Auf der Rückfahrt überraschte mich immer wieder die Unbedachtheit mancher Autofahrer in den Kurven. Immer nach dem Motto „Die Anderen werden schon aufpassen!“. Aber mein Fahren mit Licht bewährt sich im Aspekt „Gesehen werden!“
Die Gravel Road zum Hartz Mountain Natonalpark war für unseren 4WD Nissan kein Problem. Und wir dankten ihm für seine verlässliche Straßenlage. Auf ziemlich löchriger und unebener Piste geht es steil hinauf in die unwirtliche Gegend der Berge. Hier scheint die Stelle zu sein, an der frühere Forscher sagten „Nur stürmische See oder eine unendliche Eispiste sind schlimmer!“ Der National Park ist ein Weltkulturerbe. Von den Bergen fließt Wasser und füllt die Straßengräben. Manchmal fließt auch ein kleiner Wasserfall über den steinigen Weg. Am Wattarah Lookout belehrt uns eine Übersichtskarte des NP, wie weit wir noch unten im Flachland sind. Doch ist weder der Hartz Peak mit seinen 1254 Metern Höhe, noch der dahinter liegende Mt. Snowy unser Ziel.
Wir laufen über eine kleine Brücke, unter der ein Bächlein fließt, das dann als Wasserfall in die Tiefe stürzt, zur Aussichtsplattform. Ein weiter Blick in das nördliche Tal belohnt unseren Weg. Im frühen Sommer soll das Wattarah Areal voller blühender Blumen sein. Eine Oase der Farben. In unserer Umgebung dominieren allerdings die Niedergewächse. Und die sind grau, braun oder grün, haben Stacheln oder sperrige Zweige. Aber wir haben vom Lookout eine grandiose Vorstellung, welches Ausmaß das Wipfelsterben der riesigen Bäume annehmen kann. Eine Tatsache, die uns in Tasmanien noch öfters begegnen wird. Die grauen Spitzen an den oberen Bereichen der Bäume, das sind die abgestorbenen Wipfel.
Ein besonderes Ziel im Hartz Mountain NP waren die Hastings Höhlen. Wieder mal so ein Reinfall. Die Vorankündigung entsprach nicht dem Vorgefundenen. Nach weiteren acht Kilometern unbefestigtem Weg kamen wir zu den Hastings Caves. Informationen im Visitor Centre? Nur sehr dürftig. Immerhin wurde aber gesagt, dass wir nach Bezahlen der Gebühr noch fünf Kilometer zu fahren hätten. Vom dortigen Parkplatz sind es noch fünf Minuten Fußweg bis zur Höhle. Die meisten Karsthöhlen sind entstandene Hohlräume im Kalksandstein. Das ist in Tasmanien so in Gordon, im Franklin River Valley, beim Mull Creek und auch in Guns Lane. Diese Höhleaber ist eine besondere. Nämlich eine Höhle im Dolomit. Der Hastings Dolomit ist älter, härter und schwer zerstörbar. Und man bezeichnet die Höhle als eine der größten Dolomithöhlen der Welt. Das soll wahrscheinlich die immense Summe von 19,50 Dollar Eintritt begründen. Den Preis hätte ich vielleicht noch akzeptiert, wenn der Besuch der Thermalquelle, die nur 100 Meter hinter dem Visitor Centre ist, enthalten wäre. Aber dafür wollten die noch einmal 4,90 Dollar.
Die Höhlen waren sowieso nur eine Zwischenstation. Und der kostenlose Genuss der einfach traumhaften tasmanischen Landschaft entschädigte ausreichend. Also zurück und weiter nach Süden. Ein letzte Aufnahme vom der abwechslungsreichen Umgebung, dann fahren wir wieder hinunter ins Tal, zum Huon River. Unser Endziel für heute hieß Cockle Creek. Das ist der mit dem Auto südlichste zu ereichende Punkt in Australien. Von dort gibt es noch einen Wanderweg zum Süd Kap. Hier ist die Grenze, an der auch die koloniale Zivilisation kapitulierte, hier beginnt die südwestliche Wildnis Tasmaniens. Doch eine vier Stunden dauernden Küstenwanderung am Rand dieser Wildnis? Nein danach stand uns heute nicht mehr der Sinn.