Die Ostküstentour nach Hobart
Mein Gott, was hatten wir uns nicht alles vorgenommen auf der Fahrt von St. Helens nach Swansea. Nicht mal 150 Kilometer. Da würde genügend Zeit für Abstecher und Besichtigungen sein. Und dann am Morgen unsere Abreise hatte der leider schon am Vortag angekündigte Regen auch St. Helens erreicht. Es goss wie aus Kübeln.
Also starteten wir die Tour nach Süden. Kleine Ortschaften wie Dianas Bassin und Dianas Beach mit wenigen Häusern sind sicher bei Sonnenschein Ziel der Besucher. Extra abgeschrieben hatte ich mir im Visitor Centre von St. Helens die Küstenbeschreibung. „Die Küste strahlt blaugrün an den Stränden mit den ausgewaschenen Steinen. Graugrün leuchten die She Oak Trees, die den Boden kühl beschatten, Man kann Wale, Delphine und Vögel beobachten.“
Nur nicht am Montag, den 30. Januar! So fiel natürlich unser Besuch im Scamander Waldschutzgebiet flach. Über 180 verschieden Pflanzen, über 200 Wald- und Wiesenvögel wären dort zu beobachten. Und den gelobten Skyline Lookout haben wir auch nicht besucht. Der Tasman Hwy (A3) führt durch Scamander. Sonnenküste Tasmaniens nennen die Tassies diesen Küstenabschnitt, der schon in Beaumaris beginnt. Und die sehr attraktiven Villen am Wegesrand zeugen davon, dass hier nicht gerade die ärmsten Bewohner der Insel leben.
Bei der Fahrt über die Scamander Bridge, die den Scamander River überquert, hatten wir einen herrlichen Blick aufs Meer. Mit heute besonders hohen Wellen und der Gischt auf dem Wasser. Am Ortsende machten Hans und Traudel XXXX mit einem Schild darauf aufmerksam, dass sie hier wohnen. Für Montag früh 09.00 Uhr begegneten uns erstaunlich wenig Autos. Trotz des Wetters sind wir dann über den St. Marys Pass nach St. Marys gefahren. Das war wieder eine landschaftlich unvergessliche Gegend. Rechts ein tiefes bewaldetes Tal, links die hohen Berge zwischen der Küste und dem St. Marys Pass State Reserve. So fuhren wir in Serpentinen ziemlich steil hinauf zur Passhöhe in 305 Metern. Der Mt. Nicholas, einige Kilometer westlich der Passhöhe, ist allerdings mit 858 Metern noch ein „Stückchen“ höher. Der Pass wurde zwischen 1842 und 1846 von Strafgefangenen gebaut. Und die hatten sicher keine Zeit und Muse, die gewundene Strecke von der Küste zur Höhe zu genießen. Hier auf der Passhöhe ist ein schöner Parkplatz. Aber wer geht bei Regenwetter gern spazieren? Also haben wir auf den Besuch des Grey Mare’s Tail Wasserfall verzichtet. Warum das allerdings „Grauer Stutenschwanz Wasserfall“ heißt? Wohl um an den Wasserfall nahe Milford (Irland) zu erinnern?. Wir sind trotzdem noch auf die kleine Plattform geklettert, haben den Blick hinunter mitgenommen. Dann fuhren wir steil abwärts wieder auf Meereshöhe nach St. Marys. Auf dem Weg zur Stadt passierten wir ein ziemlich flaches vom Umfeld abgegrenztes Gebiet. Grassy Bottom. 300 Gefangene hatten die Briten zur Bewährung in Grassy Bottom stationiert bzw. eingesperrt. Zu einer Bewährung durch eine aktive Beteiligung am Bau einer Verbindungstrasse vom Pass über St. Marys zur Küste. Die 150 Sträflinge, die den nördlichen Anstieg zur Passhöhe bauten oder aus dem Felsen meißelten, waren in Falmouth untergebracht.
St. Marys ist ein schönes kleines Örtchen. Vielleicht etwas zu lang gestreckt und irgendwie zerstückelt. Das klärte sich, als wir erfuhren, dass es hier im Verwaltungsgebiet eine deutsche (Germantown) und zwei irische (St. Marys und Dublintown) Gemeinden gibt. So genannt nach den Einwanderern, die im 19. Jahrhundert hier siedelten. Und viele der Nachkommen leben noch heute hier. Der Ort lebt natürlich hauptsächlich von der Landwirtschaft im Umfeld. So sind Milchviehwirtschaft, Wolle, Fleisch und Käse die wirtschaftlichen Standbeine. Gern wären wir auch zum ältesten mit einem irischen Namen benannten Platz in Australien spaziert. St. Patricks Head ist eine charakteristische Anhöhe von 683 Meter zwischen der Stadt und der Küste. Da Captain Furneaux am 17. März 1773 (St. Patricks Tag) hier vorbei segelte, nannte er die prominente Erhöhung St. Patrick Head.
Gelesen haben wir, wie die Bewohner der Stadt jährlich im Winter das Sonnenwendfest im Freien, bei Suppe und anderen herzhaften Gerichten, mit Musik und Unterhaltung begehen. Treffend steht in der Ankündigung, dass der herzliche Empfang und die Wärme untereinander die frostige Luft vergessen lassen. So sind sie halt, die Iren und ihre Nachkommen. Eigentlich wollten wir weiter über den Elefantenpass zurück auf den Tasman Hwy. Ich wunderte mich nur, als plötzlich ein Hinweisschild zum Mount Nicholas kam. Wir hatten uns verfahren. Waren der Main Street, also dem Esk Hwy (A4), gefolgt und hatten den Abzweig Story Street zum Elefanten Pass übersehen. Wir mussten wieder zurück. Der Regen war inzwischen schwächer geworden und man konnte die Straßenbeschilderung besser erkennen. Gar nicht so weit außerhalb von St. Marys, bei der Ortschaft Gray, warnte eine Hinweistafel vor vielen steilen und kurvigen Abschnitten.
Man empfahl 25 Kmh als Richtgeschwindigkeit. Und große Fahrzeuge sollten vor jeder Kurve warnende Hupsignale abgeben. Der Elefantenpass erhielt seinen Namen wegen der Topographie. Ähnlich einem Elefanten windet der Pass sich um die massige Landeerhebung. Und soll in der Silhouette wie ein Elefant aussehen. Wer weiß, von wo man das so sieht. Sicher ist aber, dass es ein Deutscher, nämlich William Meinas, war, der die gewundene Tour zum Pass als Erster plante und durchführte. So verdiente er sich die Belohnung von 10 Pfund Sterling für den Weg von St. Marys zur Küste.