 21 hier untergebracht. Und die vielen Fliegen, sogar so weit oben auf der Höhe, sind sicher schon damals mit eingezogen. Gleich daneben ein imposanter Windschutzwall aus Pinien. So schützte man auf 250 Meter Länge den Ackerboden vor dem Wind und der Erosion.
Der Bau des Wohnhauses für die Familie Curr begann schon 1827. Um die Menschen eines großen landwirtschaftlichen Gutes zu versorgen brauchte es auch Viehhaltung und Landwirtschaft für den Eigenbedarf. So errichtet man gleich 1830 Schweineställe und Scheunen. Dadurch wurde Highfield zum administrativen Zentrum der Company, dem später ein weiteres Zentrum in Burnie zugefügt wurde. Ursprünglich hieß Burnie seit 1827 Emu Bay, wurde aber 1840 nach einem Direktor der VDL Company umbenannt. Für die damalige Zeit sehr moderne landwirtschaftliche Maschinen sind in Highfield ausgestellt. So gab es schon durch Pferdekraft bewegte Antriebswellen und ähnliches. Übrigens machten die ehemaligen Pferdeställe vom 1830 bis 1840 auf mich einen bedeutend besseren Eindruck als die Gefangenenbaracke. Die Pferdezucht der Company war in ganz Australien berühmt. Dass die Arbeit hier für die Sträflinge kein „Zuckerlecken“ war, davon kündet der auf dem Hof stehend Balken, wo der Sträfling vor der Auspeitschung mit Kopf und Armen fixiert wurde. Ein beliebtes Fotomotiv für Touristen.
In Dokumenten und auf Tafeln kann man sich in den Räumen der ehemaligen Dreschscheune über das Schicksal der Bewohner von Highfield informieren. Und man hatte nunmehr Ende des20. Jahrhunderts auch den Mut, das Unrecht und die Gräueltaten an den Ureinwohnern zuzugeben.

Schon damals hing das Schicksal vieler Unternehmen vom Gründergeist, Mut und den Fähigkeiten der Menschen ab. Einer der engsten Mitarbeiter von Curr war H. Hellyer. Der nicht nur die gesamte Umgebung für die Company erforschte, sondern, wie Curr nach London berichtete, auch regen Anteil an dem Bestehen und der Wirtschaftlichkeit der Company nahm. Hellyer hat den Unfalltod seiner Ehefrau 1832 nie überwunden und nahm sich am 2. September 1832 das Leben. Wenn man die Chronik richtig liest begann damit der allmähliche wirtschaftliche Rückgang der Company. Drei Jahre später erschütterte Curr und seine Ehefrau der Tod der Tochter Juliane, die beim Spiel mit einem Hund tödliche Bißverletzungen erhielt, sehr. Die Ehe bekam einen weiteren Knacks. Ein Grabdenkmal erinnerte an das Mädchen.

Trotz alledem ist die VDL Company die einzige der vielen Royal Charter Kompanien, die überlebte. In einer Einschätzung der Historiker ist zu lesen, dass die VDL Company wahrscheinlich zum bedauernswertesten kapitalistischen Unternehmen im frühen Australien wurde.
1857 verpachtete man Highfield an den Weidenbesitzer Frederick Ford, der die erfolgreiche Pferdezucht fortsetzte. 1914 kaufte dessen Sohn dann das Anwesen.

Die 1838 gebaute Kapelle wird noch genutzt Ein Steingebäude mit einem ansprechenden Holzinnenausbau. Drei alte Bibeln sind unter Glaskästen zu bewundern. Über dem Kirchraum lag die Schulklasse für 15 Kinder. Immerhin hatte allein die Familie Curr 15 Kinder Hier wurden auch die Kinder der Angestellten unterrichtet. Und der große Kamin war sicher von Nöten.
Ich hatte ja schon erzählt, dass der Architekt Archer ständig Anbaumaßnahmen am Haus vornehmen mußte. Bei 15 Kindern wohl nicht verwunderlich. Es ist ihm aber immer wieder die Erhaltung eine harmonischen Ensembles gelungen. Auffallend die vielen Schornsteine. Beeindruckend die überdachte Veranda an drei Seiten des Hauses. Statt der üblichen Holzzäune hatte Curr das Wohnhaus vom übrigen Anwesen durch massive mannshohe Mauern, vielleicht auch wegen des Windes, abtrennen lassen.