Zweiter Weltkrieg

So paradox es klingt. Der Beginn des 2. Weltkrieges mit der Zunahme der Rüstungsindustrie besserte kurzzeitig die wirtschaftliche Lage. Dann aber brachten die hohen Kriegssteuern, die Rationierung der Waren, die Bedrohung des Landes durch die Japaner wieder wirtschaftliche Schwierigkeiten. Niemals haben die Australier den Briten verziehen, dass sie im Mittelmeer kämpfen mussten anstatt ihre Heimat gegen die drohende japanische Invasion zu verteidigen. Das taten die Amerikaner. Die Niederlage der Japaner in der Schlacht am Korallenmeer beendete deren Invasionspläne. Und die Australier lernten, wie vorteilhaft die außenpolitische und wirtschaftliche Orientierung zu Amerika für ihr Land wurde.

Wie wichtig der Kontakt und die Handelsbeziehungen mit den Nachbarstaaten sind, und dass eine multikulturelle Orientierung in der Einwanderungspolitik dem Lande nur zum Vorteil gereichen kann. Der damalige Premierminister Ben Chifley Minister gab mit der populistischen Parole „Populate or Perish“ (Bevölkern oder Sterben) den Weg frei zu einer starken Zunahme der Immigranten. 200 Tausend waren es zwischen 1948 und 1952. Bis 1970 sollten 2,5 Millionen Menschen, darunter mehrere 100 Tausend Asiaten seit dem 2. Weltkrieg in Australien eine neue Heimat finden.
Und, da die Australier zweifelsohne am Sieg der Alliierten in Europa, Asien und im Pazifik beitrugen, entstand auch ein neues stolzes Nationalbewusstsein. Zumal viele Frauen, die während der beiden Kriege in Fabriken und auf Farmen überhaupt erst die Fortführung der Produktion ermöglichten, jetzt weiter arbeiten konnten und so zum beginnenden Wohlstand in den Familien auch finanziell beitrugen.

Trotzdem bekamen die Australier auch die Probleme der Rationalisierung der Arbeit zu spüren. Trotz Steigerung in der Weizenproduktion, trotz neuer Rekorde im Wollexport wurden immer weniger Arbeitskräfte auf den Farmen benötig. Dafür nahm der Anteil der verarbeitenden Industrie zu. Und Großprojekte zur Erschließung der Bodenschätze (wie Kohle, Erdöl, Erdgas, Eisenerz, Gold, Kupfer, Nickel und Salz) sollten nicht nur den eigenen Bedarf decken, sondern auch zu Exportschlagern werden. Große staatlich geplante und finanzierte Objekte dienten der Verbesserung der Infrastruktur. Das Snowy Mountains Scheme (S.757 „Und immer weiter zur Sonne“), wo von 1950 bis 1974 über 100.000 Menschen aus über 30 Ländern eine ingenieurtechnische Großtat in die Realität umsetzten, steht als Beispiel für eine Vielzahl solcher Projekte, die natürlich auch gute Arbeitsplätze boten und die Infrastruktur der Baugebiete nachhaltig beeinflussten.
Es war Frieden an der Arbeitsfront eingetreten. Politische und wirtschaftliche Stabilität, die Herausbildung der wohlhabenden Schicht vorstädtischer Grundbesitzer, der Anstieg der privaten Hausbesitzer von 40% 1947 auf 70% 1960 kennzeichnen die „Boring fifties“, die langweiligen Fünfziger.

Ein Meilenstein für einen explosionsartigen Aufschwung der Touristikindustrie waren die Olympischen Spiele 1956 in Melbourne. Man spricht vom Beginn des Zeitalters des Tourismus in Down under. Und nicht nur Touristen, nein auch viele eine neue Heimat Suchende kamen ins Land. Mit der Folge, dass in Australien immer strengere Immigrationsbestimmungen entstanden. Wer gebraucht wurde oder Geld ins Land brachte war aber weiterhin jederzeit willkommen.

Das Land lebte auf. Aber schon 1985 entwickelte sich eine neue Rezession. Der Import wurde wieder größer als der Export. Der australische Staat senkte die Einwandererquote um 30% auf 80 Tausend Immigranten pro Jahr. Und es setzte eine erfolgreiche intensive strafrechtliche Verfolgung der illegalen Einwanderer ein. 1992 hatte Australien mit über 11% die höchste Arbeitslosenquote seit 1930.