Die Antwort der Briten auf den Tod der Schafhirten war typisch und zeitgemäß: Für jeden getöteten Weißen mussten vier Ureinwohner sterben. So reduzierte sich deren Zahl innerhalb von fünf Jahren auf 1200! Da gab es zwar die Londoner Direktive von 1824, die Aborigines gut zu behandeln. Aber weder Gouverneur McArthur noch die Siedler kümmerte dies. Zumal in diesen fünf Jahren rund 20 Tausend Menschen aus Großbritannien nach Tasmanien kamen. Darunter 6000 freie Siedler, die Land brauchten. Am schlimmsten empfinde ich die Verlogenheit des veramten britischen Landadel, der zusammen mit dem Klerus Kultur und Moral nach Tasmanien bringen sollte. In Auslegung des Bibelwortes „bevölkerten sie Tasmanien und machten es sich untertan“. Darunter verstanden sie die Ausrottung der Ureinwohner im direkten Konflikt, durch Pogrome, durch Hinterhalt und sogar Falleisen.
Nach einer Hetzkampagne der Presse, die die Gräueltaten der Weißen verschwieg und einzelne Übergriffe der Aborigines hoch spielte, verhängte Vize Gouverneur Arthur 1828 das „Standrecht gegen die schwarzen Eingeborenen“. Mehr noch. Es wurden Kopfgelder ausgesetzt. Für jeden lebend gefangenen erwachsenen Eingeborenen fünf Pfund, für jedes Kind zwei Pfund.
Bis 1830 lebten im besiedelten Gebiet nur noch 1900 Aborigines. Doch die Siedler vermuteten eine unvergleichlich höhere Zahl noch lebender „Feinde. Über bewaffnete 2000 Siedler und 3000 Soldaten versuchten in einer Zangenbewegung, die „Operation Black Line“ genannt wurde, die restlichen Feinde aufzuspüren und zu töten. Im Abstand von drei Metern nebeneinander marschierend wollten die über 5000 „Krieger“ die Ureinwohner zur Forestier Halbinsel abdrängen. Dies misslang gründlich. In zwei Monaten fing man einen Knaben und einen verwundeten älteren Mann.
Die „Befriedung“ des unzugänglichen Hinterlandes erfolgte anders. Per Annonce suchte die Regierung „eine zuverlässige Person mit gutem Charakter“, die mit dem unglücklichen Volk der Ureinwohner Kontakt aufnehmen sollte. Hiefür bewarb sich der Laienprediger George A. Robinson. Er versuchte durch Expeditionen rund um die Insel, die noch überlebenden Eingeborenen zu sammeln und zu missionieren. Er überredete immerhin 150 der überlebenden Ureinwohner schließlich zur Umsiedlung auf die Flinderinsel. Und die noch in den Bergen lebenden kleinen Restgruppen ließ er fangen oder töten.
Auf der Insel Flinders Island wurde aus „Wilden“ eine „christliche Gemeinschaft“ gegründet. Die lernten jetzt an den Gott der Kolonialmacht zu glauben, zu beten, sich „anständig“ zu kleiden und in einem Ghetto Dorf zu leben. Nicht alle Eingeborenen aus den Bergen ließen sich kampflos gefangen nehmen. Diese „renitenten“ und „nicht bekehrbaren“ Schwarzen kamen in die Strafkolonie Macquarie Harbour. Dort quälten sie Aufseher und britische Strafgefangene derart, dass viele Ureinwohner Selbstmord begingen. Andere mordeten mit Absicht, um nach zwei Wochen Einzelarrest hingerichtet zu werden. Und eine Epidemie erlöste viele von ihren Qualen. So lebten 1836 nur noch 240 Eingeborene auf Flinders Island.