Seit 1972 die Labour Party die politische Macht in Australien übernahm wurden Voraussetzungen für langfristige gesetzliche Veränderungen in der Sozial- und Wirtschaftpolitik, für den Gesundheitsbereich und das Bildungswesen geschaffen. Die Reform der Arbeitgeber Arbeitnehmer Beziehung war ein weiterer zu lösender Schwerpunkt.
Leider führte eine Verfassungskrise 1975 dazu, dass Premierminister Gough Whitlam von Generalgouverneur John Kerr entlassen wurde.
Dann ging es 16 Jahre bergauf und bergab, bis 1991 die Labour Party mit Paul Keating wieder einen profilierten Politiker als PM stellte. Der auch 1993 wieder gewählt wurde. Vielleicht auch, weil es ihm gelang, dass Australien Mitglied der APEC (Asian Pacific Economic Corporation) wurde. Er hatte schon in der vorherigen Regierung als Finanzminister die Deregulierung des Finanzwesens und das Floaten der Währung eingeschränkt. Steuerhinterzieher wurden erbarmungslos strafrechtlich verfolgt. Die Privatisierung von Staatsbetrieben (wie Qantas), das Drängen der Privatwirtschaft zu einem Exportorientierten Kurs waren die Mittel, mit denen er erfolgreich die Angst vieler Australier, eine asiatische Enklave zu werden, bekämpfte. In seine Regierungszeit fiel die schlimmste Dürreperiode der letzten 200 Jahre, kam es zu verheerenden Buschfeuern, die tausende Australier obdachlos machen. Und es war nicht zuletzt die Ungeduld der eigentlich unpolitischen Aussies, die endlich wieder eine Besserung ihrer wirtschaftlichen Situation erwarteten Sie sahen nicht, dass dafür gute Gesetze geschaffen wurden, aber sie registrierten die hohe Staatsverschuldung und das geringe Wachstum des Bruttoinlandproduktes.
So gewannen die Liberalen 1996 nicht nur die Wahl, sondern stellten in John Howard am 13. März 1996 auch den neuen Premier Minister.
Howard war klug genug, um keine der eingeleiteten Reformen zu verändern.
Er versprach den Australiern die Senkung des Haushaltsdefizits (damals 10 Milliarden Dollar), die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die Verschärfung der Einwanderbestimmungen zum Schutze der Rechte der Australier. All diese Versprechungen hat Howard eingelöst. So waren seine Wiederwahlen 1998, 2001 und 2004 keine Sensation. Bei der letzten Wahl 2004 schafften die Liberale und Nationale Koalition sogar die Mehrheit im Senat. Trotzdem ist der Premier in Australia nicht populär. Und noch heute streiten sich die Wirtschaftsexperten und Volkswirte, ob Howard ein überaus weitsichtiger befähigter Politiker oder ein vom Glück begünstigter Premier Minister ist. Letzteres meint zum Beispiel der amerikanische Volkswirt Nobelpreisträger Joseph Stieglitz.
Sicher war es klug, all die von Keating eingeleiteten Maßnahmen zu lassen. Sicher war es Glück, dass die bevorstehende Olympiade 2000 in Sydney ab 1997 das Wirtschaftswachstum auf 6% hochschnellen ließ, und dass der größte Bauboom in der australischen Geschichte einsetzte. Howard schränkte die Macht der Gewerkschaften ein. Hohe Strafen bei die öffentliche Ordnung destabilisierende Streiks und eine zunehmende Zufriedenheit in der Bevölkerung verhinderten eine Konfrontation. Und die Australier sind eben so lange zufrieden wie sie ihr Haus und ihr Boot haben, einen tollen Wagen in der Garage und Arbeit, die soviel einbringt, dass man die Schulden tilgen kann. Ein Premier Minister, der das realisiert, hat Narrenfreiheit. 1998 hatte Howard den Haushalt saniert. 1,2 Milliarden Dollar Plus trotz der asiatischen Finanzkrise. Mit diesen Erfolgen gelang es Howard die Presse, die früher zerfleischend die Regierungsmaßnahmen kommentierte, gleich zu schalten. Eine von allen Regierungschefs der Welt beneidete Tat. Kein Pressemogul in Down under würde es wagen, gegen Howards Politik zu polemisieren, ohne dass die Kampagne vorher abgesprochen war.
Und das Glück scheint ihm weiter treu zu sein. Als nämlich nach der Olympiade der Binnenmarkt bröckelte kam der Rohstoff- und Konsumbedarf aus China, das nach dem Besuch von Präsident Hu Jintao im Oktober 2003 zum drittgrößten Handelspartner Australien wurde. So blieben der wachsende Wohlstand und der wirtschaftliche Aufschwung. Lieferverträge mit Laufzeiten von 15 Jahren, z.B. für Erdgas, zeugen von der Weitsicht australischer Wirtschaftpolitik. Dazu kommt aber noch ein Weiteres. Natürlich geht die Globalisierung auch an Australien nicht vorbei. Doch gibt es hier, bedingt durch die Persönlichkeit Howards eine etwas andere Haltung der Industriebosse als in Europa. Natürlich nutzen die auch die Billigmärkte in Asien zur Herstellung bestimmter Produkte. Aber der Stammsitz der Firmen bleibt Australien, wo auch die Steuern bezahlt werden.
Ein Wirtschaftswachstum von 3,75 %, die Staatsverschuldung ist Null, die Arbeitslosenquote beträgt 5,1 % (und da sind die Aborigines eingeschlossen) – das sind die Trümpfe, die Howard ausspielen kann. Und noch ein weiteres. Der vor 10 Jahren aufgelegte Personenfond, der private Gelder für die Altersvorsorge der Arbeitnehmer, beträgt mittlerweile 460 Milliarden Dollar. Das ist ein Kuchen, von dem viele internationale Finanzunternehmen ein Stück abhaben wollen.