Swansea

Inzwischen hatte sich der Regen entschlossen in einen Wolkenbruch überzugehen. An Aussteigen war folglich nicht zu denken. Nur schnell weiter. Ob der Wolkenbruch eine Warnung des Himmels war. Sollten wir doch nicht nach Coles Bay fahren? Wir haben die „himmlischen Zeichen“ nicht verstanden und sind bei Llandaff auf der C302 in Richtung Coles Bay, dem Eintrittstor zur Freycinet Halbinsel gefahren. Eigentlich hätten uns die vielen Fahrzeuge, die uns entgegen kamen, Anlass zur Skepsis geben müssen. Der Ort Coles Bay enttäuschte. Hätte es sicher auch bei Sonnenschein getan. Die begrenzten Übernachtungsmöglichkeiten waren ausgebucht, die privaten Zimmer hatten Preise von Sydney Hotels. Und ein kurzer Abstecher bis in die Nähe der Bootsrampe unterhalb der Granitfelsen von The Hazards überzeugte uns, dass diese Nässe keinen Unterkunftskompromiss wert war. Aber wir können wenigstens behaupten, in der „ersten Plastetüten freien Stadt Australiens“ gewesen zu sein.

Also zunächst zurück. Die nächste Stadt hieß Swansea. Eine eventuelle Verbindung über eine Parallelstrasse entlang des Nine Mile Beach an der Great Oyster Bay war überflutet. So dachten wir. Doch hatte ich auf der Karte übersehen, dass die Strasse von Swansea am Point Bagot endet. Zwischen ihm und den Point Hepburn an der Coles Bay ist eine Wasserstrasse. So sind wir wieder auf den Hwy gefahren, bestaunten die vielen Weingüter rechts und links des Weges nach Swansea und fanden am Jubilee Beach eine sehr schöne Unterkunft. Einen Bungalow mit Aussicht hinüber zur Freycinet Halbinsel.
Auch dem Himmel schien unsere Entscheidung zu gefallen. Der Regen stoppte, die ersten zaghaften Sonnenstrahlen zeigten sich.

Swansea ist das Zentrum der ältesten und größten landwirtschaftlichen Kommune (Glamorgan) in Australien. 1642 war Abel Tasman hier. Die Schouten Insel benannte er zu Ehren und zur Erinnerung an den Holländer, der 1610 als erster Schiffsführer Kap Horn umsegelte. Und auch der Name Maria Island geht auf ihn zurück.
1802 bis 1803 forschte an der Ostküste der Franzose Baudin, nach dessen ersten und zweiten Offizier, zwei Brüder, die Halbinsel Freycinet benannt wurde. Seinem Team gehörte unter anderen auch der Zoologe Peron an.
1821 segelten Leutnant Meredith und die Brüder Adams von Hobart an diese Küste. So entstanden am späteren Meredith River und am heutigen Waterloo Point die ersten Siedlungen, aus denen die älteste historische Küstenstadt Tasmaniens wurde. Probleme mit den Ureinwohnern gab es erst ab 1827. Zu dieser Zeit kam nämlich das Militär in die Gegend. Man brauchte Unterkünfte und Land für 400 Sträflinge, die in einer Sträflingskolonie nahe der der Gegend von Rocky Hills arbeiten sollten. Bauten wie die Triple Arch Bridge am Mayfield Beach oder die Spiky Bridge (1841) südlich von Swansea zeugen noch von der Arbeit der Sträflinge. Ihr unsägliches Leid in den Kohlen- und Zinnminen kann nur vermutet werden. Doch durch die Strafkolonie hatten die Siedler garantierte Abnehmer für ihre Produkte. Diese Sicherheit war wohl der Grund, dass sich dieser landwirtschaftliche Bezirk Glamorgan entwickeln konnte. Schon 1842 schlug der nunmehrige Siedler George Meredith die Namensänderung in Swansea vor. Auch so wollte man den walisischen Kern der Siedler hier darstellen und bewahren. Die Stadt strotzt voller historischer Gebäude.

Swansea, Morris General StoreUnd ein Bummel durch das eigentlich kleine Zentrum zieht sich hin, da eine Sehenswürdigkeit nach der anderen kommt. Stellvertretend die All Saints Church in der Noyes Street, die 1871 erbaut wurde, und der für 1834 so untypische Bau vom Morris, einen General Store mit drei Etagen zu errichten. Zu den Sehenswürdigkeiten gehört natürlich auch das Gebäude der ersten kommunalen Selbstverwaltung von Glamorgan, das 1860 erbaute Glamorgan Council Chambers.
Inzwischen schien auch endlich wieder die Sonne auf Swansea. Als hätte es nie Regenwetter gegeben. Wir genossen den Stadtbummel, besuchten die 1880 erbaute Bark (Borken) Mühle, die die Black Wattle Borken herstellte. Jede Gerberei brauchte dieses Produkt.

Waterloo PointUnd bei unserem Besuch des Waterloo Point begann schon wieder das viele Besucher so faszinierende Farbenspiel des Wassers mit dem Himmel. Die See wechselt von vielen Stellen der Oyster Bay beim Blick hinüber zur Freycinet Halbinsel ihre Farbe. Doch schon das Farbenspiel der Steine an der Küste von grün über braun zu rot. Dazu die roten Algen und Moose. Einfach toll. Die drei Bilder sollen die Umgebung am Waterloo Point dem Leser nahe bringen. Der Weg zum Punkt, am eigentlichen Punkt und die Gegend dahinter. Würden sie bei diesen Bildern glauben, dass es vor 40 Minuten noch wolkenbruchartig geregnet hatte?
Seit 1997 ist der Wanderweg am Waterloo Point nutzbar. Und er soll an den Aborigines Stamm des Volkes der Loon.tite.ter.mair.re.hoin.er erinnern, die hier früher lebten. Doch so wie vom ehemaligen Fort der Weißen, das 1827 am Waterloo Point stand, gibt es auch keine erhaltenen Lebenszeichen von den Ureinwohnern. Nur die großen Blue Gum könnten darüber etwas erzählen. Am Anfang haben die Ureinwohner noch versucht, um ihren Lebensraum zu kämpfen. Haben es aber bald aufgegeben und sind weggezogen. Trotzdem fliegen hier noch Geschosse durch die Luft! Der Besucher wird um Rücksichtsnahme auf die Golfer gebeten. „Vorsicht vor eventuell fliegenden Golfbällen“ lautet die Warnung, da der Goldplatz auf dem Plateau des Points angelegt wurde. Inzwischen haben sich auch die Vögel an die Golfspieler gewöhnt. Sogar die Mutton Birds kommen jährlich zum Nisten weiter hierher.

Allerdings ist der Rundweg schlecht ausgeschildert und schwer zu finden. Hier ein Tipp. Ab Golfloch Nr. 8 beginnt der Weg! Am südlichen Ende des Tracks erinnert ein großer Anker daran, dass über 100 Schiffe hier gesunken sind. Darunter auch die „Resolution“. Ein Kutter, der 1850 im Sturm an der Landspitze, nahe dem Point kenterte. Alle sechs Kinder der großen Familie, die auf dem Schiff Passage hatten, ertranken und wurden auf dem Friedhof der Stadt begraben. So könnten die Grabsteine der drei Friedhöfe von Swansea auch über manches interessante historische Schicksal der ersten weißen Siedler Auskunft geben.