Port Sorell

Als Höhepunkt jedes Jahres betrachten die Einwohner aber, dass Latrobe Etappenziel des ältesten Rad- Etappenrennens der Welt ist. Als Besonderheit gilt, dass die Radrennfahrer sich am Abend an der belgischer Schokolade der Anvers Chocolate Factory satt essen können. Dies halte auch ich für ein „Sahnehäubchen“. Wir anderen Nichtradrennfahrer indes sollten diese Schokolade in Maßen und mit Genuss kosten. Aber es ist sicher nicht die Schokolade, die Latrobe auch zur Gourmethochburg gemacht hat.

Port SorellEigentlich wäre unser nächstes Ziel Port Sorell einfach zu erreichen. Führt doch die B74 vom Bass Hwy aus direkt in den Ort. Wir haben uns aber im Labyrinth der B71 „verfranst“. Natürlich lernten wir so ein herrliches Stück des hügligen und wohl auch fruchtbaren Hinterlands kennen, sind aber auch in die Mittagshitze geraten. An verschiedenen Informationstafeln mussten wir erkennen, dass hier am „Port of Golden Beaches“, also am Hafen der Goldstrände drei Orte ineinander laufen. Port Sorell, Shearwater und Hawley Beach.

Bis zum Eintreffen der Europäer lebte hier der Stamm der Punnilerpaner. Sie ernährten sich von Schellfisch, Schwänen, Enten, Kängurus und auch von an Strand gespülten Meeressäugern. So eine Art Schlaraffenland für die Ureinwohner. Das war wohl der Grund, dass sie ein siedlerähnliches Leben dem Nomadenleben anderer Stämme vorzogen. 1805 wurde der Rubicon River erforscht. In den folgenden drei Jahrzehnten parzelliert die Weißen das Land am Fluss. Schließlich kam es zur Gründung der Ortschaft Burgess, die 1821 in Port Sorell umbenannt wurde. Noch 1824 fungierte hier einer der meist genutzten  Häfen der Nord West Küste.

In einem Kunstgewerbegeschäft in Shearwater befindet sich auch das Visitor Center. Die beiden Pensionäre, ein Ehepaar, das hier ehrenamtlich arbeitet, fanden unser Argument, dass es in Tasmanien nicht genügend warme und sonnige Tage gäbe, für unzutreffend. Sie erzählten von ihren ausgefüllten Tagesablauf, von den Freunden, den gegenseitigen Besuchen und meinten, wir würden doch ganz gut mit dazu passen. Zumal viele ihrer Bekannten gern mehr über Deutschland erfahren würden. Sie selbst waren ein Mal in Deutschland und schwärmten, wie alle Australier, von München, Neu Schwanstein und dem Schwarzwald. Und wenn ich ehrlich bin, war dieses nette und freundliche Gespräch, trotz phantastischer Landschaftseinblicke, der positivste Eindruck, den ich vom Trip Latrobe/Port Sorell mit nach Devonport nahm.
Zunächst haben wir eine kleine Mahlzeit zu uns genommen. Da wird für den Touristen eine Eigentour zur Erkundung der europäischen Geschichte im frühen 19. Jahrhundert angeboten. Die war aber nicht sehr ergiebig. Ebenso ist es schwierig, zum Narawntapu NP zu gelangen. Es gibt zwar eine unregelmäßig fahrende Übersetzmöglichkeit. Ansonsten blieb uns nur die Konsequenz, um den Panatana Rivulet herumzufahren, um am gelobten Bakers Beach ein Stündchen zu spazieren. Davon rieten uns die beiden Volontäre ab. Zumal die günstigste Zeit zur Tierbeobachtung im Nationalpark mit absoluter Sicherheit nicht at noon (Mittagszeit) wäre.

Folglich sind wir zunächst die Shearwater Esplanade, die noch einigermaßen fahrbar war, und dann die Hawley Esplanade, eine mit künstlichen Hindernissen bestückte Küstenstrasse, in Richtung Larooma Park gefahren. Bei diesem Parcours sind schon 30 Kmh fast zu schnell. Überall kleine Parkplätze mit der Möglichkeit zum Strand zu gelangen. Es ist auffallend, dass man in größeren Abständen Bänke und Tische aufgestellt hat. So wird ein wildes Picknicken verhindert.

Strand im Narawntapu NPDer Strand ist zwar etwas steinig, aber sauber und gepflegt. Genau wie die Häuser, die an der Esplanade stehen. Diese endet am Parkeingang. Hier ginge es nur zu Fuß weiter. Aber es war heiß, der Fußweg ziemlich staubig und ich glaubte nicht, dass wir die dort lebenden Pinguine angetroffen hätten. Also rasteten wir an einem der kleinen Parkplätze, genossen den Blick zum gegenüber liegenden Nationalpark.
Nun blieb nur noch die Küstenlinie von Port Sorell zu besichtigen. Wir fanden auf der Rückfahrt vor einem der vielen Caravan Parks einen Parkplatz. Zuvor hatten wir die Golf Großanlage rechts und links der Pitcairn Street passiert. Und wir warfen auch einen kurzen Blick auf den Bowls Club, dort wo einst 1844 das Gefängnis von Port Sorell stand. Vom Parkplatz Darling Street wollten wir auf einem in den Dünen angelegten Wander- und Radweg, vorbei an dem zum Schutz der heute nur noch kleinen Jetty angelegten Wellenbrechersteinen, zum Mary Creek wandern. Ein windgeschützter Weg, auf dem es sich angenehm Laufen ließ. Die 1960 mit terpentingetränkten Pfählen neu erbaute Jetty war früher doppelt so lang. Hier wurden die Fischfangkisten von den Schiffen gleich auf Schienenwagen verladen. Was für eine Fangoase muß das gewesen sein. Die Meeresbucht wimmelte von Flundern. Lachsen, Forellen. Blackfisch, Seebarben, Hornfische, Trompeterfische, Brassen. Man konnte schon verstehen, warum die Ureinwohner hier sesshaft waren. Erst 1998 wurde der Fang der Fische mit Netzen in der Bucht verboten. Gegenüber im Nationalpark ist der „Dead Man’s Point“. Das war ein grausiger Fund als eines Tages die See die Wracks einiger Schiffe mit den Ertrunkenen dort freigab. Sie wurden an Ort und Stelle begraben.

boobiallas - Myoporum insulareDer Dünenweg ist gesäumt von „boobiallas“, das sind semi-salzresistente Pflanzen, die bei uns Myoporum insulare heißen. Und dazwischen natürlich jede Menge Strandhafer. Auf alle Fälle gefielen uns Weg und Strand hier viel besser als zuvor am Hawley Beach. Gestört haben uns nur zwei dicke Australier. Die gingen bei der Ebbe über den Sand, sahen wie wir die tausende Krabben, die sich mit einer interessanten Korkenziehertechnik in den Sand eingruben. Und die machten sich eine Freude daraus, bei jedem Schritt bewusst auf die Tiere zu treten.

Ein kleiner Abzweig brachte uns zu einer kleinen Bootsrampe. Gleich in der Nähe ein Haus, davor ein Stein mit einer Gedenktafel, dass sich hier die Schiffbau Area befand und die Griffiths Family noch heute in Port Sorell lebt. Ein kleines Stück weiter kommt ein kleiner Bachlauf. Mary Creek, genannt nach der Tochter des G. Williams, der in der Broschüre allerdings William Smith heißt. Seltsames Australien! Dieser Mister William oder Mister Smith baute 1844 (es kann auch 1838 gewesen sein) das erste Schiff, das in Tasmanien vom Stapel lief. Da man 1994 den 150. Jahrestag des Stapellaufes feierte, glaube ich an die Jahresangaben auf der Tafel. Was bleibt einem sonst auch übrig? Gegen den tasmanischen Strom schwimmen?
Gleich hinter dem Baum, an dem die Tafel hängt führt eine kleine Fußbrücke aus Holz hinüber auf die andere Seite der Bucht. Wie gesagt, es war Ebbe und alles sah ziemlich trüb aus. Aber ein Panoramabild klärte auf, über die Umgebung und die Landschaft. Bis zur Dazzler Range, die westlich von Beaconsfield liegt und wo früher Gold gefunden wurde, kann man sehen. Namen wie Shell Island oder Rabbit Island sucht man in den Karten und im Internet vergebens. Aber es gibt sie! Das Asbestos Gebirge (Asbestos Range) gab früher dem Nationalpark bis zur Umbenennung den Namen.
Es gibt sicherlich viel zu entdecken in dieser Gegend. Besonders über die reiche Tierwelt des Nationalparks kann
man euphorische Beschreibungen lesen.

Und auch wir fanden diesen Tag als einen gelungenen Ausflug in Geschichte und Gegenwart der Nord West Küste Tasmaniens. Sehrt zufrieden fuhren wir, diesmal auf der sicheren B74 zurück nach Devonport.