Die Ehefrau von William Lanney hieß Truganini, die am 8. Mai 1876, neun Jahre nach ihrem dritten Ehemann, in Hobart verstarb.
Truganini kam so um 1812, das genaue Geburtsdatum ist unbekannt, in einer Hütte auf der Bruny Island- D’Entrecasteaux Channel Area auf die Welt. Ihr Vater war ein Mangana- Stammesältester des südöstlichen Stammes des Volkes der Palawah, die seit über 30.000 Jahren in der Region lebten. Das Kind erlebte den aussichtslosen Kampf ihres Volkes gegen den weißen Mann. Sah, wie viele ihrer Stammesmitglieder ermordet wurden oder durch Krankheiten starben. Und schon in dem aufwachsenden Kind stärkte sich die Überzeugung, alles zu tun, um kein passives Opfer in diesem Kampf zu werden.
Das ist die vielleicht wichtigste Initialüberzeugung in ihrem Leben, eine Grundentscheidung, die ihr half, alles auf sie noch Zukommende zu überleben.
1829, mit 17 Jahren, mußte sie zusehen, wie ihre Mutter von Walfängern getötet wurde. Einfach so! Ihre Schwester wurde erschossen. Ohne Grund! Und Truganini natürlich vergewaltigt. Und ihren zukünftigen Mann haben Holzfäller beide Hände abgehackt und ihn dann ins Wasser geworfen. Ihn ertrinken lassen, weil er ein Aborigine war. Wieso taten die Weißen so empört und entrüstet, wenn die Ureinwohner sich wehrten?
Langsam wurde nicht nur die Krone, nein auch die Weltöffentlichkeit auf die inhumane Politik in Tasmanien aufmerksam. Die „Befriedung“ des unzugänglichen Hinterlandes erfolgte nun anders. Dafür hatte man diesen George A. Robinson gefunden. Ein gescheiterter Bauunternehmer und ein ungeübter Prediger. Zu Truganini und ihrem damaligen Ehemann sagt Robinson, er sei ihr Freund und würde sie schützen. Er versprach ihnen, dass, wenn sie mit ihm kommen würden, sie Unterkünfte und Essen bereitgestellt bekämen und ihre Religion respektiert würde. Er stellte ihnen auch in Aussicht, dass sie eines Tages wieder zurückkehren könnten.
Truganini erkannte bald, dass Robinsons Versprechen für ihr Volk die einzige Möglichkeit war zu überleben. Sie, ihr Mann Wooraddy und andere stimmten zu, Robinson zu helfen. Sie verbrachte die nächsten fünf Jahre damit mit Robinson die verbleibenden Aborigines zu finden. Mehrmals verhinderten sie, dass der „Missionar“ getötet wurde, einmal rettete Truganini ihn sogar vor dem Ertrinken.
So halfen sie ihm, die Ureinwohner zu finden und zur „Übersiedlung“ auf die Flinders Insel zu überreden.
Um 1835 hatten fast alle Aborigines zugestimmt auf Flinders Island umzuziehen, wo bereits Unterkünfte bei Wybalenna errichtet waren. Hier wollte Robinson den Aborigines europäische Gewohnheiten lehren.
Die Ureinwohner glaubten, Flinders Island wäre ihr vorübergehendes Heim und dass sie freie Menschen wären, die solange geschützt würden, bis sie wieder in ihre Heimat zurückkehren könnten. Aber stattdessen wurde die Insel ein Gefängnis und viele wurden krank und starben. Eine Epidemie erlöste viele von ihren Qualen. So lebten 1836 nur noch 240 Eingeborene auf Flinders Island.
Obwohl sie zwischenzeitlich seine Geliebte war, erkannte die junge Frau bald die Verlogenheit der Versprechen des Robinson.