Am 1. Januar 1901 erklärt Gouverneur Lord Hopetoun bei einer feierlichen Zeremonie im Sydney Centennial Park Australien zum “Federal Commonwealth of Australia”. Die Gründung des “Australischen Bundes” aus den britischen Kolonien New South Wales, Victoria, Queensland, Western Australia, South Australia und Tasmanien ist perfekt. Die an den Vorbildern USA und Großbritannien orientierte Verfassung ist für die damalige Zeit außergewöhnlich liberal, enthält u.a. das seit 1892 schon in SA festgeschriebene Wahlrecht für Frauen. Die Aborigines blieben rechtlos. In den 128 Paragraphen werden die Ureinwohner nur zwei Mal erwähnt.
Offizielles Staatsoberhaupt der parlamentarischen Monarchie (Zwei-Kammer-Parlament) ist natürlich weiterhin die britische Königin Victoria. Die britische Krone wird durch einen von ihr ernannten Generalgouverneur vertreten. Melbourne wird die vorübergehende Hauptstadt, bis zur Funktionsübernahme durch Canberra . 3,7 Mio. Einwohner wählen das erste Parlament. Erster Premierminister wird Edmund Barton.
Die sechs Bundesstaaten mit eigenen Regierungen und Gouverneuren bekommen innenpolitische Unabhängigkeit.
Aber so richtige Bedeutung hatten nur Schaf- und Rinderzucht, Mais –und Weizenanbau, Weinherstellung und natürlich die Zuckerrohrplantagen in Queensland. Ein zunehmender Industriezweig wurde der Fischfang und verarbeitende Industrie. Allerdings behaftet mit einer hohen Liquidationsrate. International ließen bestimmte populäre Maßnahmen der Regierung, wie 1908 die Einführung der gesetzlichen Altersversorgung, die Mindestlohnregelung und der Acht Stunden Arbeitstag als Ergebnis der Auseinandersetzungen mit den 68 Tausend Mitgliedern der 198 Gewerkschaften, schon aufhorchen.
Für so ein großes Land mit der geringen Einwohnerzahl von 4 Millionen waren zwischen 1900 und 1914 große Fortschritte in der Entwicklung der landwirtschaftlichen und der Produktionskapazitäten Australiens zu verzeichnen. Dazu gehören auch die Schaffung von Regierungsinstitutionen und sozialen Einrichtungen.
Dann kam der 1. Weltkrieg! Fast 400.000 der knapp drei Millionen männlichen Einwohner meldeten sich freiwillig zum Kriegseinsatz. 60.000 kamen nicht zurück. Zehntausende wurden verwundet, viele von ihnen schwer. Aus den Kriegsjahren sind einige bedeutende Traditionen der Australier hervorgegangen. Keine gilt im australischen Ethos als so herausragend und wird so hoch geschätzt wie die Tradition des “Anzac” (Australisches und neuseeländischen Armeecorps), die 1915 in Gallipoli in der Türkei entstand, als die Anzac Truppen, bedingt durch eine unfähige britische Generalität, von den Türken aufgerieben wurden. Daran erinnert jeden 25. April der Anzac Day, heute ein nationaler Gedenktag für die australischen Opfer aller Kriege, in denen Australier gekämpft haben. Und viele Australier meinen, das nicht der 2. Januar 1901 der Gründungstag der Nation sei, sondern der 25. April 1915!
Zwischen 1815 und 1930 haben 52 Millionen Europäer ihre Heimat verlassen. Aber nur 3,5 Millionen Menschen versuchten einen Neustart in Australien. Das war nach dem 1. Weltkrieg durch die desolate Lage der Wirtschaft auch erschwert. Unsicherheit der Arbeitsplätze, die Existenzangst führte zum Beispiel 1917 in Sydney zu einem Generalstreik, an dem sich 97 Tausend Eisenbahn- und Tram Angestellter beteiligten. Die Weltwirtschaftkrise, in Australien vornehm als große Depression bezeichnet, deutete sich schon an. Noch mal eine kurze Atempause, nachdem der damalige Premierminister William Hughes in „grobschlächtiger“ Verhandlungsweise in Versailles die volle Rückerstattung der Kriegskosten, die sofortige Gefangenrückführung und die Zuordnung von Papua Neuguinea zu Australien erreichte. (Neuguinea wurde immerhin bis 1975 von Canberra regiert).
Der australische Staat schuf durch eine partielle Landenteignung großer Farmen kostenlose Möglichkeiten für Besiedlung durch Kriegsheimkehrer. In diese Zeit sind besonders viele Italiener nach Down under emigriert. Aber es kam zunehmend zu einem internen Missverhältnis. Viele Kreditinstitute gingen in Konkurs. Den Menschen mit Unternehmungsabsichten fehlte das nötige Geld für Investitionen, das Außenhandelsdefizit führte zu einer Überschwemmung des australischen Marktes mit teueren Waren des täglichen Lebens aus Europa. Und die Konflikte in der Gesellschaft führten zu deren Spaltung. Zwar erkämpften die Gewerkschaften 1920 den 8 Stunden Arbeitstag. Aber was nutzte der, wenn es keine Arbeit gab? Streiks, wie der „Waterside Workers Strike“ 1928, der „Beef marsh“ 1931 waren Ausdruck der Not der Bevölkerung, die etwa 6 Millionen betrug. Als zwei Tage vor dem „Schwarzen Freitag“ (Börsencrash an der Wallstreet 24. 10.1929) in Australien die Labour Party die Regierungsgeschäfte übernahm, war die erste Information an die Bevölkerung „Die Staatskassen sind leer!“
Für Australien bedeutete die Weltwirtschaftskrise ein nationales Debakel. Erstmals war die Zahl der Auswanderer größer als die der Einwanderer. Der Export ging gegen Null. Die Preise für Wolle und Weizen, zwei Standbeine der australischen Ausfuhr fielen auf einen historischen Tiefstand. Und Australien verzeichnete schon 1929 25% Arbeitslose. In Südaustralien waren 50 % der erwerbsfähigen Männer ohne Arbeit.
Von diesem Tiefpunkt erholte sich das Land nur langsam. Und kleine lokale wirtschaftliche Erfolge besserten die Lage kaum.