Die Highfield Story

Die Geschichte von Highfield, einer komplexen Siedlungsanlage auf Greenhill, etwa 6 Kilometer von Stanley entfernt, steht irgendwie für die Geschichte der weißen Besiedlung in Tasmanien. Vielleicht etwas anders als auf der Hauptinsel, zumal die Van Diemens Land Company erst 1825 hier wirksam wurde. Aber auch wieder in gleicher Zielsetzung und in den nicht immer humanen Maßnahmen, diese Ziel zu erreichen: Eine typisch britische Kolonialisierung.

Highfield PinguineMan kann Highfield sowohl mit dem Auto als auch zu Fuß erreichen. Der Fußweg entlang der Sawyer Bay ist der bevorzugte Weg der Angler und Fischer. Interessant fand ich ein Straßenschild, welches vor Pinguinen warnte. Und bei jedem Blick zurück grüßte uns der mächtige Felsen.
Da kommen bald zwei monumentale Steintore oberhalb der Straße. Die ehemaligen Zugänge zu der Ansiedlung. Der Weg führte früher vom Tor im Tal bis zum Tor auf der Höhe. Ich brauche wohl nicht zu betonen, welch ein phantastischer Ausblick von Greenhill ins Tal auf Stanley, seine bunte Umgebung und den alles beherrschten Felsen bietet. Der mit dem Auto befahrbare asphaltierte Rundweg wird als Scenic Drive angeboten. Und dann sind wir in dem legendären Highfield.

Im Rahmen der Besiedlung der australischen Kolonie erhielt die Van Diemens Land Company 1825 von King George IV. die Erlaubnis, im Van Diemens Land sich 359 Tausend Acres Land für Siedlungszwecke herauszusuchen. Solche Royal Charter Kompanien gab es damals viele. Alle wollten vom Brocken der weltweiten Kolonien des Empire einen tüchtigen Happen abhaben. So wurde die VDL Company die erste weiße Siedlung in dieser eigentlich isolierten und sterilen Region. Man hatte schon bei Companygründung 1824 in London die Absicht, große und sehr dichtwollige Schafe in die Gefangenenkolonie zu bringen. Mit ihren Hauptsitz im späteren Stanley wurde zunächst das Hauptquartier Highfield erbaut. Man plante eine große Schafhaltung auf den dafür geeignet scheinenden Flächen. Der erste Company Chef E. Curr beauftrage einen Experten, eine Einschätzung für den Ertragreichtum der Schafzucht im Gebiet des Circular Head zu erstellen. Das Ergebnis war ernüchternd und niederschmetternd. Der Experte schrieb an Curr lakonisch, dass der „Papierverbrauch für eine solche Einschätzung mehr Geld kosten würde, als das gesamte Land wert sei.“

Also brauchte die Company neues Land. Dafür schienen die Flächen im Nordwesten auf Cape Grim sehr geeignet. Allerdings gab es schon bei der Ansiedlung in der Circular Head Area Auseinandersetzungen mit den dort lebenden Ureinwohnern, die gewaltsam vertrieben wurden. Nach den überlieferten Unterlagen wusste Curr sehr wohl um die Unrechtmäßigkeit seines Handelns. Aber er brauchte das Land. Und er sorgte auch dafür, dass die kriegerischen Maßnahmen gegen die Aborigines nicht aktenkundig wurden.

Woolnorth - Cape GrimFür die Fortführung der Schafzucht und Wolleproduktion „eignete“ man sich also Land im Nordosten der Insel an. „Woolnorth“ (Wolle des Nordens) nannte die Company die Liegenschaft am Cape Grim. Und so baute das Unternehmen dort 1827 die ersten Gebäude. Eine Gegend mit der messbar nachgewiesenen saubersten Luft auf der Welt. Seit 1827 wachte dort ein Schäfer mit drei Gehilfen, die zunächst von den Ureinwohnern geduldet wurden, über die weidenden Schafherden. Aber die Situation eskalierte, als die Gehilfen, abkommandierte Strafgefangene, versuchten, Frauen der Ureinwohner in ihre Hütten zu ziehen. Das ließen die Ureinwohner nicht zu und töteten die Schäfer. Die Folge war das Massaker am Cape Grim. Die Company führte bei Woolnorth eine Strafaktion durch. Die sich nur mit Speeren verteidigenden Ureinwohner wurden restlos getötet. Und in typischer britischer Menschenverachtung nannte man den Kampfplatz anschließend „Victoria Hill“. Ein Umstand, den die heutige tasmanische Aboriginal Gemeinschaft als anmaßend und beleidigend bezeichnet. Aber die 22 Hektar Land in Woolnorth waren die Rettung der VDL Company. Und da blieb keine Zeit an die unglücklichen Ureinwohner zu denken, deren letzte Mitglieder von dem „Priester“ Robinson überredet wurde, sich ebenfalls nach Flinders Island „umsiedeln“ zu lassen. Auch hier hatte die Company ihre Hände im Spiel.

Ebenso unrühmlich sind die Bemühungen der Company den tasmanischen Teufel auszurotten, da er angeblich Schafe reißen würde. Durch die „Kopfprämien“ für erlegte Tiere wurde der Bestand erheblich reduziert.
Der Umstand, dass auf Cape Grim häufig der Wind mit Geschwindigkeiten von 170 Kmh über den nordwestlichen Zipfel der Insel jagt erwies sich nach 177 Jahren als Glückumstand. Zu einem akzeptablen Preis verkaufte man 2001 das Land an Hydro Tasmania, die hier einen Windpark mit 79 Turbinen errichtete.