Die Hauptstadt des Nordens
Gleich zu Beginn einen Hinweis, auf den die Bewohner von Launceston großen Wert legen. Sie sind zwar „nur“ die zweitgrößte Stadt Tasmaniens. Das bedeutet aber nicht, dass Launceston in irgendeiner Weise nur die zweitbeste Stadt wäre! Lassen da Sydney und Melbourne grüßen?
Es ist schon in den Morgenstunden mit 29°C ziemlich heiß. Als wir an einem Donnerstag von Devonport nach Launceston starten. Der Bass Hwy Nr.1 verbindet die beiden Städte. Am Hwy stehen Reklameschilder für die Schokoladenfabrik in Spreyton und für der „Großen Preis von Sheffield“, dem jährlichen Speedway Rennen. Die einzelnen Gemeinden nutzten den Highway natürlich auch zur Eigenwerbung. Bunte Bilder auf den Hinweistafeln, wie Traktoren oder eine Kirche, sollen Aufmerksamkeit erwecken. Die 100 Kilometer sind auf ebener Strasse schnell absolviert. Wir fahren auf einer Tiefebene, die sich von der Küste bis zu den Great Western Tiers erstrecket. Die Tiers sind ein gebirgiges Hochplateau in der Mitte Tasmaniens, das während der Eiszeit durch Gletscherbewegungen entstanden ist. Über gewisse Abschnitte der Tiers habe ich schon berichtet, auch über die vielen Seen (z.B. Great Lake). Und natürlich ebenso über die Probleme zwischen den Naturschützern und der Hydro Tasmania.
Wir hatten in Devonport noch einmal getankt. Das Benzin in Australien wird von Jahr zu Jahr teuerer. Ist aber wegen des Kurses immer noch billiger als in Deutschland. Es gibt in Down under dabei eine Besonderheit. Diesel ist teuerer als Benzin! Und die Tankstelle an der Hertz Autovermietungsstation (wo sonst?) in Launceston hatte die höchsten Preise in Australien auf dieser Reise. Gleich am Ortseingang haben wir einen uns zusagenden Caravanpark mit ganz netten Units gefunden. Erster Eindruck von Launceston ist, dass trotz der „kleinen“ Mall die Stadt unwahrscheinlich viele Geschäfte hat. Und hier kann jeder seinen Laden Öffnen oder Schließen wie er will. Es ist der 26. Januar, Australia Day, Feiertag. Trotzdem waren wir schon bei der Abfahrt sicher, auch an diesem Tag alles Notwendige kaufen zu können. Und so war es auch. Für einen Feiertag sahen wir zu unserem Erstaunen sehr wenig Menschen auf der Strasse. Und auch die Anzahl der Autofahrer hielt sich in Grenzen. Nicht aber deren aggressive Fahrweise! Und diese blieb so auch die anderen Tage. So kann ich Launceston bestätigen, eine Stadt der kurzen Wege und der aggressivsten, rabiatesten und unhöflichsten Autofahrer Tasmaniens zu sein. Doch, um beim Vergleich zu bleiben, in Hobart fahren auch nicht gerade rücksichtsvolle Menschen auf den Strassen. Positiv wiederum ist, dass Launceston statistisch das wärmste Wetter in Tasmanien hat.
Die geographische Lage der drittältesten Stadt Australiens, die fast 67 Tausend Einwohner hat, ist sehr günstig. 64 Kilometer südlich der Bass Strait am südlichen Rand des Tamar Valley liegt der Ort. Dieses Tal, als breiter Oberlauf des Tamar River, wird durch den Zusammenfluss von North Esk, South Esk und Tamar River gebildet. Schon Bass und Flinders erkundeten 1798 die Bucht. Sie nannten die Einfahrt und ihren Landungsplatz am Westufer nach einem Stadtteil vom London Port Dalrymple.
Gegenüber, am Ostufer nahe der Mündung des Tamar River, nicht weit vom heutigen Beaconsfield, gab es Anfang der 80ziger Jahre eine kleine Siedlung. Aber weder Land noch Wasser eigneten sich für ein Leben dort. So reiste 1805 eine Expedition stromaufwärts. An der Stelle, wo heute Ritchies Mill steht, ging die kleine Gruppe von Soldaten und Strafgefangenen an Land. Auf einer etwa zwei Kilometer entfernten Lichtung wurde eine Unterkunft, ein Blockhaus, gebaut. Und eine Schneise zum Flussufer geschlagen. Heute steht auf diesem Flecken das 1888 erbaute „Old Brisbane Hotel“.
Im März 1806 verlegte Colonel Paterson sein Hauptquartier hierher. Und nannte den Stützpunkt, bescheiden wie ein Brite eben ist, „Patersonia“. Doch der Geburtsort des damalige Gouverneurs King hieß Launceston. Und so wurde die Siedlung, die schon begann eine kleine Stadt zu werden, 1807 noch ein Mal umgetauft. Selbst der Umzug vieler Siedler 1819 nach George Town, nahe der Flussmündung, hielt das stetige Wachstum von Launceston nicht auf. 1826 gab es unbestritten kein gleichwertigeres Handelszentrum. 1852 erfolgte der Ernennung zur Kommunalverwaltung, 1858 erhielt Launceston Stadtrechte und wurde 1888 zur Großstadt erklärt. Der Name „Gartenstadt“ kam erst später dazu.