Mit dem neuen Nissan X-RAIL gab es zunächst bei Budget einige Probleme. Die hatten uns nicht mehr im Computer. Aber die vorgelegte Beststellungsbestätigung war eindeutig. Innerhalb von wenigen Minuten hatten wir den Wagen. Ein zweites Problem. Die wollten keine Vorabzahlung. EFTPOS Card wurde nicht akzeptiert. Habe ich in Down under sonst nirgendwo erlebt. Bei der Rückgabe sollten wir Cash oder mit der Masters Card zahlen. Naja! Das Auto war wenigsten einwandfrei. Über die Bowen Bridge gelangten wir zu unserer ersten Station. Wir besuchten die Stätte, die an die ersten Sträflinge erinnerte.
Risdon Cove.
Eine für Tasmanien und die Ureinwohner sehr historische Stätte. Am 3. März 1804 wurden hier sinnlos Männer, Frauen und Kinder der Eingeborenen getötet. Und nur, weil wohl einige Soldaten vor Angst durchdrehten. Davon erzählen auch die Tafeln am Parkplatz und am Aborigines Cultural Centre. Dieses Zentrum ist ein interessanter Bau mit einem Spitzdach, das fast bis zur Erde reicht. Lebensgeschichten der Ureinwohner sind nachzulesen. Natürlich auch über Truganini. Und, dass Gouverneur Arthur schon 1832 erklärte „Es war ein fataler Fehler und Irrtum der ersten Siedler, das Land von den Ureinwohnern zu säubern. Es wäre besser gewesen in friedliche Nachbarschaft zu leben.“ Leere Worte? Vielleicht. Denn immerhin mußte die Queen 1847, nach einer Petition der letzten Überlebenden, deren Rückkehr auf die Insel erlauben. Nach Augenzeugenberichten hatten die Aborigines vor dem Blutbad 1804 nicht einmal Speere bei sich. Nur Waddies. So nennen die Tasmanier schwere Stöcke, die auch als Keule eingesetzt werden können.
Hier landete am 13. September 1803 Bowen, hier entstanden die ersten Häuschen. Ein Trampelpfad führt von der Landungsstelle zur „Rest Town“ auf dem Hügel. Rest Town, das sollte andeuten, dass Bowen Risdon Cove nur als Ruhplatz und nicht als Siedlung betrachtete. Man sieht noch einige Grundmauern, ein Schild, das an die „Rest Town“ um 1833 erinnert, und dazu ein alter Haus mit mächtigen Kamin.
Es war ziemlich kalt an diesem Morgen, sodass wir lange Hosen und Pullover trugen. Das sollte sich aber im Lauf des Tages noch ändern

Die Weiterfahrt nach Richmond ging in Serpentinen hoch hinauf und dann wieder ziemlich steil hinunter. Schon 1803 wurde die Gegend erforscht, fand man Kohlevorkommen.
„Kornkammer von Van Diemens Land“ wurde die Stadt, eine der ältesten Siedlungen in Tasmanien, einst wegen der riesigen Kornfelder und der Mühlen genannt. Heute sind die Wiesen und Weiden um Richmond von fetten Schafen bevölkert.
Eigentlich könnte man sich an der gemütlichen kolonialen Stadt erfreuen. Wenn da nicht diese Vergangenheit wäre. Das alte Gefängnis von 1825 steht noch. Aber das eindruckvollste Zeugnis des Wirkens der Sträflinge ist die älteste befahrbare Sandsteinbrücke Australiens von 1823, deren leichte Unsymmetrie auf den Zeitdruck, unter dem die Strafgefangenen standen, geschuldet ist. Doch gerade das macht die Brücke heute eben so anheimelnd. Auch die älteste Romanische Katholische Kirche (1830) wurde in dieser Zeit errichtet.
Übrigens werden an der Brücke die Besucher aufgefordert, die Enten zu füttern. Erwähnenswert wäre für die Stadt noch, dass ein Modell, eine Miniaturausgabe von Hobart um 1820, zu besichtigen ist. Heute profitiert Richmond von seinen Weingütern in der Umgebung. Immerhin sind noch etwa 50 historische Häuser, alle im gregorianischen Stil erbaut, erhalten und bei einem Stadtbummel zu besichtigen. In en Augen der älteren Tassies hat sich besonders in Richmond viel Vergangenheit bewahrt. Denn in den „antiken“ legendenumwobenen Häusern sollen ja noch Geister leben. So die nette Mrs. Buscombe im Prospector House oder Henry the Miller im Oak Lodge House. Schlimmer noch. Auf der Brücke heult manchmal der Geist eines erschlagenen englischen Gefängnisaufsehers markerschütternd.