Es gibt viele Galerien und Kunsthandwerksgeschäfte in der Stadt. Touristen, wohl kaum die Bewohner, müssen hier sehr kauffreudig sein. Natürlich trägt der sonntägliche Markttag mit den dann ebenfalls geöffneten Antik- und Kunstgewerbegeschäften zum Umsatz bei. Auf alle Fälle gewinnen wir einen Eindruck, wie es hier um 1900 aussah, und wie sich das öffentliche Leben ohne Hektik gestaltete. Die sauberste Stadt Tasmaniens (noch eine!) beeindruckte im Vergleich zum sonstigen Australien sehr. Hier werden keine Geschäfte zum Verkauf angeboten. Auf Tafeln vor einem Gebäude von 1858, dem Lucas Hotel, liest man, dass dieses Herberge früher Royal Charter Inn hieß, 1876 abbrannte und 1891 verkauft wurde. Gleich hinter dem Hotel führt eine kleine Steinbrücke über den Kings Creek, der bald in den Mersey River mündet. Ein sehr romantischer Spaziergang. Das eindrucksvolle Gebäude mit den vielen Fenstern und Eingängen ist der 1993 gebaute Store von Wells & Sohn. Schräg gegenüber steht das Haus, wo die erste lokale Zeitung der Stadt „The Advocat“ gedruckt wurde. Und dann natürlich das eindrucksvolle und monumentale Baptist Tabernakel von 1892.
Aber der Ort hat noch mehr zu bieten. Gegenüber dem Zeitungsgebäude beginnt ein Wanderweg, genannt der Sheean Walk, der an die im 1. und 2. Weltkrieg gefallenen Bürger erinnert. Sheean war ein Matrose aus Latrobe, der bei der Schlacht an der Timorsee 1942 gegen die Japaner mit seinem Schiff unterging. Aller sechs Meter stehen steinerne Erinnerungssäulenentlang des Sheean Walks. Es läuft sich gut durch den geschützten Pfad. Links der Ort mit den Häusern, deren Rückfassade ebenfalls gepflegt sind, und rechts die bewaldeten Anhöhen. Der Walk endete nahe eines nicht gerade sehr besuchten Caravan Parks, Von dort liefen wir über die River Road zur „Australian Axeman’s Hall of Fame and Timberwork“. Hier werden ähnlich der Hall of Fame in Longreach (Queensland) in einem Museum die Holzfäller und die Holzindustrie der Vergangenheit und der Gegenwart gewürdigt. Bei einem Treffen der Holzfäller (Axeman) wurde am 13. Juni 1891 beschlossen, jährlich Weltmeisterschaften im Holzsport auszutragen. Diese erste Meisterschaft fand im November 1891 in Latrobe statt.
Gleich hinter dem Museum befindet sich Sherwood Hall. Ein kleines Haus mit einer großen lokalen geschichtlichen Bedeutung. Zwischen 1848 und 1850 erbaute es der Ex Sträfling Thomas Johnson zusammen mit seiner Ehefrau Dolly Dalrymple, die das erste „Mischlings“ Kind in Van Diemens Land war. Das 1970 völlig überflutetet Gebäude wurde 1993 an seine heutige Stelle umgesetzt und im ehemaligen Zustand renoviert. Das Gebäude soll als Beweis dienen, dass ein Zusammenleben zwischen Weißen und Ureinwohnern doch möglich ist. Auf einer Tafel vor dem Haus wird darüber informiert.
Einige Meter hinunter zum Ufer des Mersey Rivers gelangen wir zu Bell’s Parade. Hier hatten Robert Bell und sein Halbbruder 1855 einen Anlegeplatz für Boote und einen Store errichtet. Noch sind einige Reste des ehemaligen Kai zu sehen. Aber der Uferbereich gehört mit zu den landschaftlich schönsten Abschnitten des Flusses. Große, einst aus England geholte prächtige Bäume säumen wie zu einer Parade den Weg zur Picknick Area. Es ist ein Volkspark aus dem ehemaligen Hafengelände geworden. In den warmen Monaten finden hier sogar Hochzeitsfeiern statt. 1988 hat man das Gebiet in gemeinsamen Anstrengungen von Freiwilligen und Sponsoren zur Nutzung reaktiviert.
Die wieder funktionierende aufklappbare Holzbrücke führt auf die andere Seite des Flusses. Die Anlagen sind sehr gepflegt und Skulpturen des tasmanischen Künstlers Stephen Walker erinnern an die Geschichte der Pioniere dieser Gegend und an den Bereich, den man früher „Siedlers Anlegeplatz“ nannte. Der Gesamteindruck der Anlage, die durch ein Eisentor zu betreten ist und durch ebensolche gusseisernen Zäune begrenzt wird, vermittelt Ruhe, Ausgeglichenheit, Harmonie. Die grünen Wiesen, die formschönen Büsche und natürlich der einladende Pavillon. Es passt. Dazwischen ein Erinnerungsstein an Queen Elisabeth, die sich am 23. Februar 1954 hier erfrischte. Die Queen war zum 150. Jahrestag der Besiedlung (26. Januar 1804) durch die Briten in Tasmanien. Wir sind ein ganzes Stück am Ufer entlang gegangen. Nach 250 Metern kommt ein Wehr, das die Wasser des Flusses reguliert. Und gleich dahinter beginnt schon wieder die Wildnis, die den Fluss auf vielen Kilometern seines Laufes begleitet.
Natürlich hat Latrobe auch seine jährlichen Höhepunkte des gesellschaftlichen Lebens. Dazu gehörten auf alle Fälle das „Henley on the Mersey“ Volksfest, das seit 85 Jahren jedes Jahr am Australientag (26. Januar) in Bell’s Parade stattfindet. Eine volkstümliche und auch sportliche Veranstaltung. Dann folgt das Super Sedan Rennen, eine Speedway Veranstaltung mit der Creme der australischen Rennfahrer. Das Rennen wird auch „The Apple Isle Grand Prix“ genannt. Im März folgt ein Country Music Festival, dann die Hochlandspiele mit den Dudelsack Band Wettbewerb im Mai.