Ziemlich schnell wurde die „alte“ Ureinwohnerin, die mit ihren roten Haarband und auch ein Pfeifchen schmauchend durch die Stadt ging, oder beim Muschelntauchen, aber auch auf der Jagd gesehen wurde, zu einer bekannten Persönlichkeit.
Das umso mehr, als allmählich ihr Schicksal und das der Angehörigen ihres Volkes erzählt wurde. Das rote Haartuch symbolisierte die Stammesfarbe der Palawah, denen sich Truganini immer noch zugehörig fühlte. Obwohl sie nunmehr die letzte lebende Ureinwohnerin war.!Am 8. Mai 1876, neun Jahre nach ihrem letzten Ehemann, starb Truganini in Hobart. Nicht unbeachtet und auch nicht in aller Stille, wie die britische Administration wohl gehofft hatte.
Ihr einziger Wunsch auf dem Totenbett war, nicht zerschnitten zu werden. Das entsprach nicht dem Willen der Royal Society of Tasmania. Doch der Kolonialminister lehnte deren Forderung nach der Leiche für wissenschaftliche Zwecke ab, ließ sie heimlich am 11. Mai kurz vor Mitternacht im Gelände des Frauengefängnisses in Hobart in Anwesenheit von nur 25 Personen beerdigen. Tausende Menschen, die am 12. Mai an den Straßen von Hobart standen, um sich von der letzten Tasmanierin zu verabschieden, warteten vergeblich.Doch die Achtung vor dem letzten Willen einer Aborigine ist wohl nicht das Ding der Briten. 1878 wurde Truganini exhumiert. Das Skelett war bis 1947 im Museum der Royal Society in Hobart in einer Vitrine ausgestellt. Der zunehmende Widerstand unter der schwarzen und weißen Bevölkerung veranlasste die Regierung dann doch, einer Feuerbestattung am 30. April 1976 zuzustimmen. Die Asche der letzten echten Tasmanierin wurde kurz vor ihrem hundertsten Todestag von einem Schiff der Marine nahe Bruni Island, wo sie geboren wurde, ins Meer gestreut.
Damit endet die für die Briten unrühmlich Geschichte der Ureinwohner Tasmaniens. Ungeachtet der Behauptung, dass Truganini die letzte Ureinwohnerin gewesen sei, gibt es auch andere Auffassungen, die auf aus Mischehen entstandene heutige Bewohner Tasmaniens verweisen, auf Nachkömmlinge von Ureinwohnern, die damals auf das Festland gegangen oder verschleppt wurden. Wie man das auch vom tasmanischen Tiger behauptet.
Trotzdem bleibt Truganini in der Erinnerung als eine stolze und mutige Überlebende in einer Zeit der Brutalität, der Notlage der Ureinwohner und dem Mangel an Feingefühl, Takt und Einfühlungsvermögen der britischen Administration un der Museen.Heute leben rund 4000 Nachfahren der Aborigines in Tasmanien und den Inseln der Bass Strait. Alle Ansprüche auf Landrückgabe, auf Entschädigung, auf die Rückgabe der heiligen und historischen Stätten wurden entweder nicht beantwortet oder mit dem Hinweis, dass die Antragsteller keine vollblütigen Aborigines sind, abgelehnt.