Huon

Huon Valley, Air Walk und die südlichste Ortschaft

Die Reisestrecke durch Tasmanien verlängert sich sehr, weil viele Gebiete der Insel nur auf einem Weg erreichbar und auch wieder zu verlassen sind. Und der Süden der Insel ist im Gebiet des Southwest National Park mit dem Auto überhaupt nicht befahrbar.
Huon ValleyDie Wanderung dort wird nur erfahrenen Touristen empfohlen. So reizte es uns natürlich, wenigstens den erschlossenen Teil im Süden so weit wie möglich zu erkunden. Diese Tour ist eigentlich zunächst eine Fahrt in das Huon Valley. Ein Flusstal, das vom Mt. Wellington bis zur Flussmündung reicht. Schon die Abfahrt von der Höhe hinunter nach Kingston wurde zum Erlebnis. Links der Blick auf den hier über drei Kilometer breiten Derwent River, unter uns die malerisch im Tal liegende Stadt. Die Fahrt von Hobart bis Kingston werden wir wegen der Ruhe auf der Strasse, der schönen Aussichten auf Berge, Hügel, Wiesen, Wälder und das Wasser so schnell nicht vergessen. Sowohl von Kingston, als auch vom später noch erwähnten Hounville, kann man über den Chanel Hwy auf die Huon Halbinsel fahren. Es wird auch ein Abstecher zu Blackmans Bay empfohlen, wo ein Blowhole zu besichtigen ist. „The Australian Antarctis Division“ in Kingston ist für den geologisch Interessierten sicherlich ein Born der Wissensvermittlung über die Ökologie des ewigen Eises. Bei Kettering beginnt der D’Entrecasteaux Kanal. Mit der rund um die Uhr, also ständig verkehrenden Fähre könnte man über den Kanal, der schon 1792 als „schönsten Wasserweg der Welt“ beschriebenen wurde, nach Bruny Island übersetzten. Die Insel ist ein Ferienparadies. Ein „Mikrokosmos von natürlicher Schönheit“, mit bewaldeten Hügeln, weiten Stränden und klarem Wasser. Allerdings muß man, um die Schönheiten der Natur voll aufnehmen zu können, vor Kettering an dem ehemaligen Ghetto, der letzten echten Tasmanier vorbei. Das Land wurde 1995 durch den Aboriginal Land Act den heute in Tasmanien lebenden Aborigines übereignet und 1999 zum geschützt Areal erklärt. Eine der wenigen Aufnahmen erinnert an die Bewohner von Oyster Cove.
Woodbridge, dessen Käsefabrik gerühmt wird, wo heute die Ausflugsboote von Hobart  anlegen, war früher einer der wichtigen Hafenpunkte für die Walfänger und auch für die Robbenjäger. Die Weingüter bei Cradoc und Cygnet wären weitere Ziele auf der Huon Halbinsel.
 

Wir aber wollten so südlich wie möglich. Auf unsere Fahrt zum Huon Valley sieht man bald im Norden nur noch die Spitze der Radaranlage auf dem Mt. Wellington. Und immer wieder kommen überwältigende Panoramablicke. Vor uns riesige bergige Areale, ebenso rechts und links. Die enge Strasse stört nicht sehr, da immer wieder vorher angekündigte Überholstrecken riskante Überholmanöver vermeidbar machen. Bald kommen tief eingeschnittene und begrünte Täler. Von der Höhe (376 Meter über dem Meeresspiegel) fahren wir hinunter ins Huon Valley, in das Apfelanbauzentrum Tasmaniens. Viele sind noch heute der Meinung, dass hier die besten Äpfel der Welt wachsen. Das meint auch die Bedienung des „Apple Valley Tea House“ bei Grove. Ein im alten Kolonialstil erbautes Holzgebäude, das inmitten weit reichender Apfelplantagen steht. Auch das Apfelmuseum kann man dort besichtigen. Dann erreichen wir schon Huonville, das unbestrittenen Zentrum des Huon Valley und die südlichste Verwaltungsbehörde in Australien.

Der kleine saubere Ort hat neben dem Abzweig zum Chanel Hwy, neben der Brücke über den hier ziemlich breiten Huon River, noch eine Besonderheit. In Huonville arbeitet ein Bäcker, dessen Brötchen sogar in Deutschland besten Ruf hätten. So fahren wir nun die nächsten 22 Kilometer neben dem mächtigen Fluss. In Franklin, eine Doppelgemeinde, sehen wir die kleine Jetty, an der Segelboote anlegen. Das 1910 erbaute Gebäude der „Huon News“, zahlreiche Kolonialgebäude, wie zum Beispiel das Palace Theatre, sind zu bewundern. Natürlich ist das eine Gegend wo koloniale tasmanische Siedlergeschichte geschrieben wurde. Allerdings hat man bei der Renovierung oft des Guten zuviel getan. Die Häuser wurden regelrecht „aufgeputscht“. Der Gedanke an Kitsch kommt unvermeidlich. Viele der Gebäude werden heute noch genutzt. So auch der Fischereibetrieb. Nur wenige Kilometer sind es bis Port Huon mit dem kleinen Hafen. Kurz hinter dem Ortsausgangsschild stehen recht und links der Strasse zwei mächtige Holzstämme, die von einem grünen Stahlgerüst gehalten werden. Soll das eine Erinnerung an die mächtigen Huon Pines sein, die die Briten im Raubbauverfahren von den Sträflingen fällen ließen?