Noch einen Kilometer auf dem Waldweg, dann kommt eine weitere wirkliche Sehenswürdigkeit. In einem kleinen „altertümlichen“ Wald steht ein 400 Jahre alter Baum. Ein Brown Top Stringybark, eine Eukalyptusart, die besonders in den Wäldern mit durchgehend kühler Temperatur Tasmaniens wächst. Das hier ist der größte seiner Art in Tasmanien. 62 Meter hoch, mit abgestorbener Spitze.
Es werden aber weltweit auch Bäume mit bis zu 90 Meter Höhe beschrieben. Sein Stammumfang ist mit 16 Metern gewaltig. Sehr imponierten mir die mächtigen knorrigen Wurzeln. Ein Besuch lohnt sich auch deshalb, weil hier noch vier weitere alte Riesen ungestört wachsen. Und die Bäume können an dem fünften umgestürzten Baum, der von einer kleinen Plattform zu bestaunen ist, schon mal ihr kommendes Schicksal betrachten.
Wieder zurück auf dem Bass Hwy fahren wir bald durch Port Latta. Die 1,6 Km lange Jetty hatten wir schon vom „The Nut“ gesehen. Auf der Jetty stehen mächtige Kräne. Im Ort sehen wir ein großes Werk, wo aus dem Eisenerz Pellets (Kügelchen) für den Transport hergestellt wird.
Aus einem Tank steht „Australia Bulk Mineral“. Das ist eine Untergruppierung des Weltkonzerns Ivanhoe. Hierher gelangt das verflüssigte magnetische Erz von Savage River. Nach einem 85 Kilometer langen Weg landet diese Aufschlämmung dann in der Pelletierungs- Fabrik. Wo aber sind die Röhren, durch die angeblich das Erz bis hierher transportiert wird? Vielleicht unterirdisch?
Es ist eine schöne Weiterfahrt am Ufer der Bass Strait. Und da kommt auch schon die Abfahrt zum Rocky Cape NP. Dieser 1967 gegründete Nationalpark ist mit knapp über drei Hektar der kleinste in Tasmanien. Bis zur Vertreibung lebte hier seit 8000 Jahren das „Rar.rer.he.ner“ Volk der Ureinwohner. Die vielen Steinhöhlen boten eine gute und geschützte Unterkunft. Diese Höhlen wurden später zu einer Fundgrube für Anthropologen, die sich mit Lebensweise und Kultur der Ureinwohner beschäftigten. Und es führt ein Weg hinauf zu den Höhlen. Wie am Uluru steht auch hier ein Schild vor dem ausgetretenen Pfad, dass man die heiligen Orte der Ureinwohner respektieren möge. Folglich sind wir nicht zu den Höhlen gegangen. Die Ureinwohner nannte diese steinige Gegend Tangdimmaa. Für Flinders waren die Felsen 1798 eben nur ein felsiges Vorgebirge (Rocky Cape). Jedoch zeigt sich gerade am Rocky Cape sehr eindruckvoll eine der ältesten geologischen Formationen in Tasmanien. Schreiben die Geologen. Nämlich Quarzit, der vor 800 bis 1100 Millionen Jahren entstanden ist. Und die Naturfreunde schwärmen von der Artenvielfalt an Orchideen, die hier wachsen.
Über die Rocky Cape Road, wobei man sich über den Namen „Strasse“ streiten kann, erreichen wir Burgess Cove. Der National Park zieht sich als 12 Kilometer langer Küstenstreifen von Boat Harbour Beach im Osten zu Rocky Cape im Westen. Es gibt einen Wanderweg zwischen den Punkten, der über Sisters Beach, einem bekannten und beliebten Sandstrand führt. Bei unserem Aufenthalt dort weht ein ziemlich kalter und unangenehmer Wind. Deshalb ist Dagmar am Leuchtturmpunkt nicht ausgestiegen. Und auch ich habe nur kurz in die Runde geschaut und bin ins Auto zurück geflüchtet. Trotzdem ist mir der Blick zum 17 Kilometer entfernten Nut über das sich leicht kräuselnde grünblaue Meer schon in Erinnerung geblieben. Das war die Strecke, die 1889 Mannschaft und Passagiere der hier gesunkenen Southern Cross, in Rettungsbooten bis Stanley rudern mussten.