Zwei kleine Aussichtplattformen erlauben den Blick auf die Bass Street und auf die futuristische, von hier geheimnisvoll wirkende Stahlkonstruktion an der Flussmündung. Einige Stufen noch tiefer hat man einen Eindruck von der Kraft der Wellen, die Gischt schäumend auf die Klippen treffen. Und das, obwohl das Wasser der Strait scheinbar ruhig und unbeweglich liegt. Noch 36 Stufen hinauf auf das Plateau, wo der Leuchtturm seit dem 2. August 1889 steht. 1559 Pfund Sterling hat das 16 Meter hohe und 37 Meter über den Seespiegel sich befindende Lichthaus damals gekostet. Bei dieser 27 Kilometer weit reichenden Aussicht hätte eigentlich der Wärter froh sein müssen über den Posten. Aber das Kerosin betriebene Feuer mußte ständig gewartet und unterhalten werden. 1920 erfolgte die Umstellung auf Gas und dann ab 1952 auf Elektrizität.
Die Küstenlandschaft hier besteht aus Dolerit, einem vulkanischen Gestein aus der Jurassic Periode, also vor 80 Millionen Jahren. Eine tolle Spielvariante der Natur! Die durch Erosionen und durch die Verwitterung entstandenen spontanen Brüche schufen eine Oberfläche, die manchmal wie ein Kartenspielpaket aussieht. Diese Skurrilität der Oberfläche war für die hier lebenden Ureinwohner Anlass, Gesichter in den Stein zu meißeln. Die urtümlichen Steinbilder sollen fast 10.000 Jahre alt sein.
So ist es verständlich, dass sich am Mersey Bluff, in Erinnerung an die Vorfahren ein Aborigines Kultur Zentrum befindet. Der Flyer ist äußerst dekorativ. Hält aber der Realität nicht stand. Sie nannten es „Tiagarra“ (Keeping Place oder Aufbewahrungsplatz). Aber von Aufbewahrung konnte ich nichts bemerken. Das Umfeld des Gebäudes, wo sich die meisten Steinzeichnungen befinden, verrottet allmählich. Aber im Gebäude kann man in Schaukästen viel über das Leben der Ureinwohner erfahren und allerlei „Kunsthandwerk“ kaufen. Beim Rückweg zum Hotel sind wir an dem relativ gemütlichen Caravanpark am Fuße des Mersey Bluff vorbeigekommen. Viele Dauercamper! Tolle Atmosphäre!
An diesem Abend hatten wir aber wenig Zeit über Devonport zu sprechen. Innerhalb weniger Stunden brachen in Victoria 41 Buschbrände aus. Und die Bilder im Fernsehen waren erschreckend. Man sieht das und weiß, man kann nicht helfen! Schrecklich!
Am nächsten Tag haben wir die Wanderung zur Railway Station vollendet. Sehr beliebt bei den Einwohnern von Devonport ist Coles Beach, da er von den Touristen nicht so überlaufen ist. Unberührter Strand auf weiter Fläche. Aber ziemlich viele vulkanische Reststeine am Ufer, die bei Ebbe besonders zu sehen sind. Zunächst wanderten wir durch das Don River Landschaftsschutzgebiet bis zum Olympic Pool, dem Schwimmbad der Stadt. Ein schöner Fußweg, immer mal von den Schienen der Eisenbahn überkreuzt. Das stört hier aber niemand. Da diese Bahnstrecke weitestgehend am Ufer des Don River lang führt, heißt sie natürlich auch Don River Railway. Besonders interessant fand ich bei diesem Fluss, der zurzeit erheblichen Wassermangel aufweist, die Vielzahl der Brücken, die man braucht, um zu den einzelnen Gebieten zu gelangen. Am Bahnhof kann man auch ein Eisenbahnmuseum besichtigen. Die historischen Lokomotiven fahren werktags mit Diesel und am Wochenende mit Dampfantrieb. Auf unserem Rückweg „überholten“ wir die Eisenbahn.
Die stand nämlich auf freier Strecke. Die Schaffner winkten fröhlich zurück, bei ihrer Brotzeit. Und die Fahrgäste bestaunten die Wälder und Wiesen des Don Reserve.
An diesem Abend gab es mehrere berichtenswerte Meldungen im Fernsehen. Zum einen veränderte PM Howard seine Kabinettszusammensetzung. Dann „demontierte“ Roger Federer Tommy Haas bei den Australien Open und durch einen Verkehrsunfall während der Löscharbeiten kam in Victoria ein Feuerwehrmann ums Leben. Sogar das deutsche Gesundheitswesen war eines Kommentars wert. Richtig froh, von den eigenen Problemen abzulenken, berichtete man von den Protesten der deutschen Ärzte gegen die Gesundheitspolitik der Regierung. Besonders betonte wurde dabei, dass jede sechste Praxis in Deutschland von einem wirtschaftlichen Kollaps betroffen sei. So etwas gibt es in Australien nicht.