Styx Forest - Big Tree

Es ist Zeit zum Mittagessen. Wir fahren zurück. Die Bewohner dieser Gegend leben natürlich auch von den Touristen. Sie sind überaus freundlich und hilfsbereit. Die kleinen Läden, in denen sich meist auch die Post befindet, haben ein Angebot, dass für den Touristen völlig ausreichend ist. Und dabei keine „Outback Preise!“ Auch nicht beim Benzin. Man sollte den Hinweis, dass Maydena die letzte Tankstelle vor der Wildnis um die Seen ist, beachten. Überall wird freundlich gegrüßt. Ein kleiner Plausch, ein guter Ratschlag, sogar von den Waldarbeitern und den drei Anglern am Florentine River, gehören dazu.
Am Nachmittag beschlossen wir zu den größten Hartholzbäumen der Welt im Styx Forest zu fahren. Besonders interessierte uns da der „Big Tree“, ein 400 Jahre alter Riese, nach dem ein ganzes Naturschutzgebiet benannt wurde. Den richtigen Abzweig von der Gordon River Road zu finden, war für mich zunächst schwierig, bis ich begriff, dass ein weiterer von der Hauptstrasse nicht zu sehender erneuter Abzweig in einem großen Bogen unter der Road dann nach Süden führte. Wir gerieten zunächst in ein Straßenbauvorhaben. Aber damit muß man in Australien leben. Ohne unseren Allradantrieb wäre ich hier schon wieder umgekehrt. Die Bauarbeiter winkten uns zwischen den Baufahrzeugen, den Baggern, Kippern und Sandhaufen durch. Also Vorsicht, wenn man in Tasmanien das Schild „Working Forest“ liest. Unter bewirtschafteten Wald ist eben viel zu verstehen. So fuhren wir nun die Styx Road in die Berge. Also noch oben. Nach dem Getümmel des Straßenbaus waren wir bald allein. Welch Glück, dass hier viele der unbefestigten Wege Straßennamen hatten. So war ich mir immer sicher, auf dem rechten Weg zu sein.

Das war eine Fahrt, die alles bot, was sich ein Besucher wünscht. Faszinierende Landschaft, weite Blicke hinunter, Bäume bis zum Straßenrand und ein stetiges Auf und Ab, eine romantische Brückenüberfahrt an der South Styx Bridge und dann wieder hinauf zum Big Tree Reserve. Mein einziges Problem war die Gravel Road. Ich mußte ziemlich zügig fahren, um nicht so sehr durchgeschüttelt zu werden. Hatte deshalb nicht so die rechte Muse des Ausblickes. Im Styx River liegen umgestürzte Bäume. Man lässt sie in Ruhe. Und die Moose und Farne haben sich der Riesen bemächtigt. Aber wir stoppten zwei Mal. Und wieder imponierten die riesigen Areale, wo alle Bäume abgestorbene Wipfel aufwiesen.

Styx ForestFast auf dem Meter genau kam nach 15 Kilometer, wie beschrieben, der Big Tree Parkplatz. Ein Rundweg mit Holzplanken und Treppen. Gleich beim Betreten des Rundgangs wurden wir durch Tafeln vor den eventuell herunter fallenden abgestorbenen Wipfeln der großen Bäumen gewarnt. Aber auch einige Spielarten der Rinde der Bäume als Antwort auf die Überlebensanpassung sind zu beobachten.

So laufen wir auf sicherem Untergrund durch dichten Wald. An den Stämmen der Bäume wuchert dichtes und dunkelgrünes Moos, Schlingpflanzen klettern bis zu der Spitze und versuchen keinen Ast auszulassen. Wie im Dorrigo NP und im Giant Valley sind die heruntergefallen Bäume für den Fußweg passend ausgesägt. Und dann stehen wir vor dem Riesen. Er hat Federn gelassen in den letzten 50 Jahren. Noch 1957 war er 98 Meter hoch. Kontinuierlich „schrumpfte“ er durch das Wipfelsterben auf 86 Meter (letzte Messung 2001). Wie hoch mag er in die Luft geragt haben, als Abel Tasman erstmals die Insel betrat? Über 100 Meter? Auch Abel Tasman hat mit Bewunderung über die Giganten unter den Bäumen berichtet.

Big Tree ReserveViele der hier stehenden Riesen versuchen sich durch Senkwurzeln und seitliche Saftbahnen am Leben zu erhalten, obwohl der Stamm bis weit nach oben ausgehöhlt ist. Andere sind von der Natur gefällt, liegen seitlich des Weges. Eine sehr ursprüngliche Umgebung.
Wir sind in einem Biotop der „gefallenen Giganten“. Einige Bäume haben schon eine Neigung von 10° oder mehr. Die Last der Schmarotzerpflanzen drückt sie nach unten. Wind und Wasser tun ein Übriges. Da liegt so ein Riese, von Farnen überwuchert. Trotzdem wachsen aus seinem Stamm drei neue verschiedene Bäume.
Zum Schutz dieser Bäume wurde ein regelrechtes Netzwerk eingerichtet. Und es wird beschrieben, was man alles tut, um die über 70 Meter hohen Riesen zu erhalten, um diesen Märchenwald zu retten. Nur 4% der Area werden aller drei Jahre zum Kahlschlag freigegeben. Die Regeneration hat ihre Chance.

Nach der Rückfahrt sind wir dann noch auf der die Florentine Road, also den Weg, der von der Hauptsrasse nach Norden führt, weiter gefahren. Es war ziemlich staubig. Auf der überbreiten Strasse haben wir mehrere Kilometer nach Norden, in Richtung Mount Field Reserve, durchgehalten. In einer Information war zu lesen, dass diese Gebiet 420 Meter über NN liegt und jährlich 1000 mm Regen fällt. Das muß aber ja nicht gerade am 13. Januar sein.
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Kurz vor dem ANM (Australian Newsprint Mills) Stringy Bark Gums Reserve kommt das Lady Binney Reserve. Beide Naturschutzgebiete sind auf vielen Karten nicht eingezeichnet.  Während im ANM Forest Reserve Gummibäume und Riesenfarne einen tollen Kontrast zu den eben gesehenen Styx Riesen ergeben, ist das Lady Binney Reserve etwas zum Wandern und Genießen zwischen Farnen und Waldgebieten.
Vom Mt. Tim Shea soll man mit 360 ° Blick den schönsten Sonnenuntergang Tasmanien beobachten können. Sagen die jedenfalls. Doch dazu war es noch zu früh. Für die angepriesene Vogelbeobachtung im Whitegum Reserve war es wiederum zu spät.