In Tanara befindet sich ein spezieller Tierpark für die tasmanischen Teufel. Dieses einzigartige Beuteltier ist seit einiger Zeit durch eine ominöse Tumorbildung im Kopfbereich bedroht. Man nimmt an, dass es sich um eine Viruserkrankung handelt, die durch Bißverletzungen beim Beutekampf übertragen wird, Erstaunlicherweise sind die Tasmanischen Teufel im Nordwesten der Insel alle noch gesund.
Das es in Tanara eine Schokoladenfabrik gibt habe ich meiner Frau bei der Weiterfahrt erst kurz vor Port Arthur „gebeichtet“.
Früher gab es hier sogar einmal einen Bahnhof von Australiens erster Eisenbahn. Das war ein Zug, der auf den sieben Kilometer zwischen Long Bay und Norfolk Bay verkehrte. Da es eine ziemlich hüglige Strecke war bestand der Zug nur aus einem Waggon. In der Regel mußte man nach der Hälfte der Tour die „Lokomotive“ wegen Überhitzung und Überlastung wechseln. Das war aber kein technisches, sondern nur ein organisatorsicher Problem. Die Kolonialherren nutzten. Nämlich zum Transport die menschliche Arbeitskraft. Meist drei bis vier Sträflinge hatten als „Lokomotive“ zu fungieren. Vor der kleinen Stadt, die sich um die Ruinen des Gefängnisses Port Arthur gebildet hat, fiel uns ein altes Schiffswrack auf, das in einer Schlucht vor sich hin verrottet.
Das Gefängnis ist 1830 erbaut worden. Zahlreiche Sagen und Legenden werden über das Schicksal der Sträflinge erzählt. Unzählige haben die Flucht mit dem Leben bezahlt, sind Opfer der Haie in der Port Arthur Bay oder der Hunde am Eaglehawk Neck geworden. Die Anlage diente zur Unterbringung von Strafgefangenen, die auf dem Festland nicht mehr interniert werden konnten. Zunächst hatten die Sträflinge ihr Gefängnis und die Bewachungsanlagen zu bauen. Aus Verlogenheit und als Aushängeschild für Humanität, ließ man sie sogar eine Kirche bauen. Dieser Bau dauerte drei Jahre. Beim Innenausbau wurden auch die Insassen von Point Puer Boy eingesetzt. Das waren 9 bis 17 jährige Jungens aus den Slums in Groß Britannien, die auf der Isle of the Boys „umerzogen“ wurden. Im ersten Gefängnis für Knaben im Britischen Empire.
Zwischen 1834 und 1849 waren manchmal bis zu 800 Jungen inhaftiert. Insgesamt verurteilte man in den 15 Jahren des Bestehens über 3000 Jugendlich zum Strafvollzug in Port Arthur. Ihr Vergehen waren meist nur kleine Taschendiebstähle. In den ersten Jahren gab es im Tagesablauf auch Zeit für Spiele, später wurde das wieder abgeschafft. Die Jungens sollten eine Schulausbildung erhalten, sollten in Bibelkunde unterrichtet werden und sollten in einzelnen Gewerken mitarbeiten. Die Berichte über brutale Übergriffe untereinander und gegenüber den Aufsehern zeigen den Sinn oder Unsinn dieser Einrichtung. Allerdings schafften einige wenige inhaftierte Kinder hinterher die erfolgreiche Eingliederung in die Gesellschaft. Die meisten aber wurden nach Erreichen der Altergrenze in die Erwachsenen Gefängnisse überführt.
Port Arthur war eine Stadt. Eine Strafgefangenenstadt. Und vom Lookout hat man einen ganz guten Überblick auf die Anlage, besonders wenn man mit dem Handbuch die einzelnen Bereiche heraussucht. Dazu gehörte auch die Isle of the Dead. Der Friedhof der Strafgefangenenanstalt. Für 10 Dollar Extragebühr kann man mit der Fähre übersetzten und dort herumlaufen. Der normale Eintritt zur Besichtigung der Anlage beträgt 22,50 Dollar pro Person.
Nach Port Arthur kamen nicht überwiegend Mörder oder Gewalttäter. Kleine Leute, die aus Hunger stahlen, Wilddiebe, aber auch Menschen, die ihre Schulden nicht mehr begleichen konnten. Ein Glück für Deutschland, dass es so etwas heute nicht mehr gibt. Der arbeitsmäßige Einsatz der Sträflinge war vielfältig. Straßenbau, Sägewerk, Schiffsbau, alle möglichen Handwerksbereiche und die Tätigkeit in den Kohlegruben sind einige Beispiele. Für die Siedler wurden sogar Gegenstände des täglichen Lebens und landwirtschaftliche Gerätschaften industriell hergestellt und in entsprechenden Einrichtungen verkauft. Mit großem Interesse registrieren viele australische, aber auch andere Besucher, dass es in den alten Mauern noch spukt.
Die Veranstalter bieten für 15,50 Dollar die Teilnahme an einer solchen „Ghost Tour“ an. Alle möglichen gruseligen Geschichten werden dann in der Dunkelheit der Nacht erzählt, Und als Höhepunkt zeigen sich die Geister in imaginären Lichtphänomenen.
Das große Buschfeuer von 1897 zerstörte die Anlage weitestgehend. Heute pflegt man die Ruinen und den Rasen.