Spiky Bridge

Drei Tage Aufenthalt, um auch alles richtig zu sehen und zu genießen wird dem Touristen empfohlen. Und in den Zelten des Campingplatzes unter dem Hazards soll man angeblich auch nicht frieren. So wird Freycinet von seinen Fans auch als „Himmel auf Erden“ bezeichnet. Auf der Insel sind sogar noch Funde vom Leben der Ureinwohner, dem Stamm der Toorernomair, zu besichtigen und archäologisch auszuwerten.

Abfallhaufen am Richardsons Beach und dort, wo jetzt der Campingplatz steht, waren ebenso ergiebige Fundstätten für die Archäologen wie die Wohnbereiche unter den Steinüberhängen, in den Höhlen. Und noch etwas, was vielen wohl nicht bekannt sein dürfte. Die Oyster Bay ist ein Schutzgebiet für Haie. So steht es in der örtlichen Information, so bestätigte dies auch unser Wirt. „Aber die tun niemanden etwas“ war sein für uns wohl beruhigend gemeinter Kommentar. Bei dem Wetter und dem kalten Wasser hatten die wohl auch kaum Gelegenheit dazu.

Wir wollten weiter nach Hobart. Nicht wegen der Haie, sonder wegen der kalten Nächte. Selten hat mir der Morgenkaffee so gemundet wie in Swansea nach einer durchgefrorenen Nacht.
Wenn es stimmt, dass man sich zwei Mal im Leben trifft, werden wir wohl auch noch die Freycinet Peninsula erkunden. Irgendwann. Diese ganze Gegend um Swansea ist wunderschön, bietet herrliche koloniale Sehenswürdigkeit und ist auch einmalig teuer.

Nach Süden entlang der Küste bewunderten wir die vielen felsigen bizarren Spitzen im Ozean. Doch das Land scheint wohl eine fruchtbare Gegend zu sein. Wenigstens lassen die saftigen Wiesen dies vermuten. Die Küstenstrasse wird hier vom Meer und vom zunehmenden bizarren Niederwuchs begrenzt. Bis etwa 20 Kilometer südlich reichte der militärische Schutz vom Außenposten Waterloo Point für die Siedler in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhundert.

Bald erreichen wir eine auffallend gestaltete Brücke. Spiky Bridge, stachlige Brücke, heißt der Übergang, ohne den man von Convict Wild Coach RoadSwansea nicht nach Little Swanport und weiter nach Hobart gelangen könnte. Die Brücke ist ein Überbleibsel der alten „Convict Wild Coach Road. Erbaut von Sträflingen 1840/41 hieß sie zunächst „Lafarell’s Bridge“. Thomas Lafarell, ein Landvermesser und Zivilingenieur, leitete den Brückenbau. Mit der Vollendung des Straßenbaus und der Brücke wurde die Erreichbarkeit zum Strafgefangenlager Rocky Hills gewährleistet.

Für die merkwürdigen Spitzen an beiden Rändern der Brücke gibt es drei mögliche Erklärungen.
1840 schwärmten fast alle Bewohner Tasmanien von der 1823 erbauten Brücke in Richmond, von den Brücken in Ross (1836) und Campbell Town (1838). Da wollte Lafarell einfach mal was Neues, was Originelles bauen. Eine andere Erklärung ist, dass man mit den spitzen Steinen am Rand die Brücke der felsigen Umgebung anpassen wollte. Und schließlich ist da noch die Deutung, dass die spitze „Garnierung“ einfach nur eine fixe Idee Lafarell’s war.

Auf der Fahrt nach Süden sahen wir viele Campingplätze mit frierenden Bewohnern vor den Zelten. Und wir sind nirgendwo in Tassy so vielen touristischen Radfahrern begegnet, wie auf der Fahrt nach Orford. Vorher passierten wir noch Little Swanport, wo uns ein schöner Picknickplatz am River Walk im Gedächtnis blieb. In den beiden nächsten Orten Triabunna und Orford sind insgesamt 17 historische Gebäude zu besichtigen. In Orford mussten wir, als die Straße den Prosser River überquerte, unwillkürlich an Cataract Gorge in Launceston denken. Dann führte uns der Tasman Hwy ins Inland. Und bei Sorell trafen wir auf uns bekannte Umgebung. Und erneut genossen wir die Fahrt über die einzigartige Tasman Bridge. Nunmehr hatten wir den Vorteil der Ortskenntnis und fanden mit dem St. Ives Hotel, in unmittelbarer Nähe des Battery Point, eine sehr angenehme Bleibe. Wenn man mal davon absieht, dass das frisch verheiratetet Ehepaar im Zimmer neben uns in der Hochzeitsnacht wohl unüberbrückbare Differenzen entdeckte, die zu einer überlautstarken Auseinandersetzung führte. Bald war die gesamte Hochzeitsgesellschaft auf dem Korridor. Schließlich schien es dem Bräutigam wohl zu bunt zu werden. Er verließ den „Brüllclub“ und wollte in sein Auto vor dem Hotel einsteigen. Die „fürsorgliche“ junge Ehefrau warf ihm, wohl aus ehelichem Mitgefühl und damit er keinen Mangel erleiden möge, einen Koffer von Balkon auf die Straße. Augen zu und durch! War unsere Devise. Auf keinem Fall rausgehen und sich einmischen. Und nach zwei Stunden herrschte auch wieder Ruhe. Ich glaube der Frischvermählte hat über Nacht im Auto geschlafen.

Wir haben die letzten Tage in Hobart sehr genossen. Und auch die Mitteilung, dass unser Rückflug nach Sydney von Qantas und nicht dem Vertragspartner Jetstar durchgeführt wurde. Diese Fluggesellschaft hatte uns von Adelaide nach Cairns und von Sydney nach Hobart genug enttäuscht.
Pünktlich habe ich zum vereinbarten Termin unser Auto, gereinigt und unversehrt bei Budget wieder abgegeben. Autowäsche in Hobart ist ein etwas schwieriges Unterfangen. Alle mir genannten Autowaschanlagen waren aufgelöst oder hatten wegen Reparatur geschlossen. Nach fast 25 Kilometer Suche habe ich dann eine Autowäscherei gefunden. Da Budget keine Karten akzeptierte bezahlte ich die Summe in bar. Und das Ergebnis der Autowäsche muß ziemlich gut gewesen sein. Groß war mein Erstaunen, als der Wagen, nachdem wir vom Stadtbummel ins Hotel kamen, also 90 Minuten nach der Abgabe, schon wieder auf dem Parkplatz des Hotels stand. Da bekommt man einen Eindruck, wie so eine Firma das Auto vor der neuen Vermietung kontrolliert und auf technische Mängel prüft.

Tasmanien war ein unvergessliches Erlebnis. Und wir bestätigen gern die Meinung vieler Australienbesucher, dass der Besuch der Insel unbedingt irgendwann mit ins Programm gehört.
Außerdem hat uns Tasmanien mit einer Gesellschaftsschicht konfrontiert, die etwas unbeachtet von Militär, Strafgefangenen, ersten Siedlern hier die Chance zur gesellschaftlichen, sprich finanziellen Rehabilitation hatte und nutzte. Es handelt sich um spezielle verarmte britische Adlige.