Wer einige Tage in Devonport verweilt darf nicht versäumen Latrobe und Port Sorell zu besuchen.
Als Frühaufsteher sind wir auf der Mersey Main Road, das ist eine landschaftlich schönere Strecke als über den Boss Hwy, schon gegen 09.00 Uhr in Latrobe gewesen. In dem kleinen Ort Spreyton machte der „Big Apple“, ein riesiger Kunstapfel auf einem Dach, auf das Zentrum des Apfelanbaus aufmerksam.
Überrascht war ich über ein ausgesprochen modernes Bowling Stadion in einem solch kleinen Ort. Die wunderschöne Kolonialstadt Latrobe schlief noch. Einige wenige Bürger liefen auf der Strasse. Aber der Fruchtmarkt und der Bäcker hatten schon geöffnet. Nicht umsonst wird dieser Ort als Australiens feinstes Gesicht des kolonialen Erbes bezeichnet. Achtzig gelistete Gebäude vermitteln eine Atmosphäre der Vergangenheit.
Mitte des 19. Jahrhunderts, als in Victoria Gold gefunden wurde und in Latrobe die Landwirtschaft in voller Blüte stand, wuchs der Ort zum gesuchten und geschäftigen Umschlagplatz. Der Hafen am Mersey River war das Tor zur Welt.
Besonders aber zu Victoria, wo alle möglichen Waren für die Goldgräberstädte gebraucht wurden. Trotzdem hat sich die Stadt den Namen „Welthauptstadt der Schnabeltiere“ gegeben. Und auf angebotenen Touren im Warrawee Forest, wobei Schautafeln, Wandmalereien, ausgestopfte Tierdarstellungen usw. nicht fehlen dürfen, kann der Besucher die Schnabeltiere in freier Wildbahn erleben und beobachten.
Der erste Europäer, der hier 1826 siedelte, hieß Edward Curr, der die North Down Niederlassung gründete, und schon bald Chef der VDL Company in Stanley wurde. Er verkaufte 1831 das Anwesen an Captain Thomas, der von den Aborigines getötete wurde. Immerhin lebte in dieser Gegend bis zum Kommen der Europäer der größte Ureinwohnerstamm Tasmaniens. 1851 wurde der Name des Ortes erstmalig urkundlich erwähnt, aber man nannte sich so schon seit 1848. In Erinnerung an Charles La Trobe, den damaligen Gouverneur von Van Diemens Land. Und zwischen 1870 bis 1895 boomten Hausbau, Bankengründung und Handel. Drei Zeitungen wurden gedruckt, ein Hospital gab es natürlich auch und die vielen Hotels und Gasstätten zeugten vom regen Betrieb in der Stadt, die 1891 immerhin schon 1560 Einwohner hatte. Eine Zahl, die sich sogar noch steigerte. 2005 wurden 2555 Einwohner gezählt. Wie man auf dem Bild der früheren Gilbert Street sieht ist das für die damalige Zeit ein ansehnlicher Ort. Noch heute empfinden es die Bürger von Latrobe als eine Ehre und Auszeichnung, als 1888 das Englische Cricket Team auf seiner Australientour in ihrer Stadt Station machte.
Auch für uns war der Bummel auf der Gilbert Street äußerst informativ. Da ist der Station Square, früher mal der Bahnhof der Stadt. Vom 30 Mai 1885 bis 1982 fuhren die Züge. Doch die früheren Honoratioren verschliefen den Fortschritt. Als sie nach viel Palaver und Abwägen, wegen ihres Hafens, dann doch der Bahn zustimmten, war es für einen zentrale Funktion zu spät. Inzwischen hieß der Eisenbahnknotenpunkt Devonport. Auf dem freien Platz steht ein überdimensionales Schachspiel für die Öffentlichkeit. Etwas versteckt um die Ecke haben findige Künstler die Eisenbahn mit Wagen und Dampflokomotive an eine Hauswand gemalt. Nur der Fahrkartenschalter ist noch echt.