Die Western Explorer Route nach Stanley
Das sind eben die Extreme in Australien. Über Nacht, ja bis in die Morgenstunden, hatte es am 20. Januar „Schusterjungen“ geregnet. Aber als wir los fuhren schien die Sonne. Im Süden der Hauptinsel dabei so intensiv, dass bei 41° Celsius die höchste Waldbrandstufe ausgerufen wurde. Über Zeehan ging die Fahrt am frühen Morgen nach Norden. Eigentlich war Smithton, die größte Stadt und die erste Siedlung im Nordwesten von Tasmanien unser Ziel. Das haben wir aber während der Fahrt noch geändert. Als uns nämlich klar wurde, dass man nicht in diese Gegend fahren darf, ohne Stanley mit „The Nut“, der heute gebräuchliche Name für „Circular Head“, besucht zu haben.
Von Zeehan war die C249 noch bis zum Reece Dam asphaltiert, dann begann mit der unbefestigten Strasse auch die Wildnis. Es ging bergauf, nach Corinna. Auf dem feuchten Sandboden fuhr es sich gar nicht so schlecht, da der Sand festgefahren war und durch die Nässe nicht so staubte. Immerhin wurden wir durch Hinweise, wie die Straßenschilder und Prospektbeschreibungen besonders auf diesem Teil der Strecke zum vorsichtigen Fahren aufgefordert. Häufige, ziemlich steile Kurven, dazu ein unberechenbarer heftiger Wind, besonders als wir in Küstennähe mit dem Wasser zur Linken und dichten Wald zur Rechten fuhren. Hier passierten wir das Gebiet am Mt. Heemskirk, einen Berg, den schon Abel Tasman von der See gesehen und
beschrieben hatte. Und an so einer Stelle kam uns in rasender Fahrt ein Truck mit Hänger entgegen. Natürlich die ganze Straßenbreite nutzend. Bis dicht an die Steine des Waldhanges mußte ich ausweichen. Aber es ging alles gut. Nur der Schreck saß für eine ganze Weile. Mein Gott, was für eine brenzlige Situation!
Und was nutzen, bitte schön, die Verkehreszeichen, wenn sich keiner dran hält?
Aber von der Höhe ging es nunmehr hinunter zum Pieman River, zur Fähre. Wir passierten ein Niederwuchsgelände mit Bäumen bis etwa fünf Meter hoch, Alle Nase lang kamen Abzweige die aber schon nach einigen Metern an Kies- oder Splithaufen endeten. Die Straßenbelagreserve für die Regenzeit? Zu allem Unglück holperte unser Auto auch noch über einen Stein am Straßenrand, der etwa 15 cm hoch in der gleiche sandigen Farbe des Weges nicht zu erkennen war. Gott sei Dank! Der Reifen hielt. Wenige Kilometer später schon wieder so ein Stein. Diesmal aber Gelb markiert. Ich konnte rechtzeitig reagieren. Das muß eine blütenreiche Gegend sein, denn überall standen Bienenhäuser. Und obwohl ich 100 Kmh fuhr versuchte mich ein Jeep mit Hänger und vier Personen auf der winkligen Sandpiste zu überholen. Er schaffte es, weil ich bremste und links ran fuhr.
Ein Schock pro Fahrt reichte mir. Und als wir dann zur Fähre kamen, wusste ich auch, warum der so verrückt aufs Überholen war. Auf die Fähre passten immer nur zwei Wagen. Also beim ihm Jeep und Hänger. Er war an der Spitze, setzte über und wir warteten. Nicht ohne schleunigst die Fenster zu schließen. Eine Bienenattacke auf uns und auch auf den Wagen hinter uns. Die Überfahrt kostete 20 Dollar, dann waren wir in der alten Goldgräberstadt Corinna (1881), die einst als Hafen für die Miner und ihre Funde diente. Ein Ort, der Nostalgie groß schreibt. In Holzhütten kann man die alten Zeiten nacherleben. Außerdem werden Bootfahrten auf den Pieman River und auch Besichtigungen, Führungen durch den Busch und natürlich Forellenfang angeboten. Das Office öffnet aber erst 10.00 Uhr. Und unser Raser wartete nun auf die Angestellten, die nur kommen, wenn sie Zeit haben.